Olten

Ein intimer Abend am International Photo Festival mit zwei Stars

Die beiden Referenten des letzten Abends im Stadttheater: Ron Beinner (links) und Harry Benson. Im Hintergrund rechts Festivaldirektor Marco Grob.

Die beiden Referenten des letzten Abends im Stadttheater: Ron Beinner (links) und Harry Benson. Im Hintergrund rechts Festivaldirektor Marco Grob.

Die letzte Veranstaltung am International Photo Festival Olten zeigt, wie vertraut die Hauptfiguren der Szene untereinander sind.

Es sind die Intimität und Vertrautheit, die das International Photo Festival Olten in der Ausgabe 2019 geprägt haben. Hier treffen sich Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensläufen, Menschen, die an geschichtsträchtigen Ereignissen in der Menschheitsgeschichte an vorderster Front mit dabei waren. Menschen wie Harry Benson. Das Publikum applaudiert frenetisch, während der 89-jährige Schotte mithilfe seiner Frau am Samstagabend die Bühne des Stadttheaters betritt. Die zerbrechlich wirkende Gestalt strahlt eine unglaubliche Präsenz aus. Benson hatte bereits die Beatles, John F. Kennedy, die Queen und Martin Luther King vor der Linse. Da steht einer, der den Ku-Klux-Klan, den Zweiten Weltkrieg und die Untergrundorganisation IRA miterlebt hat. Da steht einer mit Weltformat.

Benson bedankt sich mit leicht zittriger Stimme beim Publikum und den Organisatoren auf gepflegt schottische Art und Weise und lässt hie und da ein «piece of shit» oder «he still owes me money» fallen, ohne an Sympathie einzubüssen. Im Gegenteil, Lacher und Applaus wechseln sich während seines Referats ab. So gross wie die Figur Harry Benson ist, so nahbar und menschlich war sie an diesem Abend. Benson versteht es, das Publikum nicht nur mit seiner packenden Art zu überzeugen, sondern auch mit seinen Bildern, die er entweder unkommentiert liess oder in interessante Anekdoten verpackte. Zu einem Foto mit US-Präsident Donald Trump meint er: «Donald mag das Bild nicht, das macht mich glücklich.» Und zu einem Bild mit einem halbnackten Hintern sagt er, dass die Berliner Nachtclubs vor der Wende alle anderen Klubs in den Schatten gestellt hätten. Er muss es wissen, er war dabei – fast überall.

Wie illuster der Kreis der Fotografen am Photo Festival ist, zeigt auch das Referat von Ron Beinner. Der Fotoredaktor prägte 20 Jahre lang den Stil der Zeitschrift «Vanity Fair» und beginnt demnächst sein Engagement bei Apple. Vor seiner Präsentation streicht Direktor Marco Grob die Wichtigkeit und den Einfluss von Fotoredaktoren hervor, auch wenn diese nicht den Auslöser drückten. Beinner bietet Einblicke in die Entstehung seiner Fotos und schmückt seine Rede mit Anekdoten aus dem Leben der Stars. Auch hier wieder ganz intim und persönlich, als wäre man als Hörer mit dabei, wenn Brad Pitt im Hinterhof mit einer Spraydose seinen Zaun einfärbt, während Angelina Jolie mit den Kindern im Garten entspannt.

Wie vertraut die Stars der Szene untereinander sind, zeigt sich vor der Eröffnung des Abends. Marco Grob verkündet, dass sich der Beginn etwas verzögere, da sich Benson und Beinner mit dem Auto in Olten verfahren hätten. Endlich angekommen, reisst Grob ein paar Sprüche und nimmt unter anderem die Schwimmkünste von Pulitzer-Preisträger Nick Ut auf die Schippe. Grob schenkt ihm ein paar Schwimmflügeli und einen Schwimmring. Scherze, die man sich nur unter Freunden erlaubt.

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