Cultibo

Ein Kaffee vor dem Bildschirm: Das Café International wird nun online durchgeführt

Ort des Austauschs: Ein Bild aus Tagen vor der Coronakrise im Cultibo in Olten. (Archivbild)

Ort des Austauschs: Ein Bild aus Tagen vor der Coronakrise im Cultibo in Olten. (Archivbild)

Wegen der Epidemie führt das Cultibo das Café International digital durch – erreicht jedoch sein Zielpublikum noch nicht.

Eine Handvoll Gesichter leuchtet auf dem Bildschirm auf. «Hoi Yann», tönt es mehrfach aus den Lautsprechern. «Hallo zäme», erwidere ich. Beim Café International sind die Menschen per Du, daran hat sich auch bei der virtuellen Version nichts geändert. Der Treffpunkt für Menschen aus aller Welt, die sich in der Region Olten wiederfinden, ist ein bewährtes Format des Begegnungszentrums Cultibo. Wie fast alles steht auch die soziale Institution in der Coronakrise still. Was das Cultibo ausmacht, ist derzeit verboten: Begegnen sollen sich die Menschen in dieser Zeit nicht. Übers Internet ist der Austausch aber auch in diesen Tagen möglich. Und diese Möglichkeit nimmt derzeit auch das Cultibo wahr.

Hanspeter Mühlethaler ist einer von vielen Freiwilligen, welche das Cultibo mitprägen. Der Oltner richtete über die Video-Konferenz-Plattform Zoom einen virtuellen Raum ein, wo das Café in diesen Wochen stattfinden kann. Migrantinnen und Migranten erhalten so die Möglichkeit die deutsche Sprache zu üben, neue Menschen kennen zu lernen und sich im Quartier zu vernetzen.

Eine Ahnengalerie, eine Bäbistube und ein Piano

«Im Moment sind wir statt ein Café International eher ein Café National», sagt Hanspeter Mühlethaler an diesem Samstagvormittag. Fast ausschliesslich Schweizer haben sich zur virtuellen Kaffeerunde eingefunden. «Es ist schwierig, die Ausländer zu erreichen», sagt Mühlethaler. Wer jemanden aus dem Zirkel der Stammgäste auf der Strasse antreffe, solle bitte auf das Online-Format hinweisen. «Eigentlich ist es schade, denn zuletzt war das Café International rege besucht», sagt Hanspeter. Er hofft, bald wieder Menschen mit Migrationshintergrund am Bildschirm zu sehen, die erzählen wie es ihnen in der Isolation ergeht.

An diesem Samstag berichten die Videokonferenzteilnehmer deshalb auf Schweizerdeutsch aus ihrem Leben. «Bei allen sieht man einen Hintergrund, das finde ich anregend», sagt Peter aus Brugg. Und so erzählt Jürg die Geschichte zur kleinen Ahnengalerie, die hinter ihm an der Wand hängt. Erzählt von seiner Mutter, die vor ein paar Jahren 94-jährig verstarb. In diesen Tagen lese er gerade jene Briefe, die seine Mutter im Zweiten Weltkrieg alle ein bis drei Tage an seinen Vater im Aktivdienst schrieb. «Wir sind zwar nicht im Krieg und doch ist es eine Art Krieg», sagt Jürg. Dann erzählt Hanspeter die Geschichte seiner «Bäbistube», deren Konturen zu erkennen sind. Er habe sie vor 30 Jahren für seine Kinder gebaut. «Nun kommen die Grosskinder spielen, wobei dies gerade nicht mehr möglich ist», sagt er. Hinter Marianne steht ein altes Bechstein-Klavier, wie sie erzählt. «Ich spiele nicht jeden Tag – aber jetzt gerade ein bisschen mehr.» Die Holländerin Madelon spaziert mit dem Handy durch die Wohnung und beeindruckt damit die weniger Handy-Affine Generation. «Die grüne Wand hab ich selbst gemalt», sagt Marlone.

Die eineinhalb Stunden im virtuellen Kaffeetreffen sind kurzweilig. Aber es ist eben doch nicht dasselbe wie eine Begegnung im gleichen Raum. «Ich hab das Café lieber live, darum ich euch noch einen schönen Tag», sagt Katherine, die sich vorzeitig verabschiedet hat.

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