Die Stammtischgäste des Oltner Rathskellers, die sich am Donnerstagabend zum Feierabendbier trafen, erhielten unerwarteten Besuch. Roland «Roli» Mahler, Blick-Bundesrat aus dem luzernischen Schüpfheim, gesellte sich zu den Männern und Frauen am runden Tisch im «Chübu», wie der Rathskeller im Volksmund heisst. «Ich habe mir vorgenommen, in meiner dreissigtägigen Amtszeit als achter Bundesrat mich einmal pro Woche zu den Leuten in der Beiz zu setzen und mit ihnen über die Dinge zu diskutieren, die sie im Alltag bewegen», stellte sich Roland Mahler vor. Selbstverständlich hatte auch er seine «Bundesweibel» dabei, Mahler war begleitet von Redaktor Guido Felder, dem Fotografen Tom Lüthi und der Koordinatorin Rachel Wicki, alle von der grössten Schweizer Boulevardzeitung.

Der Wirtshausbesuch im Rathskeller war bereits der zweite. Am Donnerstag vor einer Woche weilte Mahler im «Rössli» in Appenzell. Geplant sind noch zwei weitere Audienzen in Stammbeizen der Deutschschweiz. Diese werden aber nicht verraten, so wie auch die Blitzvisite in Olten nicht in den Medien publik gemacht worden ist. «Wir haben den Anlass im Voraus bewusst nicht gross angekündigt», erklärte Rachel Wicki, «wir möchten die Leute antreffen, die an diesem Abend hier sowieso ihren gemeinsamen Feierabendtrunk nehmen.» Und den Rathskeller wählte man, weil der Vorsteher des Departements für das Volk, wie Roland Mahler sich nennt, eine typisch traditionelle Gaststätte suchte.

Schattenbundesrat Roland Mahler (40) ist verheiratet mit Vreni Brun, Vater von zwei Kindern und wohnt in einem Einfamilienhaus in Schüpfheim. Der gelernte Maurer und Baumeister führt in Entlebuch ein eigenes Transportunternehmen mit 24 Lastwagen. «Parteipolitisch wollte ich nie aktiv sein» gestand Mahler. Die Idee, beim Blick-Casting für den 8. Bundesrat mitzumachen, entstand beim Bau des Wagens für den Fastnachtsumzug in Entlebuch. Nach mehreren Auswahlrunden aus fast 900 Bewerbern schaffte es Mahler in den Kreis der zwölf letzten Kandidaten, unter denen er dann beim Voting obenaus schwang.

Vor dem Amtsantritt am 1. August bereitete ihn Ringier mit entsprechendem Coaching und Styling auf seinen speziellen Job vor. In seiner Agenda stehen noch Kontakte in Bundesbern und in EU-Brüssel. Zwei Stunden lang unterhielt sich Roland Mahler mit den Leuten im «Chübu». Bemerkenswert war, dass am Stammtisch einzig Gäste aus Aarburg, Obergösgen, Trimbach und Wangen, aber keine aus Olten sassen. Immerhin bildeten die Berufe einen Querschnitt der Schweizer Bevölkerung ab; eine Bankangestellte, ein Zahntechniker, ein Tankrevisor, ein Buchhalter und ein Verkaufsleiter kamen zum donnerstäglichen Treff in die Oltner Altstadt.

Wo drückt der Schuh?

Das Gespräch, was die Schweizer Normalbürger aus der Agglo einer Mittelland-Kleinstadt bewegt, wollte am Anfang nicht so recht in Gang kommen. Hemmend wirkte eventuell auch die Anwesenheit zweier Journalisten. Erst als Roland Mahler erzählte, dass er am selben Tag eine Primarschule besucht habe, war ein erstes Thema gesetzt. Für Gesprächsstoff sorgte das Ungleichgewicht zwischen den Lehrerinnen und Lehrern an der Volksschule.

Sorgen macht auch, dass in den Gemeinden ausserhalb der Ballungszentren zwar die Einwohnerzahl zunimmt, gleichzeitig aber die Zahl der Schulkinder nicht ebenso stark wächst, sondern im Gegenteil abnimmt. Einig war man sich, dass das Schulsystem harmonisiert werden muss. Es könne nicht sein, dass bei einem Kantonswechsel die Kinder benachteiligt werden.

Von der Schule war es nicht weit zum Fachkräfte- und Ärztemangel. Der Numerus clausus bei der Medizin stellte die Stammtischrunde ebenso infrage wie das Knausern bei den Stipendien für Auszubildende und Studierende. Talente müssen wir fördern, «oder sollen nur die Reichen – ob dumm oder gescheit – studieren dürfen», lautete die rhetorische Frage.