Die Stadt hat im Jahr 2012 die Anlegestelle des Oltner Ruderclubs für 770 000 Franken saniert. Schon damals wurde im Parlament festgehalten, dass der Ruderclub sich danach eine gewisse öffentliche Nutzung des hübschen Rasenplatzes unterhalb der Bahnhofbrücke vorstellen könnte.

Der damalige Baudirektor Martin Wey hielt an der Parlamentssitzung im Dezember 2011 fest, dass der Stadtrat ganz klar der Meinung sei, dass mit dieser Uferschutzbefestigung die Sache nicht erledigt sei, «sondern man die Zugänglichkeiten dort herstellen muss». «Ich darf auch sagen, dass wir mit dem Ruderclub Kontakt aufgenommen haben und dort diesbezüglich durchaus diese Öffentlichkeit hergestellt werden kann.»

Im Jahr 2017 ist der öffentliche Zugang noch immer nicht realisiert. Das hat die SP-Fraktion dazu bewogen, ein Postulat mit genau diesem Anliegen einzureichen. «In Anbetracht, dass die Anlagestelle einer der wenigen Orte darstellt, an dem man direkt an die Aare gelangt und dass damals ein privater Verein mit einer nicht unwesentlichen Summe unterstützt worden ist, rechtfertigt sich ein erneuter Versuch, diesen Ort öffentlich zugängig zu machen.»

Erstunterzeichner Dieter Ulrich betonte in der Sitzung vom Donnerstagabend, dass die Stadt zwar mehrere Hunderttausend Franken investiert hätte, aber handkehrum kein Nutzungsrecht verlangte – im Gegensatz etwa zum Podest bei der Stadtkirche. Er verlangte, dass der Zugang mit möglichst einfachen Mitteln herzustellen sei: Die vorhandene Kette müsse entfernt, ein Schild «Betreten auf eigene Gefahr» aufgestellt und ein Abfallkübel hingestellt werden. Ulrich erhielt Zuspruch von anderen Fraktionen.

«2011 hat das Parlament der Sanierung einstimmig zugestimmt und der Stadtrat hatte versprochen, das etwas geht», sagte CVP/EVP/GLP-Sprecher Marcel Steffen. Grüne-Sprecherin Myriam Frey sekundierte: «Je früher dort ein öffentlicher Zugang entsteht, desto besser.» Auch der Stadtrat war für eine Überweisung und hielt in seiner Vorstoss-Antwort fest, dass sich «der Ruderclub bis heute nicht gegen eine massvolle Nutzung der im Eigentum der Stadt stehenden Uferparzelle wehrt». Nur die SVP stimmte vergeblich gegen das Postulat, welches mit grossem Mehr überwiesen wurde.

Eine Nachfrage beim Ruderclub zeigt allerdings, dass dieser keineswegs für einen öffentlichen Zugang zu haben ist. «Wir haben grosse Bedenken und viele offene Fragen», erklärt der neue Präsident Roland Hahn auf Anfrage dieser Zeitung. Der Ruderclub befürchtet einen zweiten Ländiweg und damit einhergehende negative Erscheinungen wie Littering, Vandalismus oder Beeinträchtigungen der Sicherheit. Bereits heute seien manchmal bis zu zehn Leute auf dem Uferplatz am Sünnele. Diese wegzuschicken, wenn die Ruderer den Platz zum Wenden der Boote bräuchten, sei bislang kein Problem gewesen. Falls nun aber plötzlich 50 Leute den Rasenplatz in Beschlag nehmen würden, sähe es anders aus. Der Ruderclub hat einen Baurechtsvertrag mit Stadt bis 2057, in dem kein öffentlicher Zugang vorgesehen ist.

Hat der Stadtrat die Sache also zuwenig genau abgeklärt? Baudirektor Thomas Marbet sagt auf Anfrage: «Dass es Bedenken vonseiten des Ruderclubs gibt, war auch dem Stadtrat bekannt.» Direkt mit der Ruderclub gesprochen hat allerdings die Abteilung Tiefbau, kein Stadtratsmitglied. «Wir müssen nun sicher nochmals das Gespräch mit der neuen Club-Führung suchen.» Marbet geht davon aus, dass eine Lösung möglich ist, mit der beide Seiten leben können.