Betreutes Alter

Dolcefarniente mit Familienanschluss

Nach bitteren Schicksalsschlägen suchte der Oltner Rentner Toni Eglin einen Tapetenwechsel und buchte zweieinhalb Monate betreutes Wohnen in Thailand. Er ist begeistert.

Toni Eglin kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Der 76-Jährige blättert auf dem iPad mit seinen noch immer braun gebrannten Fingern durch die Fotos. Er zeigt etwa Bilder vom palmen- und piniengesäumten Sandstrand in Hua Hin und blüht richtiggehend auf. «Hier bin ich stundenlang entlangspaziert», sagt er und zeichnet mit dem Finger seinen Weg nach. «Ich bin total zur Ruhe gekommen.»

Genau das suchte der Rentner: Zeit, Ruhe, Distanz. Bittere Schicksalsschläge, allen voran der Tod seiner lieben Frau, mit der er 48 Jahre verheiratet war und die er zwei Jahre lang gepflegt hatte, sowie seine drei heiklen Bauchoperationen lösten in ihm den Wunsch aus, der gewohnten Umgebung zu entfliehen. «Ich wollte einfach nur noch weg», erzählt er. Da Toni Eglin Thailand von früheren Reisen her kannte, stand das südostasiatische Land für ihn schnell einmal als Wunschdestination fest.

«Im Internet habe ich deshalb nach Möglichkeiten für eine Auszeit in Thailand gesucht», erzählt der Oltner. Im Netz stiess er auf das Unternehmen Prosana Asia, das Rentner aus europäischen Ländern vor Ort nach verschiedenen Dienstleistungsmodellen betreut. Geschäftsführer von Prosana ist der Schweizer Hans Hufschmid, der mit einer Thailänderin eine Familie gegründet hat und seit fünf Jahren dort lebt.

Toni Eglin fackelte nicht lange und buchte nach einer Besprechung mit einem Prosana-Vertreter in der Schweiz zweieinhalb Monate betreutes Wohnen in Thailand, genauer in Hua Hin, nahe Bangkok. Im Angebot enthalten: Vollpension, alle Hausarbeiten sowie diverse Exkursionen. Eglin benötigte keine zusätzliche medizinische oder pflegerische Betreuung. Die Kosten für den Thailand-Trip beliefen sich auf 7000 Franken, exklusive Flug, wie der Rentner berichtet.

Nur eine Ananas dazu

Mit diesem Beitrag sei praktisch der ganze Aufenthalt abgedeckt gewesen. «Am Strand habe ich mir jeweils eine halbe Ananas gegönnt – für 30 Rappen. Viel mehr ist nicht dazugekommen», sagt Toni Eglin.

Toni Eglin profitierte vor allem von der Vollpension und «dem Familienanschluss», wie er es nennt. Er spricht damit auf die Familie von Geschäftsführer Hans Hufschmid und die anderen drei Prosana-Gäste an. «Wir haben fast immer gemeinsam gegessen und auch Ausflüge unternommen», erzählt der Oltner. «Die zwei Kinder von Hans und seiner Frau waren viel um uns herum.» Die Familie Hufschmid ist ihm in den zweieinhalb Monaten ans Herz gewachsen. Auch sonst war er mit der Betreuung mehr als zufrieden.

Was hält Toni Eglin denn davon, demenzkranke und pflegebedürftige Leute in Thailand unterzubringen? Ein Thema, das brandaktuell ist, wurde doch gerade erst kürzlich publik, dass Kantone und Gemeinden Interesse an günstiger Betreuung im Ausland bekunden. «Ich finde diese Idee absolut unterstützenswert», sagt der Oltner Rentner. «Die Betreuung, so wie ich sie in Thailand erfahren habe, ist einwandfrei. Und finanziell kommt es natürlich viel günstiger im Vergleich zu Pflegeplätzen in der Schweiz. Zudem ist das Klima absolut genial.»

Keine Abschiebung, sondern Umsorgung

Während Toni Eglins Aufenthalt in Hua Hin war auch eine demenzkranke Frau aus der Schweiz vor Ort. «Sie wurde rund um die Uhr betreut. Eine einheimische Pflegerin übernachtete gar jeweils bei der Frau», schildert der Oltner seine Beobachtungen.

Die demenzkranke Frau wurde von ihrer Tochter nach Thailand gebracht. Innerhalb der Familie gab es dazu auch kritische Meinungen, wie Toni Eglin weiss. «Nicht alle waren dafür, dass die Frau in Thailand gepflegt werden soll», berichtet er. Der Begriff Abschiebung sei in diesem Zusammenhang auch gefallen. Dem Thailandfan aus Olten jedoch gefällt diese Bezeichnung gar nicht: «Das hat doch nichts mit Abschieben zu tun, solange die Menschen nicht dazu gezwungen werden. Die Frau wird in Thailand bestens versorgt und ist zufrieden», urteilt Toni Eglin.

Der gebürtige Baselbieter will auch in diesem Winter wieder von der «super Betreuung» in Thailand Gebrauch machen. Bereits hat der 76-Jährige einen weiteren Aufenthalt in Hua Hin gebucht – diesmal für vier Monate. Im Dezember geht sein Flug. Er kanns kaum erwarten.

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