Es kommt nicht umhin, Klischees zu bedienen, wer aktuell über Arbeitende draussen schreibt. Tief in die Stirn gezogene Mützen, Halstücher, Arbeitshandschuhe über Thermohandschuhe gezogen, Thermounterwäsche am Leib und der unvermeidliche Werbeslogan einer beliebten Outdoorbekleidungsfirma: «Draussen zu Hause».

Draussen zu Hause

Eben: draussen zu Hause. Das trifft zumindest auf die beiden städtischen Werkhofmitarbeitenden Freddy Windisch und Philipp Matter zu. Derzeit schneiden sie die Linden am Amthausquai; bei beissender Bise und doch eher ungewöhnlich tiefen Temperaturen.

Noch immer gegen -6 Grad zeigt das Thermometer kurz nach 13.30 Uhr. «Das Wetter wär’ eigentlich nicht mal so übel», sagt Matter. Klarer Himmel. Sonnenschein. Aber der Wind sei extrem bissig und lasse die Kälte um ein Mehrfaches extremer erscheinen. Matter schützt sich mit betriebseigener Arbeitskleidung; ein Paar wärmende Handschuhe hält er bereit.

Seit zehn Jahren arbeitet er draussen, früher noch als Belader bei der Müllabfuhr. Was war angenehmer? Matter zuckt mit der Schulter. «Als Belader kommt noch der Fahrtwind hinzu», sagt er. Von getragener Thermounterwäsche weiss er zu berichten und dass man sich halt irgendwie warm halten müsse. Aber das sei bei der Arbeit ja nicht so ein unlösbares Problem, meint er gelassen.

Gar seit drei Jahrzehnten arbeitet sein Kompagnon Freddy Windisch draussen. Drei Mützen hat der Mann übergezogen, zwei Schals schützen seine Halspartie vor dem Luftzug in windiger Höhe und zwei Paar Handschuhe seine Hände. Denn Windisch kappt Äste. «Mit klammen Fingern ist das nicht so einfach», sagt er und zeigt eine Verletzung her. «Das ist schnell passiert, und mit guten Kleidungsstücken ist der Schutz eben doch ein besserer.»

Rückzug an die Windstille

Manche von ihnen würden auch warme Getränke mitnehmen, um sich gelegentlich aufzuwärmen, sagen Windisch und Matter unisono. Ab und an sich an etwas windstillere Orte zurückzuziehen, um sich zu retablieren, die Kleider zu richten, das liege auch drin. Das hat Thorsten Güllekes, Leiter der Stadtgärtnerei, ihnen auch so geraten. «Aber das ist halt individuell, das macht nicht jeder», sagt Windisch trocken.

Und schliesslich erlebt das Duo Matter/Windisch mitunter auch das Mitgefühl von Passanten: «Es kommt schon vor, dass sich jemand mit ‹dir arme Cheibe› äussert.» Ob ihnen dabei warm ums Herz würde? Das Duo lächelt.

Für Güllekes, seit drei Monaten im Amt, ist klar: «Unsere Leute werden bezüglich Wintertauglichkeit bestens ausgerüstet.» Vom Scheitel bis zur Sohle quasi. Er hat seine Männer auch auf die erhöhte Unfallgefahr aufmerksam gemacht, wenn dicke Kleidung und Kälte die Beweglichkeit einschränken. Zum Trost: «Männer vom Werkhof sind harte Kerle», sagt Güllekes.

Auch Maschinen reagieren bei diesen Temperaturen eher ungewohnt, verzögert. «Alles zusätzliches Gefahrenpotenzial», so Güllekes, der sich aber auch um die Bäume sorgt, vor allem die jungen. Hauptsächlich die drei bis fünfjährigen reagieren empfindlich auf grosse und plötzlich auftretende Temperatursprünge, wie sie derzeit drohen.

«Heute minus 10 Grad und in zwei Tagen plus 10 Grad. Das führt mitunter, auch bei intensiver Sonnenbestrahlung, zum Aufplatzen der Baumrinde. Durch die Lücken können Schädlinge und Pilze in die Pflanze eindringen», warnt Güllekes. Nicht umsonst sind die Stämme der Jungbäume vor Kälte und Frost durch Matten geschützt. So etwas wie die Schals für Werkhöfler.