Oltner Kabarett-Tage

Ein Kabarett-Cocktail aus scharfer Satire und Selbstironie

Der «gedankliche Tieftaucher» René Sydow am Kabarett-Cocktail im Oltner Stadttheater. Bruno Kissling

Der «gedankliche Tieftaucher» René Sydow am Kabarett-Cocktail im Oltner Stadttheater. Bruno Kissling

Mit dem Gewinn der Sprungfeder 2016 katapultierte sich der Baselbieter Dominik Muheim auf die grosse Bühne und sorgte im Stadttheater Olten zusammen mit René Sydow und Reto Zeller für einen prickelnden Kabarett-Cocktail.

Nach dem Gewinn des Kabarett-Castings (2015) und des Förderwettbewerbs Sprungfeder (wir berichteten) bewies Dominik Muheim, dass er auch ein ganzes Stadttheater zu unterhalten weiss. Ausgerüstet mit hohem Sympathiefaktor, gab er mit seinem Programm «Und plötzlich zmitzt drin!» den leicht verdrückten 22-Jährigen, der den Tatsachen ins Auge blicken muss: Er ist jetzt nämlich erwachsen. Nicht nur dass die Wäsche gewaschen werden will, sich der Abwasch nicht mehr von selbst erledigt und das Klopapier alle ist: Er steht auch erstmals in einer Stellvertretung als Junglehrer vor den lieben Kleinen. Und die rauben ihm noch die letzte Illusion von der heilen Welt der Kindheit.

Kurzweilig und selbstironisch gibt Dominik Muheim Einblick in die Leiden eines bartlosen jungen Erwachsenen von heute, begleitet von Sanjiv Channa, der für Rhythmus, Geräuschkulisse und Dialogstimmen sorgt.

«Gedanklicher Tieftaucher»

Ganz andere Töne schlägt René Sydow an und schubst die Zuschauerinnen und Zuschauer gleich mal aus der Komfort-Zone. Als gedanklichen Tieftaucher bezeichnete ihn Moderator Ingo Börchers, der sprachgewandt und witzig durch den Abend führte.

Bei René Sydow dreht sich alles um eine Frage: Wann haben wir Menschen aufgehört zu denken? Denken sei eine Form des zivilen Ungehorsams, proklamiert Sydow. Und «Nein», so meinte der deutsche Kabarettist an die Schweizer gerichtet: Der Kopf sei nicht nur zum Schütteln da. Feurig-engagiert wirkt René Sydows Kurzprogramm, in dem er sich mit Politik, Terror und Religion auseinandersetzt. Besser, man mache Fehler, als dass man gar nichts mache, verkündet er in seinem sprachlich pointierten Auftritt, der im Schnelldurchlauf schonungslos das Europäische Haus, die Rüstungsindustrie oder die Flüchtlingspolitik streift. Sein Fazit: Die Gedanken sind frei, aber die Köpfe sind leer.

«Liederlicher Kabarettist»

Nach diesem kabarettistischen Auftritt mit Sprengkraft ging es wieder etwas behäbiger auf typisch schweizerische Art weiter. Reto Zeller, «kabarettistischer Liedermacher oder liederlicher Kabarettist», sorgte für den unaufgeregten, spitzbübischen dritten Auftritt des Abends.

Der Mann mit Gitarre und Hut spinnt Texte und Melodien von Mani Matter weiter oder versetzt ein unglückliches Liebeslied des Berner Troubadours Jacob Stickelberger in die Zeit von Smartphone und Online Chat. Reto Zeller versteht es, die Zuschauerinnen und Zuschauer mit einer Mischung aus Witz und Poesie, Wort und Musik aus der Reserve zu locken. Die kritischen Töne, die er anschlägt, kommen leise daher und trotzdem kommen sie an. Ganz offensichtlich geniesst er den spielerischen Umgang mit dem Publikum.

Und so sorgten Zellers Texthäppchen zum Mitmachen beim bunt gemixten Kabarett-Cocktail im Stadttheater für einen heiteren Ausklang.

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