Atomkraftwerk Gösgen

Ein Herkules für den nächsten Generator

Der neue Kran wird zur Öffnung in der Südfassade des Maschinenhauses gehievt

Der neue Kran wird zur Öffnung in der Südfassade des Maschinenhauses gehievt

Am Freitag wurde im Maschinenhaus des Atomkraftwerks Gösgen ein neuer Riesenkran eingebaut. Er kann bis zu 500 Tonnen heben. Der alte Kran kam den Anforderungen nicht mehr nach.

In den letzten Wochen tat sich Ungewöhnliches auf dem Areal des Kernkraftwerks Gösgen (KKG). Ein grosser Teil des Parkplatzes war abgesperrt und diente als Bauplatz. Beim Maschinenhaus - also dort, wo aus Dampf Strom wird - wuchs ein Gerüst mit vier doppelten Gittertürmen bis auf die Gebäudehöhe. Die Südfassade wurde ihrer Hülle entkleidet, und schliesslich klaffte im obersten Teil der Fassade ein Loch von 32 Meter Breite und 10,5 Meter Höhe. Das alles bei laufender Produktion.

Der Zweck dieser Vorbereitungen zeigte sich diese Woche: der Ersatz des Krans im Maschinenhaus, des grössten von rund 400 Kranen auf dem KKG-Areal. Der bisherige Kran, der seit dem Bau des Werks ab 1975 im Einsatz stand, vermochte 400 Tonnen zu heben. Doch im nächsten Sommer, während der Revision 2013, wird ein leistungsstärkerer Generator von 465 Tonnen Gewicht angeliefert, dazu drei neue Niederdruckturbinen. «Es zeigte sich, dass der alte Kran nicht für die geforderte grössere Tragkraft ertüchtigt werden kann», erklärt Projektleiter Pius von Arx. «So entschied sich das KKG zur Beschaffung eines neuen Krans.» Kostenpunkt: 7,5 Mio. Franken.

Ernstfall folgt im Sommer 2013

Für von Arx, der für alle Hebezeuge (Krane, Lifte, Hebebühnen) zuständig ist, ist der Ersatz des Maschinenhauskrans das grösste Projekt seiner bisher 23-jährigen KKG-Karriere. Die Planung dauerte zweieinhalb Jahre. Dazu gehörten die Festlegung der Anforderungen an den neuen Kran, die Auswahl der Offerten und die Zusammenarbeit mit dem Hersteller NKM Noell in Würzburg. Vom 28. August an wurden die Teile des Krans aus Deutschland angeliefert, und bis zum 12. September wurde er auf dem KKG-Parkplatz montiert. Das fertige Ungetüm ist 30,5 Meter lang, 8 Meter breit und 185 Tonnen schwer. Der neue Herkules verfügt über die geforderte Tragkraft von 500 Tonnen, ist also um 100 Tonnen stärker als der alte.

Der Höhepunkt des Projekts spielte sich in einem Tag-und-Nacht-Einsatz am Donnerstag und Freitag ab: Mit einem Spezialtransportfahrzeug wurde der neue Kran zum Maschinenhaus gerollt, der alte Kran aus- und der neue eingebaut. Gestern Abend gegen 22 Uhr durften von Arx und sein Team aufatmen: Der neue Kran ist drin. Was nun bis Ende Oktober folgt, sind die Inbetriebsetzung und Prüfung mit einer Gesamtlast von 550 Tonnen. «Wenn er das nicht heben mag», lacht Pius von Arx, «habe ich ein Problem».

Der Ernstfall folgt dann bei der grossen Revision im Sommer 2013. Dann muss der Kran den alten Generator aus dem Maschinenhaus heben und den neuen hinein. Damit, so die Planung, das KKW Gösgen weitere 30 Jahre Strom produzieren kann.

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