Olten
Ein Blick zurück auf die Soul-Hitfabrik

Im Stadttheater feierten Schwarze Welthits in der Musikshow «Motown – Die Legende» Urstände.

Peter Kaufmann
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Das Ensemble der Konzertdirektion Landgraf sorgte für Ausgelassenheit im Stadttheater.

Das Ensemble der Konzertdirektion Landgraf sorgte für Ausgelassenheit im Stadttheater.

HR.Aeschbacher

«Please, Mr. Postman» oder «When a Man Loves a Woman»: Wer kennt sie nicht, diese Soul-Evergreens aus der guten alten Zeit der Popmusik? Diese und 49 weitere schwarze Popsongs erklangen in der Musikshow «Motown – Die Legende. Eine musikalische Begegnung».

Garage und Nachtclub

Eine junge Band übt im kurzen ersten Teil der Show in einer zugig-kalten Garage ihre ersten Songs und Tanzschritte ein: Fünf schwarze Talente in Alltagskleidern versuchen im Hinblick auf erste Auftritte die Perfektion einzuüben, die im US-Showbusiness nötig ist, um Erfolg zu haben. Und dazwischen erzählen sie sich Anekdoten aus der Geschichte des erfolgreichen schwarzen Musiklabels Motown. Ein paar dazu passende dokumentare Filmaufnahmen sind auf einer Leinwand im Hintergrund der Bühne zu sehen. Die Leinwand blieb auch beim zweiten, über 80 Minuten langen Showteil, einem Soulkonzert mit vielen Songs und Balladen aus der Detroiter Hitfabrik. Die Bühne aber war nach der Pause zum Nightclub mit Showtreppen umgebaut worden und die Darsteller traten im Anzug, später sogar im Smoking und in glitzernden Abendkleidern auf.

Detroiter Soulmusik-Fabrik

Weltstars wie Diana Ross, Otis Redding, Smokey Robinson, Lionel Ritchie und viele andere schwarze Hitsänger der letzten 40 Jahre gehören in die «Hall of Fame», die Ruhmeshalle der Popmusik. Das ist nicht selbstverständlich, hatten doch vor den 1960er-Jahren – ausser Jazzmusikern – schwarze Künstler in den USA kaum eine Möglichkeit, mit ihrer Musik ein weisses Publikum zu begeistern. Das änderte sich erst mit dem Label Motown, das der schwarze Produzent Berry Gordy 1959 mit ein paar Hundert Dollar gründete. Eine eigentliche Hitfabrik entstand, die schnelle, tanzbare, soulige und funkige Songs produzierte, mit viel Groove, eigenem Sound dominiert von Bläsern und sattem Bass, oft mit Backgroundgesang und bei Live-Auftritten immer verbunden mit genau ausgetüftelten Tanzschritten und Handbewegungen. Aber auch zu Herzen gehende Balladen waren eine Spezialität des Detroiter Labels, das bald Welterfolge aufweisen konnte. Und immer wieder neue Jungstars entdeckte: Stevie Wonder gelang mit 13 Jahren sein erster Number-One-Hit, Michael Jackson war erst elf, als The Jackson Five den ersten Platz der US-Charts besetzten. Motown-Single-Platten überschwemmten die US-Hitparaden, die zuvor fast ausschliesslich weissen Stars vorbehalten waren.

Live-Band, Live-Gesang

Wie meistens bei den Musiktheater-Produktionen der deutschen Konzertdirektion Landgraf spielte in der «Motown»-Show eine Live-Band, fünf versierte, allerdings weisse Musiker unter der Leitung des Keyboarders Hans Kaul. Im Mittelpunkt aber standen die drei Sänger und die zwei Sängerinnen mit hervorragenden Stimmen und der nötigen tänzerischen Nonchalance: die stimmstarke Marion Campbell, die quirlige Meimouna Coffi, der besonnene Wilson D. Michaels, der rockig-soulige Trevor Jackson und der das Publikum mitreissende David-Michael Johnson. Sie zeigten, dass das Showbusiness ernst genommen werden will und harte Arbeit ist. Und alles möglich macht: Beim Medley mit Songs, die Diana Ross and the Temptations unsterblich gemacht haben, gesellte sich Jackson zu den beiden Sängerinnen, um das Frauentrio zu vervollständigen. Ein hübscher, ironischer Einfall.