Sicher erinnern sich viele an das Hickhack um die letzte Externe Schulevaluation der Primarschule Hägendorf im Jahr 2015: Das Ergebnis der vom kantonalen Volksschulamt regelmässig in Auftrag gegebenen und von der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführten Evaluation war vom damaligen Gemeindepräsidenten Albert Studer so lange unter Verschluss gehalten worden, dass Teile des Gemeinderates, der Lehrer- und der Elternschaft auf die Barrikaden gingen.

Der Grund für das Zurückhalten des Berichts wurde erst im Januar 2016 offenbar, als dann bereits auf Druck der Öffentlichkeit bekannt wurde, dass die Leitung der Primarschule eine rote Ampel kassiert hatte. Die Hauptschuld dafür bekam der damalige Schulleiter Thomas Schöni in die Schuhe geschoben. Er musste später seinen Posten räumen.

Seitdem ist viel passiert an der Primarschule Hägendorf: Bereits 2016 wurde eine Arbeitsgruppe gebildet – bestehend aus dem heutigen Gemeindepräsidenten, dem für Schule und Bildung zuständigen und einem dritten Gemeinderat, der Schulleitung und Vertretern der Lehrerschaft. Sie definierte und setzte Massnahmen um, um die Missstände zu beheben, die sich nicht nur in der roten Schulleitungsampel äusserten, sondern auch in zwei gelben Ampeln für das Qualitätsmanagement und das Arbeitsklima der Lehrpersonen.

Einer der wichtigsten Schritte war die Schaffung eines neuen Schulleitungsmodells, das mit dem Arbeitsantritt der beiden Co-Schulleiter Monika Fischer und Daniel Mettauer im Sommer 2017 umgesetzt wurde. Seither wurden regelmässige Mitarbeitergespräche eingeführt, Pflichtenhefte überarbeitet, Funktionendiagramme erstellt und Workshops mit allen Lehrern durchgeführt, um die Kommunikation zu verbessern und die Team-Entwicklung zu fördern. Begleitet wurde die Arbeitsgruppe dabei nicht nur durch einen Vertreter des kantonalen Volksschulamtes, sondern auch von einem extra engagierten externen Coach.

Ein Neustart ist gelungen

Drei Jahre später ist klar: Der Aufwand hat sich gelohnt. In einer Nachevaluation wurde im Frühling und Sommer 2018 überprüft, ob die im Evaluationsbericht von 2015 als «Funktionsstörung» bezeichneten Mängel in der Schulleitung behoben werden konnten. Dazu wurden schriftliche Befragungen gemacht, Gruppen- und Einzelinterviews mit allen Beteiligten geführt, Selbsteinschätzungen erstellt und auch vor Ort, an der Primarschule selbst, Daten erhoben, Dokumente analysiert und Eindrücke gesammelt.

Das Evaluationsteam stellte der Schulleitung und der kommunalen Aufsichtsbehörde den Nachevaluationsbericht am vergangenen Dienstagabend mündlich vor; der finalisierte schriftliche Bericht soll Ende August vorliegen.

Das Ergebnis: Mit den vor einem Jahr eingesetzten Schulleitern ist ein Neustart gelungen. Die Primarschule Hägendorf erfüllt die grundlegenden Anforderungen im Bereich Schulführung und erhält dafür eine grüne Ampel. Die Aufgaben und Zuständigkeiten innerhalb der Schulleitung seien grundsätzlich geklärt und verschriftlicht, das Co-Schulleitungsmodell habe sich als funktionsfähig erwiesen und entspreche den Erfordernissen des Schulalltags. Die beiden Schulleiter ergänzen sich in ihren Stärken.

Auch die Zusammenarbeit zwischen der Schulleitung, der Schulverwaltung in Person von Monika Kronenberg und der kommunalen Aufsichtsbehörde – Gemeindepräsident Andreas Heller und Gemeinderat Bildung Fabian Lauper – funktioniere gut. Es sei gelungen, eine Vertrauensbasis zu schaffen, auf der weitere institutionelle und individuelle Entwicklungen möglich sind.

Das Klima an der Schule wirke entspannt. Sitzungs- und Kooperationsstrukturen seien installiert worden und werden erprobt. Innerhalb des Lehrerkollegiums herrsche Offen- und Gelassenheit. Es konnte Vertrauen aufgebaut werden. Kurz: An der Primarschule Hägendorf ist Ruhe eingekehrt.

Lehrplan 21 wird eingeführt

Und doch: Noch seien nicht alle «alten Wunden» gänzlich verheilt. Die neue Struktur sei noch fragil. Bei sorgsamem Umgang mit diesem Aspekt erachtet das Evaluationsteam die Schule jedoch als tragfähig genug, um in Zukunft die bisher noch etwas vernachlässigten pädagogischen Projekte angehen zu können: Die spezielle Förderung kann nun umgesetzt, der Lehrplan 21 eingeführt und die längerfristige pädagogische Ausrichtung der Schule definiert werden.

«In enger Abstimmung mit dem Kanton haben wir diese Themen auf das nun laufende Schuljahr terminiert», erklärt Gemeindepräsident Andreas Heller. «Bisher standen zwangsläufig organisatorische und Führungs-Themen im Vordergrund. Neue Strukturen mussten geschaffen und Vertrauen musste aufgebaut werden.

In nächsten Schritten werden die pädagogischen Inhalte viel Gewicht erhalten.» Zwar seien mit allen Lehrern Kennenlerngespräche durchgeführt worden und die beiden Schulleiter besuchten alle Lehrpersonen im Unterricht – eine bewusste Personalführung mit expliziten Zielsetzungen und der Definition von Tabus stehe aber erst in diesem Schuljahr auf der Agenda.

«Wir sind noch nicht am Ende des Weges, aber wir sind auf dem richtigen Weg», freut sich Heller. Mit der grünen Ampel für die Schulleitung in der Nachevaluation sei «ein wichtiger Meilenstein geschafft». «Das bedeutet für uns wieder Autonomie, keine Berichterstattung mehr an das Volksschulamt. Wir haben das Heft wieder selbst in der Hand.» Der komplette Nachevaluationsbericht ist voraussichtlich ab dem 28. August 2018 unter www.haegendorf.ch einsehbar.