Frage: Wo trifft man mit Leichtigkeit hiesige Obernaaren, solche mit Vergangenheit und auch potenziell zukünftige, Gemeindeoberhäupter, ehemalige Schulkameraden, nationale Meister des Poetry Slams, einstige Berufskollegen oder einfach Hinz und Kunz? Genau. Am Samstagabend an der Oltner Chilbi. Es ist, so kurz nach 22 Uhr, kaum mehr ein Durchkommen in den Gassen; Schlangen vor den Vergnügensanlagen, gute besetzte Beizen.

Wer sich nicht dort befindet, zirkuliert, präsentiert errungene Trophäen wie Stofftiere, Nostalgieschilder, Armspangen, Steinketten oder lautstark den kleinen eben durchlebten Thrill auf der Bahn. Frauen übrigens deutlich prägnanter als Männer; Letztere nämlich machen in aller Regel auf «coole Hose», auch wenn deren Gesichtsfarbe, um nicht ein Klischee strapazieren zu wollen, doch eher leicht verändert daherkommt. Ach, auch das Leben im vermeintlichen Chilbihimmel ist eben nicht immer einfach.

Die Luft: erfüllt vom Kreischen der Frauen

Die Geräuschkulisse allüberall: Wahnsinn. Die Luft geschwängert vom Gekreische der Frauen, die sich im Moment nichts sehnlicher zurückwünschen als die gewohnte Wahrnehmung der eigenen Schwerkraft, die man jetzt für drei Minuten und ein paar Franken freiwillig eingetauscht hat. Wer eine Botschaft loswerden will, muss deshalb seinem Gegenüber näher kommen. Sehr nahe sogar. Und kaum zu glauben: Es hat in diesem Gewimmel welche darunter, die können in dieser Flut von Geräuschen, im Gedränge der daherziehenden Massen, auch noch mit dem Handy telefonieren und vorgeben, dabei etwas verstanden zu haben.

Unumwunden gesagt: eine Meisterleistung. Nur der Mann in der Popcornbude schiebt ab und an «eine ruhigere Kugel», wie man so schön sagt. Der Ort wirkt kurz nach halb zehn Uhr abends wie eine Oase; echt Balsam für strapazierte Sinneszellen.

Auffällig: Gelegentlich kommt man um den Eindruck nicht herum, Schiessbuden erlebten eine Art Renaissance: Das Luftgewehr hat zwar fast ausgedient und das Werfen mit Bällen nach Büchsen ist auch etwas aus der Mode gekommen. Dafür locken jetzt Pfeil und Bogen oder Luftdruckpistolen. Jedenfalls reisst der Strom an Schiessfreudigen nicht ab. Die positiv beantwortete Frage «Wei mir mou?» läutet das Ganze ein. Die Preise sind fast dieselben geblieben. Je grösser das Stofftier, desto besser der Schütze. Verschwunden scheint lediglich die Rose, die früher von erfolgreichen Tellensöhnen an die Verehrte überreicht wurde. Die Zeiten ändern, die Chilbi bleibt.

Sperrstunde muss konsequent eingehalten sein

«Es läuft perfekt», sagt Chilbichef Christoph Koch am Samstagabend. Keine Schlägereien, keine gravierenden Verletzungen. Nur hin und wieder Beizer, die sich nicht an die Betriebszeiten halten und überhocken (lassen).

Eine Handvoll davon hats getroffen, von der Securitas nach der Sperrstunde fotografiert und dann dem Chilbichef gemeldet. Bei denen geht Koch am andern Morgen jeweils persönlich vorbei und mahnt zur Regeltreue. «Das geht sonst einfach nicht», sagt er. Und freut sich dann am riesigen Besucheraufmarsch. «Die Chilbi zieht einfach», meint er noch.