Zehn Minuten vor Beginn der FMS-Abschlussfeier waren noch viele Plätze frei in der Pauluskirche in Olten. Dies kaum aus mangelndem Interesse an den Feierlichkeiten, denn Gäste hatte es viele. Sie plauderten aber lieber noch ein wenig draussen, wo eine leichte Brise Kühlung vor der Hitze versprach.

Nach einer kurzen Begrüssung und Ansprache legte Ueli Trautweiler sein Jackett zur Seite und lockerte sogleich die formelle Atmosphäre auf. Grund zum Feiern gab es genug, denn alle 37 Absolventen und Absolventinnen der 3. FMS-Klassen und die 14 der Fachmatur Gesundheit / Fachmatur für Soziale Arbeit hatten mit Erfolg die letzte Hürde ihrer Ausbildung gemeistert.

In ihrem ersten Lied sangen die beiden Abschlussklassen vom «Man In The Mirror». Darin sind Selbstreflexion und die persönliche Veränderung zentrale Motive. Sich den Spiegel vorzuhalten und sich kritisch mit sich selbst und anderen auseinanderzusetzen sind auch Grundsteine an einer modernen Schule. Dass der positive Sinneswandel jedes einzelnen zur Schaffung einer besseren Welt beitragen kann, war auch ein Traum von Michel Jackson und ist wohl gerade wegen der laufenden Klimadebatte wieder aktuell.

Provokative Episoden

Um Veränderung ging es auch im Poetry Slam von Annalisa Studer, welche stellvertretend für ihre Klasse (3aF) provokativ Episoden aus ihrer Laufbahn an der Kanti stark verzerrte. Aus dem schüchternen Mädel des ersten Schultags wurde eine Teenagerin, welche nicht sonderlich motiviert die Schulbank drückte, beim Spicken nicht erwischt werden wollte, sich über den Umbau ärgerte, den Lehrpersonen auch gerne mal bizarre Begründungen für Absenzen entgegenstreckte, nicht davor zurückschreckte, andere Mitschüler oder Lehrpersonen herauszufordern, Lernformen und Lerninhalte hinterfragte und nun eben auch mit einer Schlussrede ein wenig anecken wollte. Doch halt! Sprach aus der kecken Rebellin nicht auch etwas Abschiedsschmerz darüber, dass bald alle vertrauten Wege der Kanti Vergangenheit sein würden?

Kantihügel als Herausforderung

Nostalgisch wurde die Zeit an der Kanti von der Klasse 3bF mit einem selbst getexteten Mundart-Lied besungen. Ein Gefühl der Einheit verband die Klasse an Festen, Geburtstagen und gemeinsamen Mahlzeiten in der Mensa oder beim Lernen. Der Duathlon brachte einige an ihre Leistungsgrenzen sowie auch der «Kantihoger». Trotz unterschiedlichen Berufsfeldern blieb die Klasse immer loyal. Das absolute Highlight des Moments im Refrain: Endlich alles vorbei – eine wohlverdiente Pause – und mal keine Prüfung in Sicht.

Die beiden Klassen wollten aber auch den Lehrpersonen ihren Dank ausdrücken. Ein kleines Geschenk – vom Krawatten T-Shirt über Tee-Sets bis zu Textmarkern und dem Zauberwürfel – alles hatte eine persönliche Note und vielleicht auch seine Geschichte. Das Engagement der Klassenlehrpersonen Claudia Hodel und Barbara Studer wurde zurecht von ihren Schützlingen und von Ueli Trautweiler besonders gewürdigt.

Nach der Übergabe der Zeugnisse und den Preisen für die besten Abschlüsse und Abschlussarbeiten wurde die Feier mit dem Lied «Halleluja» von Leonard Cohen abgerundet. Der Apéro war für alle nach dieser hitzigen Feier willkommener und verdienter Abschluss.