Obernaar
Ein Rätschwyb wird das Oltner Fasnachtsoberhaupt 2018

Rahel Nobs heisst der Obernaar im kommenden Jahr. Das Motto Spettacolo Confetti verrät Zirkusfeuer.

Urs Huber
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Die Rätschwyber als einzige Frauenzunft am Platz Olten stellen 2018 zum zweiten Mal den Obernaar, der diesmal von seinen Trabanten auf Händen getragen wird: Obernaar Rahel Nobs (liegend) mit seinen fünf Trabanten (von links) Béa Hänggi, Madeleine Graber, Chregi Fedeli, Corinne Tonet und Laetitia Wüthrich.

Die Rätschwyber als einzige Frauenzunft am Platz Olten stellen 2018 zum zweiten Mal den Obernaar, der diesmal von seinen Trabanten auf Händen getragen wird: Obernaar Rahel Nobs (liegend) mit seinen fünf Trabanten (von links) Béa Hänggi, Madeleine Graber, Chregi Fedeli, Corinne Tonet und Laetitia Wüthrich.

Bruno Kissling

Obernäärin Rahel I. oder vielleicht doch nur Obernäärin Rahel? Dies wären so etwa die denkbaren Fasnachtsnamen für Rahel Nobs, die nach Cathrin Zysset als zweite Frau in Olten im kommenden Jahr das höchste Naarenamt übernimmt. Aber oha, falsch vermutet.

«Ich heisse einfach Obernaar Rahel», verrät der designierte Obernaar 2018. Und seit der Fuko-Delegiertenversammlung von gestern Montagabend weiss dies nun wirklich jeder in der grossen städtischen Fasnachtsfamilie, von der die hiesigen Naaren so gerne erzählen.

«Natürlich sickert ein Name irgendwann mal mehr oder weniger durch», sagen die Rätschwyber unisono. Aber eigentlich sei er doch recht lange gut gehütetes Geheimnis geblieben.

Unablässig dran

Seit die Rätschwyber vom Obernaaren-amt in ihren Reihen wissen, sind sie unablässig dran. Mehr als eine Handvoll an Sitzungen liegen Ende Mai schon hinter ihnen, bis zum grossen Naarestopf rechnen «die Wyber» insgesamt mit deren 25. «Im Dreiwochenturnus treffen wir uns», weiss Chregi Fedeli, eine der fünf Trabanten.

Denn der Aufgaben sind viele: Ein Logo samt Motto kreieren, ein Obernaarenlied einstudieren, die finanzielle Seite nicht aus den Augen verlieren, ein Obernaarenfahrzeug skizzieren, Kleider entwerfen, und, und, und. «Auch wenn es etwas abgegriffen klingt: Manchmal ist auch der Weg das Ziel», sagt Obernaar Rahel.

Was sie damit meint, wird auch fasnachtsfernen Menschen rasch klar. Für diejenigen, welche in besonderer Verantwortung stehen, ist nämlich das ganze Jahr Fasnacht. Und weil immer ein bisschen Fasnacht ist, kugeln die Ideen nicht selten wie durch Zauberhand aus den Köpfen der Zünfterinnen. «Vieles wird geboren, während wir rein informell zusammenkommen», sagt Trabant Laetitia Wüthrich.

Denn nicht selten trifft man sich in der Frauenzunft ausserplanmässig zum Singen. Das musikalische Gestaltungselement sei ein echtes Verbindungsstück unter den knapp zwei Dutzend Aktivistinnen, sagt Trabant Corinne Tonet.

30 Jahre Rätschwyber

Die Rätschwyber sind eigentlich ausserplanmässig zum Obernaarenamt gekommen. Aber die Aufgabe kam dennoch nicht ungelegen. «Es gab im ordentlichen Turnus eine Vakanz und weil wir im nächsten Jahr den 30. Geburtstag der Zunft feiern, lag es nahe, einzuspringen.» Rahel Nobs sei als Obernaar auf der Hand gelegen. Nicht weil ihr Ehemann und Banause Sven vor zwei Jahren ins Obernaarenkleid schlüpfte; beileibe nicht.

Hört man den Trabanten zu, wird klar: Rahel Nobs ist Antriebsfeder, Ideengeberin, mag das Experimentieren. «Würde die Fasnacht nicht die Chance bieten, Neues auszuhecken, auszuprobieren und schliesslich bis zur Perfektion daran herumzufeilen: Ich glaube, ich wär nicht mehr dabei», sagt sie über sich.

Eine gewisse Liebe zum Detail, die Präsentation eines sprichwörtlich Roten Fadens sei vielleicht grundsätzlich eher ein Frauending, vermutet Trabant Madeleine Graber. Und weil sie alle mit Herzblut bei der Sache sind, sind die Rätschwyber auch vom kurzen Satz des Trabanten Béa Hänggi überzeugt, der alles auf den kürzesten Nenner bringt: «Es kommt gut.»

Ein Hauch Zirkus

Was die Fasnacht 2018 bringt? «Das Ambiente wird in Erinnerung bleiben», erklären die Frauen einhellig. Konkreteres wollen sie nicht verraten; Fasnacht arbeitet heutzutage auch mit dem Überraschungsmoment. Aber immerhin das Motto lässt doch einiges an Vermutungen aufkommen: «Spettacolo Confetti». Erinnert irgendwie an Zirkus und an – wers wörtlich nimmt – Konfettispektakel. «Durchaus», so Rahel Nobs. Der Rest ist Schweigen.

Gute Fasnächtler haben Humor, sind teamfähig, bringen die unterschiedlichsten Fähigkeiten mit, sind verwurzelt und getragen von der Fasnachtsfamilie. Sagen die Rätschwyber. Nicht zu Unrecht. Und im richtigen Moment sind gute Fasnächtler wohl auch verschwiegen. Aber das sagen die Rätschwyber nicht. Das praktizieren sie. Bis sie losgelassen. Dann folgt Spettacolo Confetti, leben die Sinne. Und Wörter werden sowieso überflüssig.