Das Stadtorchester Olten kann heuer gleich zwei Jubiläen feiern: Vor 125 Jahren wurde der Verein gegründet, und seit nun zwanzig Jahren leitet André Froelicher das Orchester. In diesem Jubeljahr stellte das Stadtorchester deshalb für die drei Konzerte ein besonderes Programm zusammen.

Den fulminanten Auftakt macht das Frühjahrskonzert. Es umfasst Werke der grössten italienischen Komponisten. Dazu wird das traditionell in der Stadtkirche aufgeführte Konzert ins Stadttheater verlegt. Die sommerliche Serenade im Juni führt das Stadtorchester wie gewohnt unter freiem Himmel auf. Dieses Jahr spielt es Händels «Wassermusik» und Telemanns «Hamburger Ebb› und Fluth». Passend zu diesen Melodien wechselt es vom Ildefonsplatz in die Oltner Badi, wobei der Pontoniersportverein für eine besondere Überraschung sorgen wird. Beim Sinfoniekonzert im November steht dann Beethoven auf dem Programm, wobei Dirigent André Froelicher beim Klavierkonzert als Solist wirken wird.

Frühlingskonzert all’Italiana

Als erstes Highlight steht nun am Sonntag, 7. April das Frühlingskonzert rot unterstrichen im Kalender. Dabei führt das Stadtorchester die bekanntesten Werke der italienischen Musikgeschichte auf. Dieses Programm gestaltet es zusammen mit zwei Solostimmen und dem von Michaela Gurten geleiteten Projektchor Olten. Hier seien nur einige Beispiele hervorgehoben. Die Ouvertüren aus Gioacchino Rossinis Oper «la gazza ladra (die diebische Elster)» und Gaetano Donizettis «La Favorita» sowie den Triumphmarsch aus Aida von Verdi wird das Orchester alleine aufführen. Das Sopransolo «Vissi d’arte, vissi d’amore – ich lebte nur für die Kunst und die Liebe» der verzweifelten Braut Tosca wird Michaela Gurten singen. Der in Olten geborene Tenor
Matthias Aeberhard wird den Solopart in «Una furtiva lagrima» aus «l’elisir d’amore» von Donizetti übernehmen. Der Projektchor wiederum wird «a bocca chiusa» aus «Madame Butterfly» summen sowie den Zigeuner- und den Gefangenenchor von Verdi intonieren. Insgesamt ein Strauss vieler bekannter Melodien.

Das Stadtorchester Olten wurde offiziell erstmals 1894 als Orchesterverein gegründet. Zwanzig Musikbegeisterte um Bezirkslehrer Walter Weinmann setzten sich Ziele, die heute noch gelten: Sie planten ein Gartenkonzert – heute Serenade – und die Zusammenarbeit mit andern Vereinen, damals mit dem seit 1886 ebenfalls von Weinmann dirigierten Gesangsverein. Um die Jahrhundertwende schlief der Orchesterverein mehr und mehr ein und wurde 1904 aufgelöst.

Fünf Jahre später nahmen auf Initiative des Kondukteurs Paul Baumgartner 30 Männer – unter ihnen Malermeister Albert, der Vater von Maria Felchlin – erneut einen Anlauf. Sie riefen 1909 einen Verein, diesmal unter dem Namen «Stadtorchester», ins Leben. Unter der Direktion von Adolf Flury, ebenfalls ein Bähnler, spielte das Stadtorchester Salonmusik an Unterhaltungsabenden, Maskenbällen und in Gartenrestaurants. Für die Einweihung des Stadttheaters 1912 suchte der Dirigent des Gesangvereins musikalische Unterstützung, die sich als «Orchesterverein» konstituierte. Aus der Einsicht, dass zwei sich konkurrenzierende Formationen für eine Kleinstadt zu viel sind, schlossen sie sich 1914 zum bis heute bestehenden «Stadtorchester Olten» zusammen.

Die weitere Geschichte des Klassikensembles fasste Vereinspräsident Jonas Burki in der Festschrift zum 100-Jahre-Jubiläum zusammen. Auffällig ist die Konstanz bei den Dirigenten. Ernst Kunz, der auch den Gesangverein leitete, prägte das musikalisch Leben in Olten für über 40 Jahre, bevor ihn 1961 Peter Escher (bis 1982) ablöste. Curt Conzelmann amtete von 1983 bis 1999, sein Nachfolger, André Froelicher, dirigiert das Orchester nun auch bereits seit 20 Jahren. Jonas Burki führte den Verein ebenfalls über 30 Jahre, bevor er das Präsidium 2014 an die Franziska Schumacher übergab.

Die Höhepunkte

Franziska Schumacher präsidiert den Verein also seit fünf Jahren; sie spielt aber schon länger als Flötistin im Stadtorchester mit. Sie schätzt dabei sehr, dass immer wieder die Zusammenarbeit mit anderen Oltner Vereinen zustande kommt. So wie heuer konnte bereits im Frühlingskonzert 2015 die 9. Sinfonie von Beethoven gemeinsam mit dem ProjektChor realisiert werden. Als weiteres Highlight nennt sie die Aufführung von «Zweimal Vier Jahreszeiten» in der Stadtkirche; Mitglieder des Tanzstudios Olten setzten

das barocke Konzert von Antonio Vivaldi und dessen Adaption durch Astor Piazzolla, dem argentinischen Erfinder des Tango Nuevo, tänzerisch um. Eine weitere «Sternstunde» war die Serenade 2011 im Garten d des Schlosses Waldegg. Bei schönstem Sommerwetter bereicherte die historische Gruppe «Danza Antica» das barocke Musikprogramm. «Ein wunderbares Erlebnis!», schwärmt Franziska Schumacher.
Wie hat sich der Verein in den letzten Jahren entwickelt? Er kann sich dem Trend, dass sich die Leute immer weniger fest verpflichten und nur für ein Projekt mitmachen wollen, auch nicht entziehen. «Wir waren und sind ein Orchester von Mitgliedern, die mehrheitlich Laien sind», stellt Schumacher fest. «Indem wir Profimusiker beiziehen, heben wir das Niveau und erweitern die Möglichkeiten des Ensembles. Dies bietet auch den Amateuren die Gelegenheit, höchst anspruchsvolle Werke – wie zuletzt die «Jupitersinfonie» von Mozart – zur Aufführung zu bringen und damit hoffentlich auch zur Freude des Publikums in Olten einmalige musikalische Erlebnisse zu erfahren».

Frühlingskonzert 125 Jahre Stadtorchester Olten Sonntag, 7. April 2019 17 Uhr im Stadttheater Olten