Kreiselschmuck Hägendorf

«Ein richtiger Teufel kennt fast kein Alter»: Der Belzebub erhält ein Facelifting

Der Kreiselschmuck vom Kreuzplatz in Hägendorf wird überholt. Sein Schöpfer Pierre Bannholzer sorgt auch für eine dezentere Rostpatina.

Vor 16 Jahren hat er ihn entworfen und umgesetzt, den wohl bekanntesten Teufel von Hägendorf. Seither schmückt der Geselle aus Stahlblech mit zweizinkiger Gabel den Kreisel Kreuzplatz. «Rund 300 kg ist er schwer», sagt sein Kreateur Pierre Bannholzer, heute 76-jährig. Bannholzer, ein schöpferischer Geist aus Hägendorf, wurde seinerzeit von der Einwohnergemeinde angefragt, ob er keine Idee für Kreiselschmuck habe. Bannholzer hatte eine, wenn auch erst mal nicht die des Teufels. Anderes schoss ihm durch den Kopf. «Unter dem Kreuzplatz fliesst der Bach. Also wollte ich so etwas wie ein Wasserspiel auf der Kreiselfläche einrichten, gespeist mit Bachwasser», erinnert er sich. Und man merkt bis heute: Im Geheimen ist er von dieser Idee noch immer beseelt. Aber: Rein administrativ-rechtlich wurde das Vorhaben zu aufwendig. «Kaum zu glauben, wer da alles mitzureden hatte», sagt er heute mit seinem typisch sanften Lächeln auf dem Gesicht. «So liess ich es bleiben.» Und an die Stelle des Wasserspiels trat der Teufel. Kein Wunder, ist Hägendorf doch Heimat der Teufelsschlucht, früher ein sehr populäres Ziel für Schulreisen.

Denn ohne Teufel keine Kirche

Bei der seinerzeitigen Montage kam auch der Pfarrer hinzu, den Bannholzer mit der Bemerkung tröstete: «Klar zeigt der Teufel Richtung Schlucht, aber auch hin zur Kirche. Denn ohne Teufel keine Kirche.» Bannholzer lacht noch heute über das kleine Intermezzo von damals.

Jetzt liegt der stahlblecherne Geselle in seinem Hägendörfer Atelier. Aus seinen Beinen ragen meterlange Armierungseisen. «Die sind notwendig, um die Figur sauber zu verankern», erklärt der Kreiselkünstler. Denn wegen der Sanierung des Kreisels Kreuzplatz musste der Schmuck demontiert werden. Genau die Chance, dem Belzebub nach fast zwei Jahrzehnten ein kleines Facelifting zu verpassen. «Er hat sich eigentlich recht gut gehalten», bilanziert dessen Schöpfer. Ein richtiger Teufel kennt eben fast kein Alter. Klar, ein paar Stellen müssten überarbeitet, die Schweissnähte kontrolliert, die Figur leicht abgeschliffen und andere Witterungsspuren beseitigt werden. Aber rostig müsse er bleiben, der Belzebub.

Kleber hinterlassen auffällige Spuren

«Und dann hat es da im Laufe der Zeit auch ein paar Spassvögel gegeben, die ihn mit Stickers überklebt haben. Das kann man gut erkennen», so Bannholzer. Selbst die Hinweistafel mit dem Vermerk «Tüfelsschlucht» wurde zum Teil mit solchen verunstaltet. Auch dort: Flecken auf der Oberfläche. «Mal sehen, wie sich die entfernen lassen», sinniert Bannholzer. «Vielleicht probiere ich es mit einem Lösungsmittel.» Der Rostbefall der Hinweistafel hingegen hat nichts mit Nachtbubenstreichen zu tun. Der lässt sich auf die beiden Schrauben zurückführen, mit denen das Schild an der Aufhängung befestigt war. «Die waren nicht rostfrei», so Bannholzer. Warum er auf der Hinweistafel nicht den gängigen Ausdruck Tüfusschlucht anbrachte, erklärt er mit der simplen Bemerkung. «Auf der Kar-
te ist die Schlucht in dieser Schreibweise so vermerkt.»

Im Herbst steigt er wieder auf

Im September/Oktober soll Hägendorfs Teufel wieder als Kreiselschmuck platziert sein, im gelifteten Zustand. «Das sieht der Terminplan so vor», sagt Bannholzer. Zum Facelifting gehört übrigens auch die Gabel, die der Figur einst aus der Hand gerissen wurde und die jetzt mit einer verbogenen Zinke in der Werkstatt steht. Auch diese Missbildung wird Bannholzer zu beseitigen verstehen. Aber erst muss er sich noch um zwei, drei kräftige Männer bemühen, die ihm die Teufelsfigur auf den Bauch drehen helfen. «Alleine schaff’ ich das auf jeden Fall nicht», lacht der Teufelsvater.

Autor

urs huber

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