In immer mehr Familien arbeiten beide Elternteile, die ihre Tätigkeiten mit der Betreuung ihrer Kinder unter einen Hut bringen müssen. Entsprechend wächst die Nachfrage nach Betreuungsangeboten. Dazu gehören beispielsweise Kindertagesstätten (Kitas) und Hortbetriebe. Ebenso werden in vielen Gemeinden der Region seit Jahren Mittagstische angeboten, wo Kinder über Mittag eine warme Mahlzeit bekommen. Die Entwicklung zu Tagesstrukturen ist langsam im Aufschwung.

Angebote sind unterschiedlich

Im Gegensatz zu Kitas und Horten unterliegen Mittagstische keinen kantonalen Auflagen. Betreuungsangebote sind für die Gemeinden keine Pflicht. Oft entstehen Mittagstische auf Initiative von Eltern, die sich für ihre Kinder ein entsprechendes Angebot wünschen. In der Ausgestaltung ihres Angebots sind die Organisatoren frei, weshalb viele verschiedene Modelle entstanden sind.

Allen Mittagstischen gemeinsam ist jedoch, dass sie von Schulschluss am Morgen bis Schulbeginn am Nachmittag für Schüler und Kindergärtner geöffnet sind. Während dieser Zeit wird gemeinsam gegessen. Anschliessend können sich die Kinder mit Spielen oder Hausaufgaben befassen und werden betreut, bis der Unterricht beginnt. Der Elternbeitrag pro Kind und Mittag liegt meist bei ungefähr zehn bis fünfzehn Franken.

Doch: Ob Köchin oder Catering-Dienst von Restaurant oder Kantine, ehrenamtlich arbeitende Mamis oder ausgebildete Betreuerinnen, Vereinslokal oder Schulhaus – die Angebote sind unterschiedlich.

Noch wird die deutliche Mehrheit der Mittagstische von privaten Vereinen angeboten. Eher selten sind Angebote, wie sie sich in Olten, Oensingen und Kestenholz finden. Dort ist die öffentliche Hand Trägerschaft.

Vermehrt finden sich Angebote, die verschiedene schulergänzende Strukturen wie Mittagstisch und Nachmittagsbetreuung kombinieren. Oft werden diese Mittagstische in Zusammenarbeit mit einer Kita oder einem Hort angeboten.

Klassisch: private Vereine

Die von Vereinen getragenen Mittagstische existieren teilweise schon sehr lange. Beispielsweise das gut vierzehnjährige Angebot in Dulliken, der fünfzehnjährige Mittagstisch vom Elternverein in Niedergösgen oder der zehnjährige Verein Tavolino in Obergösgen, der auch für Erwachsene geöffnet ist.

Andere privat organisierte Mittagstische wie Oberbuchsiten wurden erst vor kurzem ins Leben gerufen und befinden sich noch in der Pilotphase. Ab dem 16. August, dem Beginn des nächsten Schuljahres, öffnet zudem der vom Elternverein ins Leben gerufene Mittagstisch in Wangen, der im Vereinslokal des SATUS-Turnvereins beheimatet ist.

Ihnen ist gemeinsam, dass oft Mütter selbst als Betreuerinnen tätig sind, entweder ehrenamtlich oder gegen eine kleine Entschädigung. Vor der Eröffnung wird meist mittels Fragebogen eine Bedarfsabklärung bei Eltern und Kindern durchgeführt.

Als Resultat einer Befragung steht die ungefähre Zahl, mit wie vielen Anmeldungen zu rechnen ist. Meist gehen aber weniger Anmeldungen ein. Das beklagt beispielsweise Marion Joller, die den per Ende Schuljahr 2014/2015 geschlossenen Mittagstisch in Balsthal leitete: «Nach der Bedarfsabklärung rechneten wir mit mehr Anmeldungen.»

Grosse Schülerzahlen in der Gemeinde begünstigen das Entstehen eines Mittagstischs. Oensingen und Olten (auf der rechten Aareseite im Säli- und im Bifangschulhaus) verfügen über ein entsprechendes Angebot, welches sehr gut ausgelastet ist. Das eher junge Angebot in Kestenholz steht allerdings auf der Kippe, da laut Leiterin Susanne Raemy Ingold die Nachfrage nicht so hoch ist, wie nach der Befragung im Vorfeld erwartet.

In Richtung Tagesstrukturen

Oftmals reicht die Betreuung über den Mittag aber nicht aus, um den Elternteilen die Berufstätigkeit zu ermöglichen. Sie sind auch auf eine Betreuung am Morgen oder am Nachmittag oder in den Ferien angewiesen. Davon profitieren die Mittagstische, die integriert in oder in Zusammenarbeit mit einer Kita oder einem Hort angeboten werden.

Entsprechende Angebote finden sich unter anderem in Trimbach, Schönenwerd, Hägendorf, Däniken und Niedergösgen. In Däniken bietet ab dem 16. August die Kita Seepfärdli auch einen Mittagstisch an, nachdem der Verein Mittagstisch Däniken sein Angebot eingestellte. Das Betreuungspersonal ist bei diesen Angeboten professionell ausgebildet, wie es die Richtlinien für Kitas und Horte vorschreiben.

Das Problem ist, dass dies die Kosten pro Kind und Mittag in die Höhe treibt. So kostet das Angebot in Hägendorf 25 Franken pro Mittag – ein Preis, den viele Eltern nicht zu bezahlen bereit sind. «Manche Eltern sagen, dass es den Preis absolut wert ist. Ich weiss, dass es für viele aber zu hoch ist», so Diana Rubli, Präsidentin vom Verein Kinderdach, der Mittagstisch, Kita und Hort anbietet.

Für die einjährige letzte Chance, die sie dem Angebot gewähren, geht das Kinderdach-Team noch einmal über die Bücher. «Wir wollen aber an unseren Grundsätzen festhalten und den Mehrwert betonen, der dadurch für die Kinder entsteht. Aber allenfalls lässt sich der Preis etwas senken, wenn wir Sponsoren finden», so Rubli.

Die anderen oben genannten schaffen es, mit Kosten von 10 bis 15 Franken pro Mittag zu fahren. Dies ist aber nur möglich, weil die überschüssigen Einnahmen aus der Kita und dem Hort den fehlenden Beitrag aus dem Mittagstisch kompensieren können.

Finanzierung ist schwierig

Eines der grössten Probleme der Mittagstische ist die Finanzierung. Meist liegen die effektiven Kosten pro Kind rund 15 Franken über dem Elternbeitrag. Gemeindebeiträge decken oftmals die Betreuungskosten. Ausnahmen sind meist Mittagstische mit sehr niedriger Auslastung oder solche in Kombination mit Kitas und Hort.

Eine Möglichkeit ist es, eine Bundesanstossfinanzierung für die ersten drei Jahre zu beantragen. Um begünstigt zu werden, müssen minimale Öffnungszeiten und Besuchszahlen erreicht werden. Insgesamt ist es schwierig, Mittagstische kostendeckend zu führen. Von Gewinn ist meist nicht die Rede.

Doch man darf sich auch fragen, ob ein Beitrag der öffentlichen Hand legitim ist. Schliesslich ist dank zwei erwerbstätigen Elternteilen das Einkommen grösser, sodass auch ein höherer Elternbeitrag verkraftet werden könnte. Die Realität sieht jedoch klar so aus, dass die Eltern nicht jeden beliebigen Beitrag zu zahlen bereit sind, was das Beispiel Hägendorf zeigt.

In manchen Familien ist das Geld trotz zwei berufstätigen Elternteilen knapp. Doch solche Angebote im Dorf erhöht die Attraktivität des eigenen Pflasters. Deshalb unterstützen viele Gemeinden die Idee des Mittagstischs finanziell.

Tatsächlich sind viele Eltern froh um schulergänzende Betreuung, gerade wenn sie auf zwei Einkommen angewiesen sind. Obwohl das Bedürfnis also vorhanden ist, haben viele Mittagstische besonders zu Beginn Schwierigkeiten, kostendeckend zu funktionieren. Es scheint, dass ein Mittagstisch nicht die Endlösung, sondern vielmehr ein Zwischenschritt ist, weil als Angebot zu punktuell ist für berufstätige Eltern.

Dies beobachtet auch Esther Elsener Konezciny, Co-Geschäftsleiterin der Fachstelle Kinder und Familien. «Wir stellen fest, dass das klassische Mittagstisch-Modell zunehmend durch Tagesstrukturen ersetzt wird, die beispielsweise auch Nachmittagsbetreuung mit einschliessen.»

Die Kombination bietet für die Eltern Vorteile, ist allerdings schwieriger umzusetzen. Die kantonalen Bestimmungen kommen ins Spiel, die ausgebildetes Betreuungspersonal vorschreiben – für private Vereine ist das nicht tragbar. Dies wirkt sich auf den Elternbeitrag aus. Langfristig werden wohl Tagesstrukturen vermehrt ins Interesse der Politik rücken.