Zwei Millionen Tonnen an noch brauchbaren Lebensmitteln werden jährlich weggeworfen. Das sind pro Person und Tag 320 Gramm oder fast eine ganze Mahlzeit. Die grössten Verschwender sind laut einem Bericht von WWF Schweiz und der Organisation Foodwaste nicht etwa die Detailhändler oder die Gastronomen, sondern wir Konsumenten in den Haushaltungen. Danach folgt die Verarbeitungsindustrie durch Aussortieren nicht genehmer Ware.

Um die Leute auf dieses Thema zu sensibilisieren, hatte die Katholische Kirche Olten eine spezielle Idee: «Wir wollten das Erntedankfest in zeitgemässerer Form feiern», sagen Pastoralraumleiter Andreas Brun und Sozialarbeiterin Cornelia Dinh-Sommer, bei denen die Fäden zusammenlaufen.

Ergänzend zu den Traditionen in der Kirche, um Gott für die Ernte im Herbst zu danken, organisieren die Katholiken nun nächsten Donnerstag ein Foodsave-Bankett auf der Kirchgasse.

Als Vorbild diente auch die Stadt Bern, wo letzten Herbst der gleiche Anlass erstmals durchgeführt wurde. Eingeladen sind nur nicht nur Gläubige, sondern alle Interessierte, die mehr über Foodwaste wissen wollen oder einfach kostenlos ein Abendessen geniessen wollen. Getränke wie Mineral oder Most werden verkauft. «Wir rechnen mit bis zu 300 Leuten», sagt Brun.

Für den Anlass gewinnen konnte die Kirche drei renommierte Köche aus der Region, die aus Lebensmitteln, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, je drei Dreigänger kochen werden mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert. Mit dabei sind Sascha Rickenbacher («Pavillon», Olten), Daniel Bitterli («Salmen», Olten) und Arno Sgier («Traube», Olten). «Sie haben ohne Zögern zugesagt», sagt Brun.

Liste der benötigten Lebensmittel

Der Gourmetkoch Arno Sgier, der auf einem Bauernhof im Bündnerland aufgewachsen ist, hält die Verschwendung von Lebensmitteln für «absolut tragisch». Für ihn war es daher Ehrensache, sich ehrenamtlich beim Anlass mitzumachen.

In seinem Restaurant Traube – mit 17 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet – achtet er darauf, dass so wenige Nahrungsmittel wie möglich weggeworfen werden. «Aus Gemüseresten kochen wir zum Beispiel eine wunderbare Bouillon.» Auch bei den Gästen fallen aufgrund der kleineren Portionen selten Resten an.

Zwei von drei Gängen wird er nächsten Donnerstag im Restaurant kochen, das Dessert aber direkt vor Ort auf der Kirchgasse zubereiten. Er ist zuversichtlich, dass die für die Gerichte benötigten Lebensmittel zusammenkommen, weil man eine Woche lange gezielt danach suchen könne.

Benötigt würden vor allem Gemüse und Milchprodukte. Fleisch oder Fisch steht nicht auf der zusammengestellten Liste. «Gerade heute habe ich bereits die Hälfte der benötigten Kartoffeln erhalten», sagt Sgier. Zur Verfügung gestellt werden die Lebensmittel von den Detailhändlern Coop und Migros sowie dem Oltner Verein RestEssBar und der Schweizer Tafel. Seit gestern werden diese gesammelt und im Kühlraum des «Pavillon» gelagert.

Als Partner der Veranstaltung gewinnen konnte die katholische Kirche die reformierte, die christkatholische und die Offene Kirche Region Olten, den Landfrauenverein Olten und Umgebung sowie diverse Privatpersonen. Die Infrastruktur wie Bänke und Geschirr wird von den Katholiken zur Verfügung gestellt.

Weil die Organisatoren selbst möglichst wenig Abfall produzieren wollen, greifen sie auf richtige Teller und Besteck zurück. Beides kann aber auch selbst mitgebracht werden. Das Essen ist zwar kostenlos, es gibt aber eine Kollekte für den Verein Schlafguet, der eine Notschlafstelle für Obdachlose in Olten realisieren will.