Olten

Ein Emmentaler gewinnt das Kabarett-Casting

Christoph Simon holte sich am Finale des 3. Oltner Kabarett-Castings im Schwager Theater den Förderpreis von 10 000 Franken. Ein Künstler, der echte Chancen hat, auch auf der grossen Bühne zu reüssieren.

Als «Comédie humaine rund ums Streben nach Glück» bezeichnet der 1972 in Langnau im Emmental geborene Christoph Simon seinen Auftritt. Als Studienabbrecher, Versager und Schriftsteller tituliert er sich selbst.

Simon, der die Jazz-Schule in Bern besuchte, in der Folge Israel, Jordanien, Ägypten, Polen, Südamerika, London bereiste, studierte vier Semester Psychologie, Humangeografie und Wirtschaft in Basel, brach das Studium 1997 ab - «nach Krise und Erleuchtung in New York» - und begann zu schreiben. Heute lebt er nach eigenen Angaben als freier Schriftsteller in Bern, als Mundart- Slam-Poet «im Generalabonnement-Einzugsgebiet». Mehrfach erhielt er Auszeichnungen, unter anderem Literaturpreise des Kantons Bern.

Scharfsinnig und pointiert

Auf der Bühne steht er als Erzähler. Keine grossen Gesten prägen den Auftritt, sondern ein sprudelnder Gedankenstrom. Scharfsinnig, pointiert und wortgewaltig kreisen seine Überlegungen darum, was Glück ist, was Glück sein könnte.

Dabei spielt er gekonnt mit Gegensätzen sowohl sprachlich wie auch inhaltlich. Mal wiegt er das Publikum in wehmütiger Melancholie, dann wieder fährt er eine geballte Ladung Sarkasmus auf. Alltagsbanalitäten mischt er auf mit Gesellschaftskritischem, subtilen Wortwitz mit derben Rundumschlägen.

Darüber hinaus überzeugt er mit bildhaftem Erzählen. Dabei stellt er hohe Ansprüche an sich selbst, was den Vortrag des dicht gesponnenen, präzise komponierten Textes betrifft, der - würde der Künstler den Faden verlieren - wenig Improvisationsspielraum zulässt.

Mit Charme und Biss: «er und i»

Liebhaber pointierter Texte kamen auch beim Duo «er und i», ebenfalls Mitstreiter im Casting-Finale, auf ihre Kosten. Wolfgang Egli und Daniel Weniger, die beiden Richter vom Kreisgericht Wil, begeisterten mit Gesang, Gitarre und Bass.

Hochmusikalisch mit Tiefgang und Wortwitz begaben auch sie sich auf die Suche nach Glück. Unaufgeregt, voller Selbstironie und Lebensklugheit zerpflücken sie in ihren Liedern unser Weltbild. Ihre eingängigen Songs sind musikalisch getarnt mit Harmlosigkeit und gipfeln in kritischer Selbstbeobachtung. In der Tradition der Liedermacher erzählen sie kleine Geschichten, in denen man sich wiedererkennt. Und sie überzeugten mit Charme und Biss.

Auch Willi Näf, gebürtiger Appenzeller und gelernte Koch, präsentierte sich auf der Casting Bühne. Näf ist Texter, Redaktor und Kolumnist und als Pointenschreiber aktiv, etwa für Giacobbo/Müller. Seine Themenpalette reicht von der Selbstfindung beim Schamanen, innerkantonalen Animositäten über den Teilzeitmann bis zum Selbstmordattentäter. Ein bodenständiger Auftritt, inspiriert von Simon Enzler.

Letztlich haben sich Publikum und Fach-Jury an diesem «Männerabend», wie Moderator Philipp Boë, das Finale bezeichnete, für den Jüngsten im Bunde entschieden. Und mit Christoph Simon hat das Casting im Hinblick auf das erklärte Ziel, guten Nachwuchs auf die Bühne zu bringen, einen echten Treffer gelandet.

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