«Jetzt geben wir erst richtig Gas.» So tönte es, als «Olten jetzt!» vor zwei Jahren auf Anhieb ins Gemeindeparlament einzog. Und gleich vier Sitze eroberte. Mittlerweile konnten diese vier Parlamentarier erste Erfahrungen sammeln. Zuletzt traten sie immer häufiger in Erscheinung. Insbesondere Tobias Oetiker hält den Stadtrat mit verschiedensten Anfragen, vom 1. August Feuerwerk bis zu Glasfasern, auf Trab. Wer ist der Mann, der spät zur Politik fand, sich jetzt dafür umso engagierter einsetzt?

Schwarzes Haar, schwarzer Pulli, schwarzes T-Shirt. Ähnlich seine Ausdrucksweise. Unspektakulär, fast schon unscheinbar. «Ich war schon immer politisch interessiert», erzählt der 50-jährige Polit-Quereinsteiger. «Doch ich konnte mir nie vorstellen, einer bestehenden Partei beizutreten.» Zu gross die Differenzen, nach links wie nach rechts. Bis zur Gründung von «Olten jetzt!». Einer Kleinpartei mit wenigen Mitgliedern, die nur regional aktiv ist: «Das Projekt war von einer Grösse, die ich mir zutraue», sagt er. Nach seiner Wahl war er dann eine Weile lang Beobachter im Parlamentsbetrieb. Worte wie Postulate oder Interpellationen verunsicherten ihn, er reicht keine eigenen Vorstösse ein. «Und wenn jemand etwas mit voller Überzeugung sagte, dachte ich noch, dass auch etwas dahintersteckt.» Diese Anfangsscheu hat er mittlerweile abgelegt. Seit einigen Monaten ist er einer der aktivsten Parlamentarier.

Freude an der Politik

Und die Freude am Politisieren ist nach zwei Jahren sogar noch gestiegen. «Politik ist noch viel cooler, als ich gedacht habe. Langsam kenne ich die Maschinerie und kann anfangen, sie zu bedienen», erzählt er. Gefrustet sei er natürlich auch hin und wieder, wenn etwas nicht zustande komme. Zum Beispiel das Budget, für das sich «Olten jetzt!» stark eingesetzt hatte. Doch die positiven Seiten würden überwiegen. «Ich habe das Gefühl, ich kann etwas bewirken. Aber ich weiss natürlich, dass man Olten nicht von heute auf Morgen verändern kann.»

Es sind solche Aussagen, die so gar nicht zum Klischee des Politikers passen. Oetiker ist kein Mann der grossen Töne. Dafür lacht er viel. Auch über sich selber. So lacht er dann auch zuerst einmal über die Frage dazu, was er bisher erreicht habe. «Ich verstehe jetzt besser, wie der Laden läuft», ist schliesslich seine Antwort. Einige Projekte seien am Laufen, führt er dann doch noch aus. «Aber das Ganze ist nicht so glorios. Wir beteiligen uns an Abstimmungen. Manchmal sind wir dann bei der Mehrheit. Aber waren wir dann ausschlaggebend? Ich weiss es nicht.»

Nebst der Politik engagiert er sich in verschiedensten Projekten in Olten. Etwa beim Zweistundenlauf und zwar schon seit 30 Jahren. Beim Stadtkalender und auch für das «Flörli». «Mich haben immer Projekte interessiert, die Einfluss auf die Öffentlichkeit haben.» Und Politik sei nun das neuste solche Projekt.

Selbstständiger Informatiker

Auch wenn Oetiker von seinem beruflichen Leben erzählt, schlägt er einen bescheidenen Ton an. Seit 13 Jahren ist der Elektroingenieur selbstständig. Der Informatiker berät Firmen und schreibt Software für spezifische Probleme seiner Kunden. Seine grosse Leidenschaft ist «Open Source». Das heisst, er stellt den Quelltext, quasi der Bauplan der Software, die er entwickelt, ins Internet. Jeder mit dem nötigen Equipment und Know-how kann damit die Software gratis verwenden oder Änderungen daran vornehmen. Ein Modell, das im krassen Gegensatz zu einem anderen Modell steht, das in der Privatwirtschaft sonst vorkommt. Nämlich das Modell der Patente, das Modell, in dem Firmen ihre Produkte hüten wie ihre Augäpfel und mit deren Verkauf Geld verdienen.

Ein Problem nach dem anderen

Er stehe vor allem aus praktischen Gründen hinter diesem Modell, betont Oetiker. Und nicht bloss aus idealistischen à la «Freies Internet». «Wenn ein Produkt cool ist und nicht ‹Open Source›, finde ich es trotzdem grossartig», sagt er. Seine Begeisterung für dieses Modell ist aber spürbar. Und interessanterweise wird auch seine Sprache, während er von Quellcodes und Software spricht, richtiggehend blumig. «Viele Leute im IT-Bereich können erfolgreich arbeiten, weil sie eben nicht in ihrem geschützten Garten, abgeschottet von Patenten, sind», erzählt er. «Mit der Infrastruktur, die vorhanden ist, können wir Produkte liefern und gleichzeitig die Infrastruktur erweitern. Eine Evolution findet statt, eine Auffüllung mit Leben.» Kurzes Zögern, Oetiker überlegt. «Eine Auffüllung mit technischen Strukturen», korrigiert er sich dann. «Immer mehr davon sind vorhanden, immer mehr Probleme sind gelöst, und wir können immer neue Probleme angehen.»

Und genauso sei es auch in der Politik. «Alles baut aufeinander auf. Unsere Infrastruktur, und damit unser Leben, wird immer besser. Um Krankheiten müssen wir uns fast nicht mehr kümmern, denn wird haben Impfungen. Und dadurch können wir uns mit anderen Problemen auseinandersetzen. Immer auf dem Bestehenden aufbauen. Stufe für Stufe für Stufe.»