«Wir nehmen alles mit, was sie nicht mehr brauchen», steht auf einem Flyer geschrieben, der Anfang Woche in die Oltner Briefkästen geflogen kam. «Sammlung!», prangert in Grossbuchstaben oben links. Daneben ist eine Telefonnummer, die mit +36 beginnt und uns zu einem ungarischen Mobiltelefon führt, wo zunächst keiner abnimmt.

«Fahrräder-VELO, die Sie nicht mehr benötigen oder nicht mehr funktionieren. Auch Ersatzteile aller Art für Fahrräder-VELO würden wir mitnehmen», heisst es. Doch nicht nur Velos. Weiter unten im Kleingedruckten ist zu lesen, dass sich die Ungarn unter anderem auch für «Nähmaschinen, Bedwasche, Gumireifen, Schilatten, Komputermaschine, grösse Ofen mit Kamin und Wellenreiterbrett» interessieren. Obwohl der Text mit «Bitte keine Spermüll oder Abfall!» endet, erinnert die Liste an eine private Sperrmüllaktion. Morgen Donnerstag zwischen 7 und 13 Uhr kommt das ungarische Räumkommando vorbei und holt die hinausgestellten Sachen ab, die mit dem Flyer gekennzeichnet sind.

Gauner oder Gutmensch?

Handelt es sich hierbei um einen Gauner? Ein Trickbetrüger, der unter einem Vorwand Gebrauchtgegenstände einsammelt, um diese dann später zu verkaufen? Beim ungarischen Mobiltelefon springt nach wie vor nur der Anrufbeantworter an.

Die Stadt Olten weiss nichts von der Sammelaktion. Dabei müsste sie diese eigentlich bewilligen. Auch die Polizei kann nicht einschätzen, ob es sich hierbei um einen Betrüger oder um eine seriöse Sammlung handelt. Astrid Bucher, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn, verweist auf einen Bundesgerichtsentscheid. Der besagt, dass alles, was auf dem Trottoir deponiert wird (Öffentlicher Grund) der Gemeinde gehört. Die Gemeinden verfügen über das Monopol zur Entsorgung von Siedlungsabfällen welches Aluminium, Glas, Blech, Textilien und Schuhe, Papier, Grüngut, Metall, Altöl und den Hauskehricht in allen Facetten umfasst.

Eine Stimme am anderen Ende

Endlich meldet sich eine männliche Stimme am anderen Ende der +36-Nummer. «Wir machen das alle drei bis vier Monate in unterschiedlichen Städten in der Schweiz und in Deutschland», sagt Babb Gyula in gebrochenem Deutsch. Er wohnt in Ungarn und will nach eigener Aussage die Sachen armen ungarischen Familien schenken. «Das ist Ungarn», sagt Gyula. Dass er nicht ohne Bewilligung einen Privatsperrmüll organisieren darf, scheint ihn nicht zu stören.