Die Statistik trügt nicht. Sie sagt, dass der HC Sierre ein Gegner ist, der dem B-Ligisten EHC Olten liegt. Denn am 9. Oktober 2010, vor fast genau zwei Jahren, verloren die Powermäuse letztmals gegen die Walliser. Seither mussten sich ihnen die Powermäuse nie mehr geschlagen geben, lediglich einmal gaben sie einen Punkt ab, als sie ihren Sieg erst im Penaltyschiessen klarmachten. «

Das wusste ich nicht», sagt EHCO-Ausländer Marty Sertich auf die zweijährige weisse Weste angesprochen, «und es kommt überraschend für mich, denn die Spiele gegen Sierre sind meist sehr tough.» Gestern nun sorgten die Oltner mit ihrem ungefährdeten 7:2-Sieg - der erste EHCO-Auswärtssieg dieser Meisterschaft - dafür, dass die Statistik im Bezug auf Sierre weiterhin rosig aussieht.

Was der EHC Olten im ersten Spielabschnitt zeigte, war eine Machtdemonstration, denn er war eigentlich nonstop am Drücker und liess Sierre während der gesamten 20 Minuten des ersten Drittels nicht ins Spiel kommen. Die Oltner unterstrichen ihre Überlegenheit mit drei Treffern in der Startviertelstunde. Die Angriffsformation rund um die Ausländer Colton Fretter und Marty Sertich sowie Topskorer Marco Truttmann entpuppte sich dabei zum Schrecken für die Siderser Abwehr.

Bei Treffer Nummer 1 leistete Sertich die Vorarbeit und spielte die Scheibe, nachdem er einen Siderser Verteidiger gekonnt umkurvt hatte, auf Fretter, der diese zu Truttmann weiterleitete - der Topscorer liess sich nicht zweimal bitten und verbuchte das 1:0. Er bedankte sich nur zweieinhalb Minuten später in Überzahl mit einem feinen Pass auf Fretter. Der EHCO-Ausländer mit der Nummer 7 nutzte diese Chance genauso kaltblütig aus, wie jene in der 15. Minute, als er HCS-Torhüter Matthys auf Pass von Sertich mit einem Buebetrickli zum 3:0 bezwang. «Es ist grossartig mit Fretter und Truttmann in einer Linie zu spielen. Wir haben einen richtigen Lauf derzeit. Ich hoffe, das bleibt noch lange so», meint Sertich. Auch die mitgereisten Oltner Fans hatten ihre Freude an dem Trio und riefen nach Spielschluss Colton Fretter mit ihren Rufen zu einer Ehrenrunde nochmals aufs Eis.

7:2 - auch in dieser Höhe verdient

Im dritten Drittel sah das Szenario ähnlich aus. Zwar verkürzte Furrer für Sierre nach einem Alleingang vorerst auf 2:4. Nur eine halbe Minute später aber stellte Philipp Wüst den Dreitorevorsprung für seine Farben wieder her. Und von da an hatte der EHCO alles, aber auch wirklich alles im Griff. Er setzte sich teilweise minutenlang im Drittel des Gegners fest und sah so seinen Sieg nie gefährdet. Im Gegenteil Grassi und Schwarzenbach erhöhten gar noch auf 7:2 - und dies nicht unverdient. Damit hievt sich der EHC Olten nun an die alleinige Tabellenspitze. «Natürlich klingt das gut. Aber es ist noch früh in der Saison, und das bedeutet deshalb noch nicht viel. Wir nehmen weiterhin ein Spiel nach dem anderen», sagt Sertich zur Leaderposition.

Trotz des schliesslich klaren Sieges: Es gab auch eine brenzlige Phase im gestrigen Spiel. Im zweiten Drittel vergab der EHCO gleich zu Beginn zwei hochkarätige Chancen (Krebs, Sertich) und sah sich im Anschluss mit einem Aufbäumen der Siderser konfrontiert. Die Gastgeber spielten plötzlich mit deutlich mehr Dampf und setzten die Oltner früher unter Druck als noch im Startdrittel. In der 30. Minute erntete der HCS schliesslich die Früchte seiner Leistungssteigerung: In Überzahl bezwang er Oltens Goalie Thomas Kropf ein erstes Mal. Treffer zwei und drei hätten eigentlich in der 32. Minute folgen müssen für die Oberwalliser. Zuerst traf Thomas Furrer anstelle des leeren Tores nur das Aussennetz und anschliessend konnte Derek Cormier bei Unterzahl alleine aufs Oltner Tor losziehen. Er drosch die Scheibe aber am Pfosten vorbei. Das Unvermögen des HCS war das Glück des EHCO. Nach diesen beiden Siderser Grosschancen war der EHCO alarmiert und übernahm wieder das Zepter. Cyril Aeschlimann markierte dies mit seinem Überzahltreffer nur eine Minute später (4:1).