Kappel

Dornen für die Überbauung Rose: Mit einer Sammeleinsprache wehrt man sich gegen den Abriss

Überbauung rose, kappel

Im Vordergrund der Ersatzbau Rose, welcher nach Ansicht der Bauherrschaft viele Elemente der jetzigen «Rose»-Liegenschaft übernimmt. Links die Baukörper, welche auf der ostseitigen Wiese zu stehen kommen sollen.

Überbauung rose, kappel

Die «Rose», die Dorfbeiz an Kappels Mittelgäustrasse, soll abgerissen werden – das gefällt nicht allen im Dorf.

Zwei Einsprachen beschäftigen derzeit die Bau- und Planungskommission Kappel. Die Einsprachen, davon eine Sammeleinsprache, wenden sich hauptsächlich gegen den Abriss der Dorfbeiz Rose, die einer gleichnamigen Überbauung weichen soll. Über die Einsprachen ist noch nicht befunden worden, wie Stefan Blatter, Präsident der örtlichen Bau- und Planungskommission, auf Anfrage bestätigt. «An der kommenden Sitzung vom 7. August wird die Überbauung aber wieder Thema sein», sagt er.

Die Liegenschaft Rose liegt in der Ortsbildschutzzone. Kappels Ortsbild ist gemäss kantonalem Richtplan eines von regionaler Bedeutung. Was aber bedeutet dies? «Der Ortsbildschutz bezweckt, das kulturelle Erbe in den Ortschaften zu erhalten, zu pflegen und sinnvoll zu nutzen. Der Kanton und die Gemeinden treffen entsprechende Massnahmen durch die Festlegung von Schutzzonen oder durch den Erlass von Schutzverfügungen.» Und: In Ortskernen und schützenswerten Baugruppen soll der Gestaltung und architektonischen Qualität von Neu-, Um- und Anbauten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der Bestand an kulturell und historisch wertvoller Bausubstanz sowie der besondere Charakter und die Identität des Ensembles sollen gewahrt bleiben.» So umschreibt das kantonale Amt für Raumplanung dessen Sinn. Was in der Ortsbildschutzzone steht, ist aber längst nicht denkmalgeschützt. Auch die «Rose» nicht.

Sanierung geprüft

Was aber soll nun auf dem Grundstück Rose realisiert werden? Im Ersatzbau Rose, quasi am jetzigen Standort des Restaurants, wird ein Gebäudekomplex mit ebenerdig grossem Gewerberaum entstehen, der gemäss Bauherrschaft etwa für die Einrichtung eines Einkaufsladens geeignet wäre. Zudem sind sechs Wohneinheiten zwischen 2½ und 5½ Zimmern vorgesehen. Auf der derzeit noch freien Wiese – östlich der jetzigen «Rose» gelegen – kommt zudem eine weitere Überbauung mit 14 Wohneinheiten zu stehen.

Gemäss Anita Bucher, Sprecherin der Bauherrschaft, sei zwischen Bauherrschaft und Gemeinde in mehreren Gesprächen definiert worden, was sich Gemeinde und Kanton von einem Ersatzbau der «Rose» wünschten. Noch im Februar dieses Jahres fand eine Begehung der Liegenschaft statt, an welcher neben der im Juni verstorbenen «Rose»-Wirtin Trudy Bloch auch Vertreter der Gemeinde, des Kantons und die Architekten eines möglichen Neubauprojekts teilnahmen. Auch der bauliche Zustand der «Rose» wurde logischerweise analysiert.

«Die Fassade wirkt zwar ausgezeichnet», räumt Bucher ein. Aber: Eine Sanierung des Gebäudes sei sorgfältig geprüft und als nicht sinnvoll bewertet worden. Bucher spricht von sehr hohen Investitionskosten, um allenfalls die «Rose» als Restaurant langfristig wieder etablieren zu können. Ebenso problematisch die Alternative: eine Umnutzung des jetzigen Gebäudes. Bucher spricht da spezifisch die ungünstige Raumverteilung an. Alles in allem kam man bezüglich einer Gebäudesanierung zum Schluss, die Hülle sei gemessen an heutigen Massstäben stark veraltet, das Mauerwerk nicht isoliert. Zudem fehle ein Unterdach. «Damit ist das Gebäude in seiner heutigen Form eine Energieschleuder», sagt Bucher. Abgesehen davon sei die Haustechnik veraltet und genüge heutigen Ansprüchen längst nicht mehr. Ebenfalls fehle die Rollstuhlgängigkeit.

Anlehnung an Bestehendes

Beim Ersatzprojekt habe die Bauherrschaft viele Elemente des Altbaus aufgenommen. Etwa das Sockelgeschoss, die dem Altbau nachempfundenen Sprossenfenster, die Fensterlaibung oder die offene Holzfassade. «Sie nimmt thematisch den abgebrannten Scheunenteil wieder auf», so Bucher. Bucher, Grosskind der letzten «Rose»-Wirtin, ist überzeugt, dass Trudy Bloch als dem Dorf verbundene echte Kappelerin das Projekt nie lanciert hätte, «wenn sie nicht aus tiefstem Herzen davon überzeugt gewesen wäre, dass dieser Neubau Kappel aufwertet und damit dem Dorf viel mehr bringt, als es dies in seiner heutigen Funktion als altes, geschlossenes Restaurant mit nebenliegender Brandruine tut.»

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