Theaterstudio Olten

Ein ziemlich heimeliger Abend mit Pedro Lenz und Max Lässer

Sprache und Musik: Autor Pedro Lenz (links) und Musiker Max Lässer (rechts) präsentierten ihr Programm «Mittelland».

Sprache und Musik: Autor Pedro Lenz (links) und Musiker Max Lässer (rechts) präsentierten ihr Programm «Mittelland».

Pedro Lenz und Max Lässer begeisterten mit Wort und Ton das Publikum im restlos ausverkauften Theaterstudio Olten.

Drei Abende nacheinander präsentieren der Musiker Max Lässer und Schriftsteller Pedro Lenz ihre Koproduktion «Mittelland» vor ausverkauften Rängen. Am Freitagabend platzte das Theaterstudio mit über 100 Besuchern fast aus allen Nähten. Geboten wurde ihnen ein ziemlich heimeliger Abend.
Die Kombination ist schon speziell: auf der einen Seite Pedro Lenz mit seinen unverkennbaren Texten und auf der anderen Max Lässer mit seinen leicht verträumten Gitarrenkompositionen. Gleich zu Beginn geht das Konzept auf. Lässer legt mit ein paar Akkorden einen stimmigen Teppich, lässt ihn mittels Looppedal in Dauerschleife spielen und legt ein verträumtes Solo darüber. Mit einem Kopfzeichen gibt er Lenz zu verstehen, dass das Arrangement bereit ist für seinen Text. Lenz nimmt tief Luft, sucht sich scheinbar willkürlich eine Passage in seinem roten Notizheft aus und erfüllt den Raum mit einem Text über Thai-Currys und Bündner Nusstorten, der die ersten Lacher im Publikum provoziert.

Instrumental wunderbar untermalt gibt Lenz im weiteren Verlauf des Abends um die 20 Texte zum Besten. Die Themen decken von nervigen Fliegen, die man schlussendlich trotzdem irgendwie vermisst, über Lokalnachrichten, das berühmt berüchtigte ein Glas Wein, das man gerne mal mit Freunden nimmt, und einer Art Liebeslied eine eindrückliche Bandbreite. Lässer hantiert, hebelt, schraubt und zupft an seinen Gitarren rum und entlockt so Lenz gelegentlich ein rhythmisches Achselzucken, während er seine Texte vorträgt. Von verspielten Soli über mitreissende Bluespassagen hat Lässer ein reiches Repertoire mitgebracht und nicht mit seinem Können gegeizt. Mit Lenz’ charaktervollen Textpassagen und Lässers Gitarrenspiel lädt die Darbietung zum Träumen ein und die vorgetragenen Geschichten entfalten sich in all ihrer Vielfältigkeit vor dem inneren Auge. Persönliches Highlight war ein Stück über das Wort und den Zustand «heimelig». Mit warmen Tönen ergänzt Lässer die warme, ruhige Stimme von Lenz und schafft ein total «heimeliges» Wohlgefühl. Man sinkt immer wie tiefer in den harten Schalensitz, vergisst, dass man sich in einem vollbepackten Saal mit 100 anderen Gästen befindet, und fühlt sich einfach nur wohl. Ein paar Zuschauer fühlten sich derart wohl, dass sie sich gar ein kleines Nickerchen hinter konzentrierter Mine erlaubten.

Neben der heiteren Seite hinterlassen einige Stücke auch einen etwas schalen Nachgeschmack. Wieder einmal mehr hebt Lenz dem Publikum den Spiegel vor, indem es sich in bekannten Situationen wiedererkennt. Er spricht vom Zwist zwischen regional und global, romantisch und exotisch und dass man immer beides haben möchte. Er beschreibt Eigenheiten in Gemeinden, wie sie jeder im Mittelland bereits erlebt und sich darüber geärgert hat. Dabei kritisiert er, ohne wirklich Kritik auszusprechen. Lenz stellt Beobachtungen und Gedanken in den Raum. Was damit gemacht wird, überlässt er dem Publikum. Vielleicht kommen seine Texte gerade deshalb so gut an, weil sie Raum für Interpretation lassen, ohne diese zu provozieren.

Die Kombination Lässer-Lenz scheint trotz des regen Andrangs nicht allen Besuchern zuzusagen. Immer wieder blitzen Handybildschirme auf und ein kurzer Kontrollblick auf die Uhrzeit verrät die schrumpfende Aufmerksamkeitsspanne des Publikums. Zugegeben, eine kurze Pause in der Mitte hätte «Mittelland» sicherlich nicht geschadet. Gelitten hätte darunter wohl der kreative Fluss der beiden, dafür wäre das Publikum bis zum Schluss voll dabei gewesen. Einer Zuschauerin aus Lostorf hat der Abend aber trotzdem gefallen: «Ich bin einfach ein Fan von Pedro Lenz. Er wirkt immer so tiefenentspannt und unprätentiös.»

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