Gunzgen
Ein Blumenstrauss, der seinen Namen auch wirklich verdient

Ein Streiflicht werfen auf die Musikgenres: Dies war die Mission der Musikgesellschaft Gunzgen an ihrem Jahreskonzert in der Rüeblihalle.

Urs Huber
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Die Musikgesellschaft Gunzgen unter der Leitung von Marcel Heutschi lud zum wahrhaftigen musikalischen Blumenstrauss in die Rüeblihalle.

Die Musikgesellschaft Gunzgen unter der Leitung von Marcel Heutschi lud zum wahrhaftigen musikalischen Blumenstrauss in die Rüeblihalle.

Remo Fröhlicher

Wie oft redet man doch vom musikalischen Blumenstrauss und haut dann doch immer auf fast dieselbe Pauke. Häufig, zu häufig. Nicht so aber in Gunzgen, wo die Musikgesellschaft genau dies versprach – und auch einhielt. Es ging durch Film- und Popmusik, Rockklassiker oder – den Marsch. Die Musikgesellschaft präsentierte, wie sich das gehört, auch das Wettstück für den Regionalmusiktag in Mümliswil: Slip-stream, von Darrol Barry. Noch nicht astrein zwar, aber man scheint auf guten Wegen und zwischen dem Jetzt und Mümliswil liegen noch ein paar Proben, die man zu Präzisierungen in mehrfacher Hinsicht nutzen wird. Und schliesslich gaben die Musikantinnen und Musikanten noch den «Solothurner Marsch»; quasi als Ode an das Publikum in der gut gefüllten Rüeblihalle. Mit Erfolg: Kaum eine der gegebenen Kompositionen regte dermassen zum Mitklatschen an wie jene von Altmeister Stephan Jaeggi aus Fulenbach. Es brauchte dafür noch nicht mal eine spezielle Aufforderung an die Gäste. Man wähnte sich mitunter am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, die – geben sie zum Schluss traditionsbewusst den Radetzky-Marsch – jeweils vom mitklatschenden Publikum begleitet werden.

Blech und Holz: nicht dasselbe

Es gab daneben auch dramaturgische Abwechslung. Verblüffend einfach in ihrer Art, aber verdeutlichend in der Wirkung. Im zweiten Konzertteil nämlich traten Holz- und Blechregister häufig getrennt auf. Überhaupt wechselten die Besetzungen mehrfach, was Ansagerin Fabienne Hofer zur spassigen Aussage ans Publikum veranlasste: «Bei uns dürfen eben nur die mitspielen, die’s können.»

Ein heiteres Jahreskonzert war’s. Auffällig: Mit zunehmender Konzertdauer fand das Ensemble zu freierem Spiel, was sich unversehens auf die Stimmung in der Halle übertrug. Das lag mit Bestimmtheit auch an den gegebenen Kompositionen: Leichte Muse, welche das Korps verinnerlicht zu haben schien, weil Mann und Frau um solche Melodien im Leben kaum herumkommen und die Teil ihrer selbst werden: Die Titelmusik zu Pippi Langstrumpf, jener zu Hawaii Five-O oder dann Stücke von Udo Jürgens oder Michael Jackson sind dafür bestens geeignet. Zu Ersterem war denn auch die erste Zugabe fällig. Weitere sollten zum Ende des Konzerts folgen, nachdem Alois Theiler (45 Jahre) und Cornelia Rötheli (35 Jahre) für ihr langjähriges aktives Musizieren geehrt wurden.

Jetzt mit Jugendmusik

Seit März dieses Jahres betreiben die drei Musikgesellschaften Gunzgen, Kappel und Hägendorf-Rickenbach gemeinsam die Jugendmusik Untergäu, die nach lediglich acht Proben in Gunzgen zu ihrem ersten Auftritt kam, wie deren Leiter Michael Stalder erklärte. Er rührte gleichzeitig kräftig die Werbetrommel für das Ensemble. Profanes Ziel: die Förderung des Nachwuchses.

Logisch – auch im Repertoire der Jugendmusik widerspiegelte sich Zeitgenössisches, wenn man die Beatles noch als solches bezeichnen mag. Liegt doch auch schon 40 Jahre und mehr zurück. Aber Penny Lane oder Obladi-Oblada gehören eben auch in die Kategorie des musikalischen Kulturgutes. Und das jugendliche Ensemble hielt sich erfrischend kurz. Um die obligate Zugabe kam’s allerdings nicht herum.