Es kommt doch recht häufig vor, dass Gemeindeverantwortliche von fremden Investoren hören, die sich im Dorf um Land bemühen, um dort eine Überbauung zu realisieren. Was viel seltener vorkommt: Gemeindeverantwortliche hören von fremden Investoren, die sich im Dorf um Land bemühen, um dort eine Überbauung zu realisieren – und prompt reagieren. Sie nehmen mit den Liegenschaftbesitzern Kontakt auf und offenbaren ebenfalls Kaufabsichten. So geschehen in Fulenbach, wo man mit diesem Schritt einer Wohnungsbaudynamik, welche die gemeindeeigene Infrastrukur zu überstrapazieren droht, die Spitze brechen will.

Infrastruktur an der Grenze

Für Gemeindepräsident Hugo Kissling war dieser eher ungewöhnliche Schritt angezeigt. «Derzeit sind in Fulenbach fünf Mehrfamilienhäuser mit rund 35 Wohnungen in Realisierung oder Planung», erklärt er. Das sei einerseits zwar erfreulich, weil damit die Attraktivität der Gemeinde mit ihren intakten Strukturen untermauert werde. Andererseits bedrohe ein Wachstum dieser Art auch Strukturen, die über viele Jahre organisch gewachsen sind. «Der Rat hat sich an einer strategischen Grundsatzdiskussion einhellig dafür ausgesprochen, aktiv auf diese Entwicklung Einfluss zu nehmen», so Kissling weiter. Das Dorf tritt damit auf die Entwicklungsbremse und ruft: «Halt, sichern!»

Konkret hat die Gemeinde den Fuss zum Projekt Bauparzelle Chrüzweid zwischen Tür und Angel gesteckt, wo weitere 30 Wohneinheiten angekündigt sind. «Der Rat setzt sich für eine massvolle, gesunde und langfristige Entwicklung Fulenbachs ein», argumentiert Kissling weiter. Von einer solchen sei sicher nicht auszugehen, wenn kurz- bis mittelfristig an die 100 neue Wohnungen entstehen. So was bliebe für die Gemeinde sicher nicht ohne negative Folgen, ist der Gemeindepräsident überzeugt.

Kaufangebot angenommen

So unterbreitete der Rat der Grundstücksbesitzerin Chrüzmatt, einer Erbengemeinschaft, ein Kaufangebot über knapp zwei Mio. Franken. Der Quadratmeterpreis der Offerte orientiert sich an den ortsüblichen Landpreisen. «320 Franken pro Quadratmeter sind das», sagt Kissling. Allerdings habe es im Dorf durchaus schon Handwechsel gegeben, die zu wesentlich höheren Preisen vollzogen wurden.

Erbgemeinschaft lenkt ein

Jedenfalls stieg die Erbengemeinschaft auf den Vorschlag der Gemeinde Fulenbach ein. «Wir sind froh, mit unserem Angebot und den Argumenten die Verkäufer überzeugt zu haben und wissen zu schätzen, dass diese trotz eines deutlich besseren Angebots von privater Seite auf die Karte Gemeinde setzen», sagt der Gemeindepräsident. Gemäss seinen Angaben ist das Geschäft im Dorf unbestritten. Zumindest habe er nichts Oppositionelles gehört. Behandelt wird die Angelegenheit an der heutigen Gemeindeversammlung.