Das Schild «Verkauf» hängt immer noch an der Fassade des Oltner Restaurants Zollhaus an der Aarburgerstrasse, im Volksmund einfach «Zollhüsli» genannt. Doch hinter den Kulissen ist der Verkauf eigentlich schon fast über die Bühne: Ein junges Paar aus dem Aargau hat ein Auge auf die Liegenschaft aus dem 18. Jahrhundert geworfen und wird das Restaurant übernehmen. Der Vorvertrag steht, nächste Woche wird der Kaufvertrag unterschrieben.

«Uns hat das Lokal gleich auf Anhieb gefallen», sagen die neuen Besitzer Sandra (26) und Adrian Müller (24) mit einem Flair für Altes. Vier Jahre war das «Zollhüsli» nun verwaist. Ende März 2012 hatte der damalige Wirt Gianni Castellano Austrinkete. Das frisch verheiratete Paar will das einst für seine Fischspezialitäten bekannte Lokal im September wiedereröffnen.

Ihnen schwebt eine bürgerliche Küche vor, mit mediterranem und asiatischem Einschlag. «Es wird aber auch Fisch auf der Speisekarte geben», verrät Sandra Müller, die vor allem für den Service zuständig sein wird. Ihr Mann steht in der Küche und will ganz auf Fertigprodukte verzichten. «Auch die Bouillon bereite ich selber zu.» Das Angebot soll dementsprechend saisonal und frisch sein, die Weine auf die Speisekarte abgestimmt. Zum Mittagessen wird es Tagesmenüs geben.

In der Spitzengastronomie tätig

Trotz des jungen Alters hat das Ehepaar bereits eine beachtliche Gastro-Erfahrung. Gemeinsam haben sie die Kochlehre absolviert in dem als Landbeiz bezeichneten Restaurant Rüssbrugg in Ottenbach AG. In den letzten sechs Jahren war Adrian Müller in der Spitzengastronomie tätig, zuletzt als Festangestellter in der mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Wirtschaft zum Wiesengrund in Uetikon am See ZH bei Hans-Peter Hussong, dem Koch des Jahres 2000. Seine Frau kochte einst im Fünf-Sterne-Palast Hotel Kronenhof in Pontresina GR.

Gemeinsam schafften sie es sogar mal ans World Economic Forum in Davos – als Aushilfen im Hotel Sheraton. Zum Gourmettempel verwandeln wollen die beiden Gastro-Profis das «Zollhüsli» trotzdem nicht. «Bei uns ist auch der Handwerker zum Znüni oder zum Mittagessen willkommen.» Die Preise sollen sich im mittleren Segment bewegen.

Bevor die Eröffnung im Herbst ansteht, gibt es allerdings noch einiges zu tun. Weil das denkmalgeschützte Gebäude vier Jahre lang leergestanden ist, gibt es etliche Schäden zu flicken. Innen wird alles neu gestrichen, die Toiletten im Untergeschoss werden erneuert und der Estrich soll zum 1. Stock hin isoliert werden. Bei vielen Arbeiten packt das Paar selbst mit an, zudem helfen befreundete Handwerker bei der Renovation.

Das junge Paar will im «Zollhüsli» nicht nur wirten, sondern auch wohnen. Viel Platz bleibt allerdings neben der Gaststube und Küche im Erdgeschoss sowie dem Säli für kleinere Gesellschaften im 1. Stock nicht übrig. Sie müssen mit einem Zimmer mit eingemauerter alter Dusche und einem Büro vorliebnehmen, eine separate Küche gibt es in der Wirtewohnung nicht. «Wir sind uns Personalzimmer gewohnt», sagt Sandra Müller dazu lachend.

Die frühere Besitzern Magdalena Leuenberger (86) ist froh, mit dem jungen Paar eine Käuferschaft gefunden zu haben, welche die lange Restaurant-Tradition fortsetzt. In ihrer Familie interessierte sich niemand für das Lokal. Damit schliesst sich eine fast hundertjährige Familiengeschichte: 1923 kaufte Hans Leuenberger das Gebäude der Brauerei Spiess ab (siehe Text links).

Restaurant Zollhaus Voraussichtliche Öffnungszeiten: Di–Sa, 9-14 Uhr und 17.30–23 Uhr. So, 9–14 Uhr. Aktuelle Infos gibts auf www.zollhaus-olten.ch