Welschenrohr

Ein Wasserschaden in der Kirche sorgte für neue Erkenntnisse

Franziska Haller in der evangelisch-reformierten Kirche in Welschenrohr.

Franziska Haller in der evangelisch-reformierten Kirche in Welschenrohr.

Wie Pfarrerin Franziska Haller die ersten 14 Monate im Thal erlebt hat. «Komisch war es schon am Anfang, plötzlich in einem so grossen Haus zu wohnen», erinnert sich Franziska Haller und lacht.

Aus ihrem zehn Quadratmeter kleinen WG-Zimmer in Bern zog sie im Oktober 2011 ins Thal, um mit 29 Jahren die Stelle als Reformierte Pfarrerin in Welschenrohr und damit auch die Verantwortung für die Gemeinden Gänsbrunnen, Herbetswil, Aedermannsdorf, Matzendorf und Laupersdorf zu übernehmen.

Noch heute reist sie an ihren freien Tagen ab und zu nach Bern, wo sie Theologie studiert hat und bis heute viele Freundschaften pflegt. Das Leben in der Hauptstadt hat ihre sehr gut gefallen, im Sommer fehlt ihr heute ab und zu die Aare. «Ich vermisse es, nicht mehr einfach rasch zur Abkühlung in die Aare hüpfen zu können», sagt sie.

Doch trotz gelegentlichem Heimweh gefällt es ihr sehr gut in Welschenrohr. «Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen. Die Leute kamen sofort auf mich zu.» Ihr Alltag besteht nicht nur aus der Vorbereitung für den sonntäglichen Gottesdienst, sondern auch aus Spital- oder Hausbesuchen, administrativen Arbeiten, Religions- und Konfirmationsunterricht und schliesslich gibt es noch Taufen und Beerdigungen.

Durch die Abwechslung Kraft tanken

Sie schätzt die Abwechslung sehr, denn so hat sie die Möglichkeit, zwischendurch Kraft zu tanken. «Dadurch, dass es im Berufsalltag, wenn ich mit Leuten zu tun habe, durchaus auch einmal fröhlich zugehen kann, habe ich dann die Kraft, für die Leute da zu sein, die Trost oder sonst Unterstützung brauchen.»

Wenn sie Zeit hat, liest zur Entspannung gerne ein Buch oder spaziert bei schönem Wetter ab und zu zum «Bäreloch» nördlich von Welschenrohr, von wo aus man einen schönen Ausblick über das Thal hat. Wohl fühlt sie sich an ihrem neuen Wohnort auch wegen des tollen Zusammenhalts der Menschen.

«Die Nachbarn helfen einander und sind füreinander da, das ist nicht selbstverständlich.» Eine speziell schöne Situation ergab sich für sie im letzten Sommer, als der Gottesdienst aufgrund eines Wasserschadens der Kirche im kleinen Cheminéesäli im Pfarrhaus stattfinden musste. «Früher hatte ich immer das Gefühl, dass man einen Gottesdienst in einer Kirche halten muss. Der Anlass wurde aber zu einer tollen Erfahrung. Alles war viel familiärer.» Sorgen machte sie sich aber trotzdem, schliesslich sollte am 9. September das 50-Jähr-Jubiläum der reformierten Kirche Welschenrohr stattfinden. «Ohne Kirche hätten wir das Jubiläum in einem Festzelt feiern müssen, das hätte ich irgendwie absurd gefunden.»

Schaden rechtzeitig behoben

Glücklicherweise war der Schaden eine Woche vor der Feier behoben und die ersten Kirchenbänke konnten wieder ins Gebäude getragen werden. Dieses Erlebnis hat sie aber nachhaltig geprägt: «Mir wurde bewusst, dass man Kirche auch ohne Gebäude machen kann. Die Leute sind das Wichtige, sie machen die Kirche aus. Die Kirche lebt durch die Gemeinschaft der Menschen, der Rest ist eigentlich ziemlich egal.»

Um selber religiös aufzutanken hört sie im Radio Religionssendungen. Während des Studiums hat sie ab und zu in einem Kloster übers Wochenende an Gebetsstunden teilgenommen. In letzter Zeit jedoch kaum mehr. «Wenn irgendwie möglich werde ich das im nächsten Jahr einmal einbauen, um persönlich weiter zu kommen.»

Auf ihr Alter angesprochen sieht sie Vor- und Nachteile für ihre Arbeit als Pfarrerin. «Ein Nachteil ist es, dass man halt nicht so viel Lebenserfahrung hat. Ein Vorteil ist für mich, dass man noch nicht festgefahren ist und immer neue Sachen herausfinden kann.» In ihrem ersten Jahr in Welschenrohr konnte sie jedenfalls schon sehr viele Erfahrungen machen, und gegen die Einsamkeit im grossen Haus hilft Kater Kasimir, der ihr seit diesem Frühjahr Gesellschaft leistet.

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