SRF-Sendung
Dominic Deville über Olten-Spezial: «Für die Sendung habe ich auch sehr, sehr viel positives Feedback erhalten»

Nach seiner Spezialsendung zu Olten, die viele Einheimische empört hat, entschuldigt sich Dominic Deville und äussert sich positiv über die Stadt. Der schlechte Ruf Oltens sei purer Neid.

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Dominic Deville in der Kirchgasse, während er von Stadtpräsident Martin Wey durch Olten geführt wird.

Dominic Deville in der Kirchgasse, während er von Stadtpräsident Martin Wey durch Olten geführt wird.

Screenshot SRF

Dominic Deville hat mit seiner Satiresendung mit dem Titel «Eine Liebeserklärung an Olten!» bei vielen Einheimischen für Entrüstung gesorgt. In Leserbriefen und in den Sozialen Medien bezeichneten Nutzerinnen und Nutzer die Sendung als «billige Satire» und kritisierten Dominic Deville dafür, ein schlechtes Licht auf die Stadt zu werfen. Im schriftlichen Interview reagiert der Satiriker nun auf die Vorwürfe und sagt, dass er die Stadt ins Herz geschlossen und er mit seiner Spezialsendung zu Olten einer der besten Zuschauerquoten erreicht hat.

Im Voraus versprachen Sie auf Social Media in Ihrer «Deville»-Spezialfolge mit Olten Frieden schliessen zu wollen. Sie betitelten die Sendung als «Liebeserklärung an Olten». Nun ist zumindest bei den Einheimischen das Gegenteil passiert. Was sagen Sie den Oltnerinnen und Oltnern, die nun beleidigt sind?

Dominic Deville: Es ist zutiefst menschlich, dass Liebe nicht immer auf Gegenliebe sondern auf Abweisung stösst. Da macht Olten anscheinend leider keine Ausnahme. Sehr schade. Fakt ist, dass ich Olten definitiv in mein Herz geschlossen habe. Und mit unserer Hymne habe ich ihm sogar ein Liebeslied gewidmet. Der Text scheint aber völlig verkannt. Ich hoffe trotzdem noch auf eine Rose von Olten und seinen Menschen!

Ist es ein Zeichen von guter Satire, wenn es vornehmlich negatives Feedback auslöst?

Welche Satire sprechen Sie damit an? Meine Sendung über Olten? Wohl kaum. Für die Sendung habe ich sehr, sehr viel positives Feedback und übrigens eine der besten Zuschauerquoten erhalten. Olten is back on the map! Ich finde, alleine dafür hätten wir eine Torte in Stadthausform verdient! Übrigens habe ich in der Oltner Facebook-Gruppe die Bewertungen zur Sendung pingelig nachgezählt und kam auf 133 Daumen nach oben gegen 147 Daumen nach unten. Also auch bei «Die hard»-Oltnerinnen und -Oltnern sind die Meinungen zur Sendung anscheinend ausgeglichen.

Eine sehr kontroverse Person, die in Ihrer Sendung behandelt wurde, war der «Blick»-Reporter Ralph Donghi. Ihm widmeten Sie fast einen Drittel der Sendezeit. Trotzdem wurde darüber im Netz fast gar nicht diskutiert. Warum haben Sie ihn ausgewählt?

Ich fand es wichtig, dass eine Region wie Olten darüber im Bilde ist, welche Köpfe das ganze Land tagtäglich über die Region Olten ins Bild setzt. Und das ist nun einmal besagter Herr, der mit seinen Artikeln Tausende erreicht. Dass man sich lieber darüber aufgeregt, wenn ein Satiriker wie ich einen eher harmlosen (aber lustigen!) Scherz über Oltner Glacéläden macht als über einen rasenden Reporter, der mit sehr unlauteren Methoden traumatisierte Menschen bedrängt, ist das traurig, aber halt auch wieder menschlich. Weil an einer Glacé leckt jeder einfach gerne. An Donghi eher weniger.

Stadtpräsident Martin Wey höchstpersönlich hat Sie in Olten herumgeführt. Welchen Eindruck haben Sie nun von Olten?

Wie bereits gesagt: Ich mag Olten. Wirklich. Und genau deshalb haben wir sehr viel Zeit und Mühe investiert, um die Stadt zu porträtieren und ihr damit zu huldigen. Und ich mag euren Stadtpräsidenten. Martin Wey ist einfach ein brillanter Erzähler und ein echter Olten-Lover. Mit jeder Faser. Das habe ich bei unserem Rundgang gespürt. Die CVP konnte ihm nichts anhaben. Bis jetzt!

Woher rührt aus Ihrer Sicht der schlechte Ruf der Stadt Olten?

Ich kann nur aus der Sicht eines Zürchers sprechen. Es ist purer Neid. Olten hat alles, was Zürich auch hat, aber hat es nicht nötig, ständig damit anzugeben. Einen grossartigen Bahnhof, einen herrlichen Fluss, eine historische Altstadt, Kultur und ein lebendiges Nachtleben sowie eine extra Portion «Dräck» inklusive. Aber vor allem ist es weder Zürich noch Bern. Weder Basel noch Luzern. Olten ist Olten. Punkt.

Zum Schluss: Möchten Sie sich bei den Oltnerinnen und Oltner, die Ihre «Deville»-Spezialfolge beleidigt hat, entschuldigen?

Ich entschuldige mich hiermit für meine vielleicht zu stürmischen Annäherungsversuche. Möchten sich jene Oltnerinnen und Oltner, die mich und meine Gefühle mit ihrer Rückweisung zutiefst verletzt haben, jetzt bitte, auch bei mir entschuldigen? Liebeskummer ist so brutal. Danke.

Pedro Lenz: «Ich habe Dominic Deville schon besser erlebt»

Wie ist die «Deville»-Spezialsendung bei Menschen angekommen, die sowohl etwas von Olten als auch etwas von Satire verstehen? Besonders lustig fanden sie es alle nicht. Schriftsteller Pedro Lenz, der in der Sendung von Dominic Deville unter anderem als «Gölä der Autoren» bezeichnet wurde, meint: «Es ist eine Satiresendung und in diesem Kontext muss man sie auch sehen.» Was man anschliessend aber lustig oder geistreich finde, liege im Ermessen der Zuschauer. Die Frage, ob er es denn lustig gefunden habe, beantwortet Lenz mit einem simplen: «Ich habe Dominic Deville schon besser erlebt.»
Diesem Urteil schliesst sich auch der künstlerische Leiter der Oltner Kabarett-Tage, Rainer von Arx, an. Ihm sei die Sendung zu flach gewesen. «Das Problem ist nicht, dass wir Oltnerinnen und Oltner nicht über uns lachen können», betont er. Die behandelten Themen seien aber zu oberflächlich gewählt worden. Da biete Olten satirisch spannendere oder politisch relevantere Themen.
Claude Schoch, der ehemalige Gesamtleiter der Oltner Kabarett-Tage, hat die Spezialfolge nicht gesehen. «Ich weigere mich, diese Sendung zu schauen», sagt er entschieden. «Das hat für mich nichts mehr mit Satire zu tun.» Die Witze seien flach und gingen immer auf Kosten von bestimmten Personen. Dominic Deville könne sehr wohl lustig sein, das habe er vor ein paar Jahren an den Oltner Kabarett-Tage bewiesen, als er mit seinem Programm «Kinderschreck» aufgetreten ist. «Seine Late-Night-Show ist mir aber zu platt.» (rer)