Olten

Eine authentische Inszenierung des Passionsspiels

«Die Probe» heisst das Passionsspiel in der Marienkirche Olten; Christoph Schwager ist Autor und Regisseur zugleich.

«Die Probe» heisst das Passionsspiel in der Marienkirche Olten; Christoph Schwager ist Autor und Regisseur zugleich.

Christoph Schwager bringt mit einem Ensemble von hervorragenden Laien die Leidensgeschichte Christi zur Aufführung.

In der Bibel sind Handlung und Dialoge bereits «filmreif» vorhanden. Der Lebensabschnitt des Jesus Christus vom Palmsonntag bis zur Kreuzigung wartet förmlich darauf, als ein Schauspiel aufgeführt zu werden.

Umso mehr, als in der «Passion» eine Person die Hauptrolle spielt, welche bereit ist, für ihre Überzeugung die letzte Konsequenz zu tragen. Das Drama um Leiden und Sterben des Jesus wird denn auch seit dem Barock an vielen Orten aufgeführt. Die Aussage droht allerdings in Spektakel und Folklore unterzugehen.

Nicht so bei der Aufführung, die am Donnerstag in der Oltner Marienkirche ihre Premiere erlebt. Autor und Regisseur Christoph Schwager inszeniert das Passionsspiel authentisch und sparsam.

Gleichzeitig setzt er auf Bewegung im Spiel und nutzt die Möglichkeiten des Kirchenraums. Zudem bereichert er die Dialoge mit Chorgesang und Melodien von der Orgel. Durch diese Abwechslung bleibt das Stück über die ganze Dauer fesselnd.

Um den Gehalt der Passion noch besser aufzuzeigen und ihre Botschaft daraufhin abzuklopfen, ob sie auch im Hier und Heute bestand hat, wendet Schwager einen Kunstgriff an. Er bettet die eigentliche biblische Geschichte in eine Rahmenhandlung ein, in der eine Theatergruppe bei den Proben eines Passionsspiels gezeigt wird.

Der Titel lautet deshalb «Die Probe». Die Akteure spielen einzelne Szene, werden aber von Interventionen des Regisseurs (Adrian Wicki) unterbrochen und unwillkommenen Auftritten eines abgestürzten Fotografen Johnny (Thomas Stürchler) gestört.

Beide zwingen die Truppe zur Reflexion ihres Tuns. Wenn beispielsweise der Regisseur gleich zu Beginn vom Ensemble mehr Energie und Begeisterung fordert, muss er ausdeutschen, was er damit genau meint. Oder wenn Johnny in seiner Naivität die Spielleute bei ihrem Worte nimmt.

Eine Zwischenszene gehört zu den eindrücklichsten der Aufführungen. In einer Umbaupause sucht Céline (Fabienne Jäggi als Maria Magdalena), die sich im Laufe der Proben in den Hauptdarsteller Paul (Mike Baader als Jesus) verliebt hat, das Gespräch unter vier Augen. Es gilt zu klären, ob die Werte, die er im Rampenlicht verficht, auch im wahren Leben Bestand haben.

Später glänzen bei der Probe der berühmten Abendmahls-Szene gleich mehrere «Apostel» durch Abwesenheit. Der Regisseur schlägt vor, die verwaisten Plätze am Tisch eben mit Frauen aus dem Chor zu besetzen, um die Szene trotzdem proben zu können.

Die Choristinnen willigen zwar ein, wollen aber nicht bloss Lückenbüsserinnen sein, sondern diese Rollen auch bei der Aufführung spielen. Warum auch nicht? Die biblische Geschichte spielt in einer patriarchalen altertümlichen Welt des Orients, und heute sässen in diesem Bild nicht nur männliche Jünger am Tisch des Jesus.

Professionelle Leistung

Christoph Schwager hat für diese Aufführung ein Team von Laien engagiert. Durch ihre schlichte, dem Thema angepasste Spielweise brauchen sie aber einen Vergleich mit Profis nicht zu scheuen. Unter anderem wäre hier die grossartige schauspielerische Leistung zu nennen, um Jesus› Verzweiflung am Abend vor der Verhaftung glaubwürdig darzustellen.


Durch die Anlage des Stücks haben die Akteure mindestens zwei Rollen, jene aus der «Probe», also dem Theater im Theater, und jene aus dem Passionsspiel auszufüllen. Daniel Joss beispielsweise agiert als Max sowie in den Chargen von Judas, Pontius Pilatus und des Schriftgelehrten Alon.

Ausser den bereits Erwähnten sind Monika Brunner Sabato, Adrian Dreier, Ruedi Grolimund, Susanne Pfister Hostettler, Theres Mühlebach Costa und Alain Röllin auf der Bühne präsent. Eigentlich müssten Theaterbegeisterte aus der ganzen Schweiz für diese «Passion» nach Olten angereist kommen.

Eine wichtige Rolle bei der «Probe» spielt die Musik. Der Organist Christoph Mauerhofer hat Instrumentalstücke für die Orgel sowie Arien und Chorlieder komponiert, um die Sprechpartien zu ergänzen. Er schrieb moderne Melodien, die sich an der Liturgie wie an der rockig-jazzigen Musicaltradition orientierten.

Seine Chorwerke wurden durch ein vierzehnstimmiges Ensemble gesungen, bei dem Georges Regner sowohl die musikalische Leitung als auch eine Singstimme ausfüllte. Besonderen Applaus verdiente das schwierig zu singende, aber hervorragend klingende «Seligpreisung» aus der Bergpredigt.

Der Chor rundete auch das Passionsspiel mit einem Schlusslied zur Osterbotschaft ab: «Glauben und hoffen – auferstehen, Neues begehen».

«Die Probe – ein Passionsspiel» wird präsentiert vom Verein Kultur in der Kirche um Präsident Erich Huber. Das Bühnenbild stammt von Stefan Käsermann, die Kostüme von der Schule für Mode und Gestalten, Olten.

Gleichzeitig zu den Aufführungen werden in der Marienkirche an der Engelbergstrasse Bilder des Toggenburger Malers Willy Fries gezeigt.

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