«Also, ich habe bereits die ersten Anfragen erhalten», sagt Christian Meyer von der Buchhandlung Klosterplatz schalkhaft. «Die grössten Fans haben telefonisch angekündigt, sie würden die Nacht auf heute Samstag vor dem Ladengeschäft verbringen, damit ihnen ja keines entgeht.»

Meyer lacht. Ja, wovon ist denn da die Rede? Genau, von den so genannten Sammelbildern des Tschuttiheftli, die ab Samstag in Verkauf gehen. Die darauf abgebildeten Stars der Fussball WM in Brasilien sind nicht etwa fotografiert, sondern gezeichnet, gemalt oder gar moduliert.

32 Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz, Deutschland, Spanien, England, Irland, Litauen Portugal und Brasilien wurden beauftragt, die Kicker wiederzugeben. «Es ist interessant zu sehen, wie andere Kulturen die Köpfe darstellen», sagt Meyer.

Eine Nische

Das Produkt hebt sich erfrischend von der üblichen Glamour- und Heroenwelt des Fussballs ab. Meyer vertreibt die Bildchen zum dritten Mal. Im Jahr 2010 hielten die Tschuttibildli, wie sie in eingeweihten Kreisen genannt werden, bei ihm erstmals Hof.

Und auch 2012, bei der EM in Polen und der Ukraine, spielte der Buchhändler mit. Auf die Idee hatte ihn seinerzeit ein Kunde gebracht, der im Geschäft danach fragte. Und weil Meyer eben ein alter Fussballspezi ist, aber von der Sphäre des Hochglanzbildes weniger angetan, hat er sich entschlossen, bei der kleinen – quasi alternativen – Aktion mitzumachen.

«Mir gefällt dabei halt die Verbindung von Fussball und Kultur», sagt er noch, der als Kind selbst Panini-Bildli gesammelt hat. «Klar war ich dabei», hält er wie selbstverständlich fest.

Zu den Tschuttibildern gibts natürlich auch ein Album (3 Franken). Und pro verkauftem Päckli à 1.50 Franken (10 Bildli) gehen 10 Rappen an Terre des hommes Schweiz. Auch ein Grund für Meyer, mitzumachen. 3000 Bildli hält er ab heute Samstag bereit; die Mindestmenge, die zu bestellen war, wer beim Vertrieb dabei sein wollte.

Zuversicht – aber immer

Ein Risiko? «Die letzten Bildli-Aktionen waren durchzogen», bilanziert der Buchhändler die Jahre 2010 und 2012. Aber Zuversicht ist der Antrieb eines jeden Gewerblers. «Ich ahne schon: Ich werde nachbestellen müssen», scherzt Meyer, der als einziger am Platz Olten die Bildli im Angebot führt.

Die Aktion dauert bis zum WM-Start im Juni und wohl noch einige Tage darüber hinaus.