Olten
Ein Elvis wie aus dem Bilderbuch sang besser als das Orginal

«Elvis – Das Musical» riss das Publikum im völlig ausverkauften Stadttheater von den Sitzen. Ein Elvis wie aus dem Bilderbuch wusste das Publikum wie das Orginal zu begeistern. Gesungen hat das Elvis-Double wohl besser als Elvis es je konnte.

Peter Kaufmann
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Auf der Bühne sang sich das professionelle Star-Double Grahame Patrick (Bildmitte) ins Herz des Publikums im ausverkauften Haus

Auf der Bühne sang sich das professionelle Star-Double Grahame Patrick (Bildmitte) ins Herz des Publikums im ausverkauften Haus

Bruno Kissling

Ein reizvoller Anblick: Auf dem Bildschirm über dem siebenköpfigen Orchester zeigten Dokumentaraufnahmen den jungen Elvis Presley bei einem TV-Auftritt mit seinem legendären «Jailhouse Rock». Eine Ballettgruppe in dunkler Kleidung und T-Shirts mit Sträflingsstreifen lenkte vom erotischen Hüftschwung des jungen, charismatischen King of Rock ’n’ Roll ab – der berühmte «Swagger» von Elvis the Pelvis war der amerikanischen TV-Zensur und etlichen religiösen Gruppierungen ein Dorn im Auge.

Im Oltner Stadttheater war freilich nicht nur das originale TV-Video von 1957 zu sehen: Auf der Bühne sang sich das professionelle Star-Double Grahame Patrick mit dem gleichen Song die Lunge aus dem Leib.

Er überspielte temperamentvoll und mit seiner kraftvollen Stimme, dass er mit übergestülpter Elvis-Perücke und aufgeklebten Elvis-Augenbrauen, mit fast identischen Elvis-Kostümen und schlackernden Beinen heute eher dem mittleren und späteren Elvis gleicht als dem damals 22-jährigen schlaksigen Jungstar.

Erfahrener Elvis-Imitator

Grahame Patrick ist ein erfahrener Elvis-Imitator: Der aus Dublin stammende, als Jugendlicher in Kanada Aufgewachsene bewunderte schon aus als blutjunger Sänger das Idol Elvis Presley. Seit über 20 Jahren tritt Patrick als dessen Double auf, lange Zeit in den USA und auch in Las Vegas. 2004 übernahm Patrick in Berlin erstmals die Hauptrolle in einer Inszenierung von «Elvis – Das Musical».

Er ist mittlerweile der bessere Sänger, als Elvis es je war, dazu lässt er sich in seinen Cover-Versionen einen gewissen interpretatorischen Spielraum, in dem er mithilfe der hervorragenden Las Vegas Showband seine Eigenständigkeit beweisen kann. Grahame Patrick beherrscht nicht nur die schmissigen Rocktitel aus der goldenen Zeit des Rock’n›Roll, sondern weiss auch leisere Balladen wie «Love Me Tender» oder «Are You Lonesome Tonight» stimmlich eindrücklich zu gestalten.

Musikalisch konkurrenzlos

Musikalisch war die von Bernhard Kurz produzierte Musicalinszenierung jedenfalls konkurrenzlos gut. Nicht zuletzt auch wegen der vier Background-Sänger The Stamps: Das seit Jahrzehnten bestehende Gospelquartett leitet noch immer Ed Enoch, der mit seiner Gruppe bei rund 1000 Elvis-Konzerten mitwirkte und der auch 1977 an der Beerdigung des US-Weltstars sang. Traditionelle Gospelsongs, die Elvis so sehr liebte und für die er mit drei Grammys ausgezeichnet wurde, waren denn auch musikalisch der Höhepunkt des Oltner Auftritts.

Humorvolle Spielszenen, eingespielte Videos, Filmsequenzen und dokumentarischee Einspielszenen führten etwas wirr und eben weniger chronologisch denn anekdotisch durchs Leben von Elvis Presley. Es war freilich ein Elvis wie aus dem Bilderbuch: Von seinen dunklen Seiten, seinen paranoiden Ängsten, dem steten Drogenmissbrauch und seinen Wutausbrüchen war nichts zu erfahren.

Olten hat die Nase vorn

Wer hätte das gedacht? An einem Freitagabend sorgten Rock-’n’-Roll-Hits aus den 1950er-Jahren, swingende Spirituals und süsse Balladen für ein völlig ausverkauftes Stadttheater und eine Bombenstimmung samt Standing Ovation. Und mit dem Sonderangebot für alle Elvis-Fans aus Olten und Umgebung hatte das Stadttheater erst noch die Nase vorn: Die erfolgreiche deutsche Musicalproduktion wird erst Ende März auch in den grossen Schweizer Städten zu sehen sein.

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