Stromversorgung
EBM ist die neue regionale Alpiq

Mit dem Verkauf von Avag an die Baselbieter wird die Rolle der sbo gestärkt. Mit dem Vorhaben der Städtischen Betriebe Olten und der Elektra Birseck Münchenstein soll der Strompreis langfristig eher sinken.

Christian von Arx
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Alle zufrieden (vl.): Ernst Zingg (VR-Präsident sbo), Beat Huber (Partner Fontavis/UBS-CEIS), Thomas Bucher (CFO Alpiq), Conrad Ammann (CEO EBM).

Alle zufrieden (vl.): Ernst Zingg (VR-Präsident sbo), Beat Huber (Partner Fontavis/UBS-CEIS), Thomas Bucher (CFO Alpiq), Conrad Ammann (CEO EBM).

Bruno Kissling

Die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) ist der neue starke Partner für die Energieversorgung von 18 Gemeinden mit 30'000 Kunden im Raum Olten. EBM tritt damit an die Stelle von Alpiq, die sich aus finanziellen Gründen aus dieser Rolle zurückzieht.

EBM ist bisher Energieversorgerin in 60 Gemeinden der Kantone Basel-Landschaft, Solothurn (Dorneck-Thierstein) und im Elsass. Mit 120'000 Kunden gehöre EBM zu den zehn bis zwölf grössten Energieversorgern in der Schweiz, sagte ihr CEO Conrad Ammann gestern Montag an der Medienkonferenz zum Verkauf im Bahnhofbuffet Olten. Nun macht EBM den Schritt über den Jura an die Aare.

Wie am Samstag gemeldet, verkauft Alpiq ihr Aktienpaket von 96,7 Prozent an der Alpiq Versorgungs AG (Avag) an ein Konsortium aus drei Partnern: Neben der EBM (67 Prozent) sind der Investitionsfonds UBS Clean Energy Infrastructure Switzerland (UBS-Ceis, 28 Prozent) und die Städtischen Betriebe Olten (sbo, 5 Prozent) mit im Boot.

Alpiq hatte ihre Verkaufsabsicht im letzten November angekündigt. «Das Interesse an Avag war gross», kommentierte Alpiq-Finanzchef (CFO) Thomas Bucher den Bieterprozess. Die Avag sei interessant, weil sie im gesetzlich regulierten Netzgeschäft tätig ist: Dieses zeichnet sich durch eine sichere und stabile Rendite aus.

Wer die unterlegenen Interessenten waren, verriet Alpiq nicht. Beobachter zählen sicher die Bernischen Kraftwerke (BKW) und die Industriellen Betriebe Aarau (IBAarau) dazu. Warum entschied sich Alpiq für das Konsortium EBM/UBS-Ceis/sbo? «Den Ausschlag gab der Preis», sagte Alpiq-CFO Bucher, «aber nicht der Preis allein, sondern auch die Transaktionssicherheit sowie die anderen Vertragskonditionen.» So stelle es für Alpiq einen Wert dar, wenn sie keine weitreichenderen Gewährleistungsansprüche erfüllen müsse.

Dem Interesse der Region ist insofern Rechnung getragen, als die «neue», von EBM beherrschte Avag die Energieversorgung weiterhin mit den sbo über die Betriebsgesellschaft Aare Energie AG (a.en) sicherstellen will. Der Verkaufspreis von 312 Mio. Franken bewegt sich über den in der Öffentlichkeit gemutmassten 200 bis 300 Mio. Franken. «Die 312 Mio. Franken sind ein fairer Preis», meinte Alpiq-CFO Bucher. Den Beitrag des Avag-Verkaufs an den Abbau der Nettoverschuldung von Alpiq (Ende 2015: 1,3 Milliarden Franken) nannte Bucher «substanziell».

Der Übergang der Avag von Alpiq an das Konsortium muss von der Wettbewerbskommission genehmigt werden. Das könnte im Lauf des Sommers erfolgen. Danach werden die neuen Aktionäre den Avag-Verwaltungsrat mit ihren Vertretern besetzen. 14 Gemeinden der Region behalten ihre kleinen Aktienanteile von zusammen rund 3,3 Prozent. Heiner Schranz, VR-Präsident der Elektra Däniken, äusserte sich an der Medienkonferenz zufrieden über den Zuschlag an das Konsortium mit der sbo.

Ernst Zingg, sbo

«312 Millionen sind als Preis akzeptabel»

Er brachte es als Verwaltungsratspräsident der Städtischen Betriebe Olten (sbo) an der gestrigen Medienkonferenz auf den Punkt. Ernst Zingg nämlich meinte: «Wir, die sbo, wollten die Avag.» Nicht bedingungslos selbstverständlich, aber im Rahmen des Akzeptablen. Und der Kaufpreis von 312 Mio. Franken, zu welchem die sbo 15,6 Mio. beisteuern und damit neu rund 5 Prozent des Aktienkapitals besitzen werden, gehöre in diese Kategorie, auch wenn im Vorfeld ein deutlich tieferer Preis kolportiert wurde. Weiter wollte sich Ernst Zingg aber nicht zum Kaufpreis äussern. Nur noch dies: Natürlich habe man sich beraten und den Wert der «Braut», der Alpiq Versorgungs AG (Avag), eruieren lassen: «312 Millionen sind als Preis akzeptabel.» Diese soll übrigens, wie Zingg dieser Zeitung gegenüber andeutete, nach der Übernahme einen neuen Namen erhalten. Aus der Alpiq Versorgungs AG könnte die Aare Versorgungs AG werden.
Bedeutungsgewinn für sbo
Das Engagement der sbo in Sachen Avag begründete Zingg mit der festen Absicht, die zuverlässige und wirtschaftliche Energieversorgung in den Stammlanden sicherzustellen, die starke regionale Verankerung mit einer guten Zusammenarbeit unter den Avag-Konzessionsgemeinden fortzuführen und Arbeitsplätze zu sichern. «Natürlich wäre dies auch mit einem anderen Partner als der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) möglich gewesen», hält Zingg fest. Aber man habe festgestellt: sbo und EBM passen zueinander, zumal die EBM-Teile des Aktienkapitals der Alpiq hält. Zingg reklamierte für die sbo unter den neuen Besitzverhältnissen gar einen Bedeutungsgewinn hinsichtlich des Mitbestimmungs- oder gar Bestimmungsrechts in Sachen Betriebsgesellschaft a.en, gehören doch 50 Prozent der Betriebsgesellschaft und neu 5 Prozent der künftigen Avag den sbo.
Für Zingg ist klar, dass mit der getroffenen Lösung die Weichen «für eine erfolgreiche Zukunft in der regionalen Stromversorgung gestellt sind und die Position der Versorgerin gestärkt wurde. Dass auch bei der a.en mit Kontinuität gerechnet wird, beweist die Tatsache, dass in wenigen Monaten über den definitiven Baustart des neuen Betriebsgebäudes befunden wird. Tendenziell, so die optimistischen Verantwortlichen, stünden die Zeichen auf Start. (hub)

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