Olten
Ein Sandmandala für die Vergänglichkeit

Tibetische Mönche streuten bunte Sandkörner im Oltner Kulturplatz Tattarletti. Das Werk entstand zu Ehren des Buddhas Chenrezig, dem Buddha des Mitgefühls. Organisiert wurde der Anlass von Christina Ackermann im Zeichen schweizerisch-tibetischer Freundschaft.

Jasmin Kunz
Merken
Drucken
Teilen
Sandmandala in Olten
10 Bilder
Bunte Sandkörner für das Mandala.
Mit diesem Werkzeug wird das Sandmandala gestreut.
Zentangle-Lehrerin Tina Hunziker beim zeichnen.
So sieht das fertige Mandala am Donnerstag aus.

Sandmandala in Olten

Bruno Kissling

Es klingt wie in einem Handwerksbetrieb, das vibrierende Geräusch von Metallfeilen, Klopfen, Hämmern. Die drei tibetischen Mönche Geshe Lobsang Soepa, Geshe Lobsang Tsondu und Geshe Jampa Gyatso sind zu Besuch im Oltner Kulturplatz Tattarletti. Konzentriert stehen sie am Mittwochnachmittag rings um ein niedriges Tischchen und streuen mit speziell dafür mitgebrachtem Werkzeug ein Sandmandala.

Zu Ehren des Buddhas Chenrezig

Das Werk entsteht zu Ehren des Buddhas Chenrezig, dem Buddha des Mitgefühls. Von den Besuchern durch tibetische Gebetsfahnen getrennt, schaufeln sie farbigen Sand in ein langes, trichterförmiges Gefäss. Durch die winzig kleine Öffnung an der Unterseite rinnt der Sand langsam hindurch. Mit schabenden Bewegungen entlang dem Trichter vibriert der Sand kontrolliert und rieselt genau an die gewünschte Stelle.

Für exaktes Arbeiten stützten die Männer ihre Hände auf einem zusammengeklebten Kissen ab. Auf die Frage, ob ihm seine Hände nicht wehtun bei dieser eher unbequem anmutenden Stellung, antwortet Geshe Lobsang Soepa nur mit einem milden Lächeln. Der Exil-Tibeter lebt in Italien, dorthin kehrt er nach der Tour zurück. Die anderen zwei Mönche fliegen nach einem Abstecher nach Österreich wieder nach Südindien. Dort leben sie in einem Exilkloster.

Noch haben erst wenige Besucher den Weg zum Tattarletti gefunden. Doch die fünf Anwesenden sind dafür umso faszinierter vom kreativen Schaffen der Mönche. Innerhalb einer Stunde entstand ein kompletter Rahmen; das gut ein Quadratmeter grosse Mandala sieht schon fast fertig aus. Seit drei Tagen entwickelt sich so, Stück für Stück, das immer eindrücklicher werdende Kunstwerk aus Sand.

Für die Mönche ist ein Besuch in Europa gar nicht so einfach: Christina Ackermann aus Oensingen hat auf Anfrage von «Friends of Tibet» in Österreich die Reiseorganisation übernommen. Sie ist Leiterin der Sektion Mittelland der Gesellschaft schweizerisch-tibetischer Freundschaft (GSTF) und setzt sich bereits seit Jahren für das Thema Tibet ein. «Ich brauche Menschen aus unterschiedlichen Kulturen um mich herum», sagt die 63-Jährige.

Langsam füllt sich der Raum. Viele Eltern und Kinder schauen gebannt den exakt arbeitenden Händen der drei Mönche zu. Noch immer traut sich niemand, die wie eine Trennlinie aufgehängten Gebetsfähnchen zu überschreiten und einen noch näheren Blick auf die Hände zu erhaschen.

Tibetische Gebetsfahnen, tibetisch: rlung rta, heissen übersetzt so viel wie «Windpferd» und sollen die darauf niedergeschriebenen Gebete mit dem Wunsch nach Frieden durch den wehenden Wind verbreiten. Im Tattarletti herrscht Windstille. Zum Glück für das Mandala. Bei zu viel Durchzug könnte der ganze Sand und damit die ganze Arbeit der letzten Tage davonwehen. Das Sandmandala ist zwar ein Symbol für Vergänglichkeit, doch dieses Kunstwerk soll erst nach Fertigstellung zerstreut werden.

Weniger vergänglich sind währenddessen die kleinen Kunstwerke der zertifizierten Zentangle-Lehrerin Tina Hunziker. Im oberen Stockwerk lädt sie zu einer «Entdeckungsreise zur eigenen Kreativität» ein. Passend zur meditativen Stimmung des Sandmandalas soll auch Zentangle dabei helfen, zur Ruhe zu kommen.

Das Prinzip ist ganz einfach: Grundelemente (Designs) werden gelernt, danach kann der Zeichnende diese nach eigenen Vorlieben zusammenstellen und auf einem kleinen Papierquadrat zu einem Kunstwerk zusammenführen. Dabei gilt: Radieren ist verboten. So entstehen einmalige Zeichnungen, die «eine Art Handschrift des Zeichnenden» zeigen, wie Hunziker die fein gezeichneten Bilder beschreibt.

Arbeit am Detail

Beim Streuen eines Sandmandalas kann zwar auch nicht radiert werden, doch kleine Unebenheiten werden von den Mönchen gekonnt mit einem Schaber zurechtgerückt. Gerade macht sich Geshe Lobsang Soepa an den letzten Schliff für den Abend und tupft mit dem Zeigefinger ein Detail am äusseren Rahmen des Mandalas zurecht.

Am Donnerstagmorgen um 10 Uhr ist das Mandala fertig. In einer feierlichen Zeremonie wurde das Sandmandala aufgelöst, dabei wird der Sand der Aare «zurückgegeben» und so zu einem Symbol der Vergänglichkeit.

Die letzte Station der Sandmandala-Tour in der Schweiz:

Freitag, 28. - Sonntag, 30. Oktober 2016

Praxisgemeinschaft Oensingen

Solothurnerstrasse 79, 4702 Oensingen

Fr./Sa. jeweils 13.00 - 20.00 Uhr; So. 11.00 - 18.00 Uhr

Auflösung des Sandmandalas am 30.10. um 17.00 Uhr