Gunzgen
Ein neuer Farbtupfer: Die Bürgergemeinde weiht ihre umweltschonende Heizzentrale ein

Rund 40 Personen der Bürgergemeinde haben ihre neue Heizzentrale eingeweiht. Diese ist eine Investition in eine von Nachhaltigkeit geprägte Zukunft. So können in Gunzgen ab sofort alle Wohnungen CO2-neutral geheizt werden.

Hans Peter Schläfli
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Gunzgen hat einen neuen Farbtupfer (16.08.2020)
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Fotos vom Bau der Heizzentrale: Der Silodeckel wird angebracht ...
... und das Material für Silo und Hydraulikraum eingebracht.

Gunzgen hat einen neuen Farbtupfer (16.08.2020)

Hans Peter Schläfli

Zwischen den in Grau und Beige gehaltenen Mehrfamilienhäusern im Gunzger Unterdorf gibt es einen neuen Farbtupfer: In leuchtendem Rot zieht die Heizzentrale der Bürgergemeinde, die am Freitag mit einer kleinen Feier eingeweiht wurde, die Blicke auf sich.

Rund 40 Personen waren der Einladung gefolgt und genossen vor der neuen Heizzentrale den schönen Sommerabend. Urs Marbet, Präsident der Bürgergemeinde Gunzgen, hob in seiner kurzen Ansprache die Vorteile der modernen Holzhäckselverbrennung hervor: Effizient, umweltschonend und sparsam sei sie, die neue Anlage.

Wohnungen werden jetzt CO2-neutral geheizt

Einige der neun Mehrfamilienhäuser im Unterdorf, genauer zwischen dem Niederhofweg und der Industriestrasse, haben schon viel erlebt. Andere sind noch fast neu. Die alte Heizzentrale entsprach in Sachen Luftreinhaltung nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen und war am Ende ihrer Lebensdauer angekommen. Nun können ab sofort alle 76 Wohnungen, die der Bürgergemeinde Gunzgen gehören, CO2-neutral geheizt werden. Das für die Verbrennung bestimmte Holz würde nämlich im Wald verrotten, wenn es nicht dank der neuen Heizzentrale einen ökologischen und wirtschaftlichen Nutzen bekäme.

In der Nachbarschaft hätte es noch Bauland für vier weitere Mehrfamilienhäuser, aber der Markt stimuliere im Augenblick keine Neubauten. Es gebe in Gunzgen genug Wohnungen, erklärte der Oensinger Energieberater Roger Kaufmann die Situation. «Der Wohnungsmarkt kann sich aber rasch ändern. Die Kapazität der neuen Anlage ist für den Anschluss weiterer Häuser ausgelegt. Wir haben ein mögliches Wachstum des Quartiers in der Planung vorweggenommen.»

Auch die Bürgergemeinde habe sich Gedanken darüber gemacht, ob noch mehr möglich gewesen wäre. «Wir haben die anderen Hausbesitzer des Quartiers angefragt, aber das Interesse war klein, vermutlich weil die meisten erst vor kurzem an die Erdgasleitung angeschlossen wurden und bereits eine neue Heizung installiert haben», sagte Urs Marbet. «Wir haben auch angeschaut, ob wir das Schulhaus anschliessen könnten, aber es ist zu weit weg, bis dahin wäre der Wärmeverlust zu gross gewesen.»

Mit 1,9 Millionen Franken hält sich die Investition im überschaubaren Rahmen. Pro angeschlossene Wohnung sind das 25000 Franken. Der Bürgergemeinde geht es finanziell sehr gut. So gut, dass sie in Gunzgen immer wieder Projekte unterstützen kann, die der Allgemeinheit dienen. Sie ist nicht nur Vermieterin und Waldbesitzerin, ihr gehört auch das Kieswerk.

Sollten alle Stricke reissen, steht noch eine Ölheizung bereit

«Wir konnten die Heizzentrale aus eigenen Mitteln bezahlen und mussten keinen Kredit aufnehmen», sagte Urs Marbet. «Es ist eine Investition in die Zukunft. Die Wertschöpfung bleibt hier, denn das Holz kommt aus den Wäldern der Umgebung.» Energieberater Kaufmann ergänzte: «Die neue Heizzentrale verrechnet den Mietern einen absolut fairen Preis und wird sich in 15, höchstens 20 Jahren amortisiert haben.»

«Eine solche Anlage, die über ein effizientes elektrisches Filter verfügt, arbeitet viel umweltfreundlicher, als es mit individuellen Heizungen möglich wäre», nennt Kaufmann den wohl grössten Vorteil einer Heizzentrale. Die Holzhäcksel werden durch den Waldverbund «Forst Mittleres Gäu» geliefert, dem Gunzgen angehört. Im Sommer, wenn es sich nicht lohnt, den Häckselofen anzufeuern, wird das Warmwasser mit der Solaranlage erwärmt. Sollten alle Stricke reissen, steht noch eine Ölheizung bereit.

Vergleichbare Heizzentralen mit Holzhäckseln gibt es bereits in Balsthal, Oensingen, Hägendorf, Rickenbach, Grenchen und Deitingen. «Das Konzept bewährt sich», sagt Roger Kaufmann. Aber wie ist man auf die doch ziemlich «laute» Farbe des kleinen Gebäudes gekommen? «Es ist ein so wunderbares Projekt, dass man es nicht Grau in Grau verstecken darf, das darf man zeigen und die rote Farbe kommt bei den Leuten sehr gut an. Der Mut zur Farbe hat sich gelohnt.»

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