Auszeichnung

Duo «schön & gut» wird mit Kabarett-Preis «Cornichon» ausgezeichnet

Nach über zehn Jahren auf der Bühne erhält das Duo «schön & gut» am 7.Mai in Olten den Schweizer Kabarett-Preis Cornichon. Das Credo der beiden Kabarettisten: «Wir möchten geistreiche Unterhaltung machen.»

Sie könnten direkt das Schweizer Pendant zu Peter Pan sein: Die Rede ist von Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter vom Kabarett-Duo schön&gut. Denn weder von Peter Pan noch von schön&gut hat sich die Kindheit richtig verabschiedet.

«Das Kabarett erlaubt uns, Kindliches zu bewahren. Vor einem Auftritt sage ich immer noch, dass ich spielen und nicht etwa arbeiten gehe», lächelt Schlatter. Und fürs Spielen wird das Duo nun sogar noch ausgezeichnet – nämlich mit dem Kabarett-Preis Cornichon 2014.

«Wir waren zu theatralisch»

Wie es zum Namen schön&gut kam, wisse er nicht mehr so genau, meint Schlatter. «Er sollte schlicht, einprägsam und mit einem Augenzwinkern versehen sein. Und ein wenig Selbstironie ist ja auch drin.» Die Ironie des Schicksals wiederum wollte es, dass der gebürtige Schaffhauser und die ursprüngliche Zürcherin über Umwege zum Kabarett gelangten.

Als sich die beiden 1997 kennenlernten, war Schlatter noch Student der Geschichte und Germanistik, Rickert an der Comart (Schule für Theater, Mime und Tanz) eingeschrieben.

Nachdem Schlatter 1999 mit Poetry-Slam die Bühne ebenfalls für sich entdeckt hatte, schnupperten sie kurz darauf im Rahmen gemeinsamer Slam-Auftritte zum ersten Mal als Duo Bühnenluft.

Doch schon bald machte sich Unzufriedenheit breit: «Wir waren zu theatralisch und wollten spielen, nicht nur den Text rezitieren», so Schlatter. Poetry Slam sei halt nicht das richtige Gefäss gewesen, blickt die 40-jährige Rickert zurück. Das war der Grund, weshalb das Duo bald zu neuen Ufern aufbrach: dem politisch-literarischen Kabarett.

Geschichten sind zentral

Dieses passt dafür wie angegossen: «Es ist perfekt, weil ich auf der Bühne mit der Sprache spielen und meine Meinung ungehindert äussern kann», schwärmt Schlatter. Rickert dagegen sieht den Reiz im Hinterfragen aktueller Geschehnisse. «Genügend Stoff ist jedenfalls vorhanden, denn das Leben ist immer noch das beste Theater.»

Sie erwähnt in diesem Zusammenhang gesellschaftliche und politische Themen, die es mit Fantasie in Geschichten zu übersetzen gilt – ein Knochenjob. «Es dauert, bis man die Story und einen roten Faden entwickelt hat», meint ihr Bühnenpartner dazu. Lohnen tut sich die Arbeit jedoch allemal: «Die Leute lieben Geschichten und wir erzählen sie ihnen», führt der 42 Jährige eine Besonderheit des Duos auf.

Offenheit und Neugierde nötig

Doch selbst wenn am Schluss alle Fäden der Story zusammenlaufen, können die Zuschauer keine ruhige Kugel schieben. «Möchte man den Inhalt verstehen, muss man zuhören und in der Geschichte mitwandern wollen», macht Rickert deutlich.

Sich auf die Fantasieebene einzulassen, gehöre ebenfalls dazu, schiebt Schlatter nach. Schön&gut bezeichnen zudem Offenheit und Neugierde als das A und O, um als Zuschauer auf seine Kosten zu kommen. Ganz schön hohe Anforderungen, nicht? «Wir möchten einfach geistreiche Unterhaltung machen», bringt er es auf den Punkt.

Und diese kann einem auch Mal auf den Geist gehen: So kommt im neuen Programm Schönmatt in einer Liedstrophe die Reproduktionsmedizin zur Sprache – ein heisses Eisen, wie Rickert zugibt: «Wir erhielten negatives Feedback, weil sich die Leute bei solchen Themen schnell persönlich betroffen fühlen.»

Tabus gibt es aber für das Duo nicht; es komme schlicht auf die Art und Weise an, wie man einen Sachverhalt behandelt, betont Schlatter. Was das Lied angeht, habe man in der Folge nochmals die darin ausgedrückte Haltung diskutiert. Und? «Wir stehen voll dahinter.»

Gleiches gilt für das ganze Stück Schönmatt, das vom Kabarettisten als die Quintessenz des bisherigen Schaffens und als Marke auf dem künstlerischen Weg bezeichnet wird. «Es ist unsere ironische Sicht auf die Schweiz», präzisiert Rickert.

Die Mischung machts

Ironie ist jedoch nur eine Zutat des Erfolgsrezepts von schön&gut – «die Mischung machts», meint Schlatter: «Klamauk und todernste Szenen, Politisches, Lieder, Poesie und Geschichten wechseln sich ab.»

Keinem Wechsel unterliegen indes die Figuren; die durch Rickert verkörperte Frau Gut und der von Schlatter gespielte Herr Schön sind fester Bestandteil aller Stücke. Wobei sich die beiden Kabarettisten unterschiedlich stark mit ihren Figuren identifizieren: Rickert weise aufgrund der schauspielerischen Ausbildung mehr Distanz zu ihnen auf, während er selbst sehr intuitiv in die Rolle des Herrn Schön geschlüpft sei, erklärt Schlatter. Dem kann seine Kollegin nur beipflichten: «Beide sind romantisch, zerbrechlich, vergeistigt, poetisch und manchmal nicht sehr im praktischen Leben verankert.»

«Laute und leise Töne»

In die Kabarett-Szene hingegen hat das Duo seinen Anker schon längst geworfen, was der Erhalt des Cornichon-Preises beweist. «Er ist eine Wertschätzung unserer Arbeit», sagt Rickert und ihr Bühnenpartner ergänzt: «Ich betrachte den Preis als Anerkennung für unsere Kontinuität und unseren Mut, in dieser schnelllebigen Zeit immer wieder dieselben Figuren und das gleiche Dorf als Schauplatz unserer Stücke zu bringen.»

Daneben ist diesen auch gemeinsam, dass sie berühren sollen. «Es gibt kein grösseres Geschenk als beim Publikum Emotionen auszulösen», beschreibt Rickert. Um dies zu erreichen und den Leuten die Augen zu öffnen, operierten sie mit einer feinen Klinge, so Schlatter – und prompt relativiert Rickert: «Es braucht gleichzeitig laute und leise Töne.» Dann ist alles gut – Pardon, schön&gut.

Meistgesehen

Artboard 1