Olten
Ein Klangvergnügen mit der Cappella Gabetta

Die «Cappella Gabetta» der Cellistin Sol Gabetta und ihres Bruders Andrés Gabetta beendete am Sonntag ihre Konzertreihe «Il Progetto Vivaldi 3» im ausverkauften Konzertsaal des Stadttheaters Olten und liess ein begeistertes Publikum zurück.

Vera Frey
Merken
Drucken
Teilen
Cellistin Sol Gabetta und Violinist Andrés Gabetta verzückten ihr Publikum im Stadttheater.

Cellistin Sol Gabetta und Violinist Andrés Gabetta verzückten ihr Publikum im Stadttheater.

HR Aeschbacher

Die Zeitlosigkeit der barocken Musik begeistert und fasziniert die argentinisch-französische Cellistin Sol Gabetta immer wieder von Neuem. Um sich dem Klang der Werke grosser barocker Künstler anzunähern, hat die Cellistin zusammen mit ihrem Bruder und Violinisten Andrés Gabetta vor drei Jahren das Ensemble «Cappella Gabetta» gegründet, welches komplett auf historischen Instrumenten spielt.

Das typische Merkmal der historischen, barocken Bauweise von Streichinstrumenten ist ein dezenter Klang mit kammermusikalischem Charakter und feinem Timbre. Er entsprach dem Ideal für die in der Barockzeit übliche Musizierpraxis an den Höfen des Hochadels und in Sakralräumlichkeiten.

Es ist für die Cellistin eine grosse Herausforderung, sich der optimalen Spielweise und damit dem perfekten Klang anzunähern. So sagte Sol Gabetta selbst, dass der Musiker «bei diesem Instrument den Bogen wie einen Pinsel benutzen muss – wie ein Maler; und dabei den Klang mit dem ganzen Körper spüren sollte». Tatsächlich bekam der Zuschauer das Gefühl, dass die Cellistin ihr Instrument mit ihrem ganzen Körper spielt – sie tanzte sich förmlich mit unglaublicher, rhythmischer Energie durch die barocke Klangwelt. Das Feuer sprang mit dem ersten Bogenstrich auf das Publikum über und hielt es für das ganze Konzert in seinem Bann. So erklangen die Werke der barocken Meister Corelli, Platti Geminiani, Chellerie, Bach und Vivaldi in neuem, altem Licht.

Grosse Vertrautheit

Das Ensemble rund um Konzertmeister Andrés Gabetta strahlte eine grosse Vertrautheit aus, die Dialoge zwischen den einzelnen Instrumenten wirkten bei den Concerti Grossi – ganz speziell beim Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach – völlig organisch. Und auch das Zusammenspiel der beiden Geschwister Sol und Andrés Gabetta zeugte von Intimität.

Ein besonderer Höhepunkt war wohl auch deshalb ein Konzert für zwei Mandolinen von Vivaldi, kunstvoll arrangiert für ihre beiden Instrumente, sprühte vor allem der Schlusssatz, der kaum so akzentuiert und auf den Punkt interpretiert gehört werden konnte.

Aber auch die Cellokonzerte von unbekannteren barocken Komponisten, die Sol Gabetta aus ihrem Schicksal, unbeachtet in Bibliotheken zu stehen, erlöste – allen voran die beiden Concerti von Giovanni Platti –, begeisterten durch rhythmisch pulsierende Allegro- oder Presto-Sätze und unglaublich sinnliche langsame Sätze, bei denen Musikerin und Instrument zu einem einzigen Klangkörper zu verschmelzen schienen.

Es sollte nie zu Ende gehen

Nach gut zwei Stunden barockem Klangvergnügen war es dann auch nicht erstaunlich, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer die Musiker gar nicht mehr gehen lassen wollten und sich mit lang anhaltendem, tosendem Applaus bedankten. Als erste Zugabe erklang eine ausserordentliche und nach diesem verhältnismässig langen Programm umso erstaunlichere Interpretation von Vivaldis «Winter» aus den «Vier Jahreszeiten», bevor sich die Musiker schliesslich mit einer erneuten Wiedergabe des Schlusssatzes von Vivaldis Doppelkonzert endgültig verabschiedeten.

Das Konzert wurde von SRF aufgenommen und wird am 25. Dezember, 18.10 Uhr, auf SRF 1 ausgestrahlt.