Olten
Ein Schlauch ist nicht nur zum Löschen da

An der Schweizer Meisterschaft der Jugendfeuerwehr in Olten zeigten die Jungen beim Parcours, was sie drauf haben.

Lucien Rahm
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Hydrantenwerfen: Siegerweite: 7,01 Meter

Hydrantenwerfen: Siegerweite: 7,01 Meter

Remo Froehlicher;Remo Fröhlicher

Wie weit lässt sich ein 22 Kilogramm schwerer Wasserhydrant werfen? Die begabtesten Teilnehmer des Hydranten-Weitwurfs brachten es am Samstag auf rund sieben Meter. Die Disziplin war Teil der Jugendfeuerwehr-Meisterschaft, die dieses Jahr auf den Oltner Kleinholzanlagen stattfand. Und es war der einzige Wettbewerb, der auch unter Erwachsenen ausgetragen wurde. Ansonsten standen, wie es die Bezeichnung Jugendfeuerwehr vermuten lässt, Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren im Fokus des sportlichen Tuns.

Auch dem Hydranten-Weitwurf nahmen sich einige Jungfeuerwehrler an. Ihr Wurfobjekt wog allerdings nicht ganz so schwer wie jenes der «Grossen». Statt eines Hydranten warfen sie einen sogenannten Absperrschieber – ein Verbindungsteil für Wasserschläuche, mit dem sich der Durchfluss regulieren lässt – auf die dafür vorgesehene Sandfläche. Am weitesten warf das blaulackierte Metallteil der 16-jährige Andrea Russo, Mitglied der Jugendfeuerwehr Gäu, der sich nun diesbezüglich Jugendschweizermeister nennen darf.

Möglichst schnell und ordentlich

Russo setzte sich dabei gegen vier Mitbewerber durch, und dies ohne irgendeine spezielle Technik. «Ich habe einfach mal gemacht.» Nicht ganz so erfolgreich war er hingegen mit seinen Kollegen der Gäuer Jugendfeuerwehr beim Absolvieren des Meisterschafts-Parcours, der Hauptdisziplin der zweitägigen Veranstaltung. Sie hätten zwar seit Februar, statt der üblichen monatlichen Übung, wöchentlich trainiert, sagt Russo. Andere Mannschaften würden aber noch mehr Zeit in die Wettkampfvorbereitungen investieren und seien folglich schwerer zu schlagen.

In der Hauptdisziplin treten je zwei Jugendfeuerwehren à sieben Mitglieder gegeneinander an. Gemeinsam müssen sie unter anderem Seilknoten vorführen, oder einen Spitzschlauch zusammenschrauben und einer Laufbahn entlang verlegen, um damit Tennisbälle von einer Erhöhung herunter zu spritzen. Danach muss der Schlauch entleert, demontiert und zum Depot zurückgeschleift werden, wo er sauber zusammengerollt wieder verstaut wird. Dies soll alles möglichst schnell und dennoch ordentlich geschehen, sonst droht ein Punkteabzug.

Jugendfeuerwehr Olten: Rang 15

Den teilnehmenden Jungen und Mädchen, die unter den bisweilen ohrenbetäubenden Anfeuerungsschreien ihrer Coaches, Kollegen und Eltern die meterlangen Schlauchbestandteile unter Zeitdruck zurückziehen mussten, war die Anstrengung anzusehen. Hierzu könnte das Wettbewerbstenue beigetragen haben: Die Jugendlichen hatten im Feuerwehranzug samt Helm anzutreten.

Stark verbessert hat sich gegenüber dem letzten Jahr die Jugendfeuerwehr Olten. «2015 landeten wir auf dem letzten Platz. Als Gastgeber wollten wir diesmal einen besseren Eindruck hinterlassen», sagt Leiterin Eveline Hodel. Und dies gelang: Zwar hat es nicht für den Finaleinzug gereicht, aber immerhin für den 15. Rang, bei insgesamt 30 teilnehmenden Mannschaften aus der Deutsch- und Westschweiz. Gesiegt hat dieses Jahr die Jugendfeuerwehr Buchberg-Rüdlingen, gefolgt von der Jugendfeuerwehr Bödeli und der Jugendregiowehr Suhrental.

Nachwuchs für die «Grossen»

«Wir wollen den Jungen hier eine Wettbewerbsatmosphäre bieten, um in ihnen das ‹Feuerwehr-Feuer› noch mehr zu entfachen», sagt Franziska Hochstrasser, OK-Mitglied der diesjährigen Meisterschaft. Nebst Teamgeist und Spass, die sie ihren Mitgliedern in den Jugendfeuerwehren bieten wollen, gehe es grundsätzlich aber auch darum, auf diesem Weg Männer und Frauen für die «grosse» Feuerwehr zu gewinnen, ergänzt Hodel. Jährlich würden so ein bis zwei Zugänge an die Hauptfeuerwehr vermittelt werden können. Mit ihrem Vorwissen aus der Jungvariante können sie sich dann auch gewisse Kurse ersparen, welche normal Rekrutierte noch absolvieren müssen.

Jugendschweizermeister Andrea Russo möchte dereinst ebenfalls in der Erwachsenenfeuerwehr mitwirken. «Das Ganze hat mich schon von klein auf fasziniert, ich mache auf jeden Fall weiter», so Russo.