Theaterstudio Olten

Ein Schweizer und ein Deutscher - Von der Liebe hin bis zu Bitterbösem

Tino Andrea Honegger (links) und Lars Redlich setzen in ihrem neuen Programm ihre musikalischen Talente virtuos ein.

Tino Andrea Honegger (links) und Lars Redlich setzen in ihrem neuen Programm ihre musikalischen Talente virtuos ein.

Im Theaterstudio Olten zeigten Tino Andrea Honegger und Lars Redlich die tPremiere ihres Musical-Kabarett-Programms «Beziehungsweise». Die beiden griffen tief in die Kiste ihres breiten Repertoires und präsentierten brilliant, was sie darin fanden.

Wenn sich ein Schweizer und ein deutscher Musicaldarsteller für ein Kabarettprogramm zusammenfinden, um was geht es dann? Der Berliner Lars Redlich erschien mit Fanmütze und Halstuch in Rotweiss sowie roten Hosenträgern mit Schweizerkreuzen auf der Bühne des Theaterstudios Olten – doch von den Dialektansagen seines Kollegen Tino Andrea Honegger in gemütlichem Oltner Deutsch verstand er selbstverständlich kein Wort. Die beiden überaus begabten Sänger und Wortakrobaten spielten in ihren Zwischentexten und in rasanten Dialogen zuerst virtuos mit den Klischees und den Vorurteilen, die in den Beziehungen der beiden Länder dominieren. Im Verlaufe des brandneuen Programms «Beziehungsweise» löste sich dann aber vieles wieder auf. In einer kleinen, perfiden Parodie auf die TV-Castingshows sang Lars beispielsweise nach der Pause den Polo-Hofer-Hit «Lotti, Lotti» in fast perfektem Berndeutsch.

Liebe in allen Sprachen

Beziehungen aller Art loteten die zwei Unterhaltungstalente aus. Mit «Ich liebe dich» in den verschiedensten Sprachen begann eine facettenreiche Auseinandersetzung über die Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Sie endete später mit dem Blues-Brother-Hit «Everybody Needs Somebody». Dazwischen lag ein weites Spektrum zwischenmenschlichen Verhaltens.

Die jungen Künstler griffen dazu in den Fundus ihrer bisherigen Erfolge. Beide haben im Musical «Grease» mitgewirkt, und so darf weder die High-School-Schnulze «Sandy» noch das schmissige «You’re the One That I Want» fehlen. Ausnahmsweise zu Musik ab Tonband: Sonst wechseln sich die beiden Allround-Entertainer am Klavier ab, und Lars greift zwischendurch zum Sopransaxofon, zur Blockflöte oder zur kleinen Gitarre. Auch eine andere Prachtsrolle haben beide auf der Bühne verkörpert: Den Dr. Frank’N’Furter aus der « Rocky Horror Show». Diesmal überliess Lars seinem Kollegen den Vortritt. In Strapsen und mit Federboa sang Tino Andrea Honegger lautstark vom «Sweet Transvestite» und stelzte auf hohen Absätzen durchs Publikum.

Auch sonst scheute sich Honegger nicht vor ulkigen Verkleidungen. Einen Auftritt im rosa Tütü benutzte er selbstironisch dazu, «auf eine noch viel peinlichere Rolle hinzuweisen» – ab 13. April wird er in Zürich im Hechtplatz-Theater im Monty-Python-Kultmusical «Spamalot» mitwirken.

Echt Bitterböses

Aus seinem erfolgreichen Kleinkunstprogramm «Lars But Not Least» trug der charismatische Lars Redlich einige Nummern zum klug zusammengestellten Kabarettabend bei. Er scheute sich oft nicht, auch unter die Gürtellinie zu zielen.

Ist das alles echt?

So erklärte er beispielsweise den Ursprung des Hip Hop und des Penisneids, fragte «Ist das alles echt?», erzählte zur Melodie «Lady in Black» von Uriah Heep von einem horriblen Zahnarztbesuch, um dann mit der im Sopran gesungenen Habanera-Arie aus Bizets «Carmen» samt rockigem Einschiebsel auf ein mögliches Ende einer Beziehung hinzuzielen: Bodo Wartkes bitterböses Chanson «Ja, Schatz» war ein makabres Highlight.

Um nur noch zwei der zahlreichen Höhepunkte aufzuzählen: Es ist erstaunlich, wie viele bekannte Pophits Lars Redlich zu den immer gleichen vier Akkorden einfielen, die Tino Andrea Honegger unermüdlich auf dem Klavier spielte.

Und nach viel Klamauk dann ein besinnlicher Schlusspunkt: Die beiden jungen Entertainer sangen im Wechsel die wunderschöne Ballade «I’m Going Home» aus «The Rocky Horror Show».

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