BBZ Olten
Diskussionen über Brady Dougan und die Putzfrau bestimmten das Podium

Am Mittwoch fand in der Aula des BBZ für die Schüler ein Podium zur «1:12-Initiative» statt. Diverse Befürworter- und Gegnerparteien waren vertreten: Die Junge SVP und die FDP auf der Befürworter-, die Juso und die SP auf der Gegnerseite.

Fabian Jäggi
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Die Aula des BBZ Olten war gut besucht und gegen Ende des Podiums hatte plötzlich fast jeder eine Frage an die Referenten. HR. Aeschbacher

Die Aula des BBZ Olten war gut besucht und gegen Ende des Podiums hatte plötzlich fast jeder eine Frage an die Referenten. HR. Aeschbacher

HR.Aeschbacher

Am Podium zur «1:12-Initiative» nahmen Vertreter von diversen Parteien teil: Auf der Befürworterseite waren Juso-Gemeinderat Matthias Enggist aus Lohn-Ammansegg und SP-Nationalrat Philipp Hadorn aus Gerlafingen. Die Gegner vertraten die Oltner Philippe Ruf von der jungen SVP sowie der Direktor der Solothurner Handelskammer und FDP-Gemeinderat Daniel Probst. Als neutraler Moderator fungierte Christian von Arx, Redaktor beim «Oltner Tagblatt».

Ein lauter Zwischenruf eines Lehrers sorgte für Ruhe im Saal. Nach einer kurzen Begrüssung folgte eine Vorstellungsrunde der einzelnen Diskutanten. Matthias Enggist witzelt: «Ich freue mich vor jungen Leuten zu reden, normalerweise ist das Durschnittsalter derer, vor denen ich spreche etwa 50».

Von Arx beginnt mit der ersten Frage an die Befürworter, warum denn die Initiative ins Leben gerufen wurde. Matthias Enggist antwortet: «Die Gründe sind nicht aus der Luft gegriffen, die Löhne der oberen Manager sind explodiert. In den 80ern betrug das Verhältnis 1:6, in den 90ern 1:13 und heute 1:40. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit: Niemand soll in einem Monat mehr verdienen als ein anderer in einem Jahr». Das Publikum zollt Enggist dafür einen Applaus. Nach Beispielen gefragt, zählt der Jungsozialist diverse bekannte Namen auf: «Etwa Brady Dougan: 2010 erhielt er 90 Millionen Franken von der Credit Suisse. Das ist eine Lohnspanne von 1:1 800».

Lohnexzesse in Solothurn?

Nationalrat Philipp Hadorn wisse von niemandem: «Soviel ich weiss gibt es in Solothurn niemanden, der 1:12 überschreitet. Ich kenne aber nur die reine Lohnsumme, nicht alle Zuwendungen. Ein Beispiel waren aber etwa die Kaderlöhne der Solothurner Spitäler AG, das finden wir in Solothurn skandalös».

Auch bei den Gegnern weiss man nichts von Exzessen in Solothurn, erwidert Daniel Probst: «Es werden viele Zahlen genannt. Diese Löhne betreffen aber nicht nur Führungskräfte, sondern auch gute Fachkräfte und die wollen ihr Geld. Ich kenne in Solothurn kein Unternehmen, welches die Spanne überschreitet. Ich habe aber von Familienunternehmen gehört, welche auch ‹1:10 000› aus Prinzip ablehnen würden».

Philippe Ruf wird gefragt, ob bei ihm als Vermögensverwalter «1:12» eingehalten werde. Er entgegnet: «Ja und nein. Die Gründer des Unternehmens, für welches ich arbeite, haben keine Löhne über 200 000 Franken. Die Zusatzsaläre sind jedoch grösser. Wir sind in 16 Ländern tätig. Würde die Initiative angenommen, macht man einen anderen Vertrag in einem anderen Land und zahlt so den Lohn. Novartis könnte einen Schritt über die Grenze machen, dann haben sie einen Vertrag». Die Stimmung im Saal wird etwas unruhig: Das Publikum diskutiert die Umgehungsmöglichkeiten, von denen Ruf spricht.

Spannende Fragen von Schülern

Daniel Probst wird gefragt, was denn seine Pläne seien. Die Lohnexzess-Problematik existiere ja und die «1:12-Initiative» sei bekanntlich der falsche Plan. Probst antwortet: «Mit 1:12 werden die Höchstlöhne nicht begrenzt. Das einzig Positive ist, dass eine Diskussion darüber angeregt wird. Aber bei jedem Thema gleich ein Gesetz machen, welches wahrscheinlich einer Idee an einem ‹lässigen› Abend entstammt, finde ich übertrieben».

Eine weitere Frage geht an Philippe Ruf: «Herr Ruf, die SVP ist eine Volkspartei. Warum sind sie dagegen? Warum ist die SVP für die Wirtschaft statt fürs Volk?» Ruf korrigiert: «Bei einer Annahme folgen Steuerausfälle, welche uns alle betreffen. Wenn dann Firmen wie Novartis abwandern, gehen Stellen verloren». Nun wird Juso-Exponent Enggist gefragt: «Ist es gerecht, wenn der Staat sich so in die Lohnpolitik eines Unternehmens einmischt?». Der 20-jährige bejaht: «In den letzten Jahren hat es so nicht mehr geklappt, deshalb ja. Ausserdem wird kein Unternehmen vom Staat gezwungen, sondern von uns, dem Volk». Philipp Hadorn stimmt zu: «‹1:12› ist so eine grosse Bandbreite, wo ist das Problem?»

Daniel Probst entgegnet: «Es funktioniert bei 99,7 Prozent, brauchen wir deswegen wirklich eine Beschränkung für alle? Wenn jemand ein ‹zu grosses› Haus baut, machen wir auch kein Gesetz, welches nur noch 20 Quadratmeter Wohnfläche pro Person festlegt. Aber genau solche Ideen gibt es bei der Juso».

Eine weitere Frage dreht sich um die unteren Löhne. «Warum soll eine Putzfrau 6 000 Franken verdienen, wenn sie keine Ausbildung hat? Für mich ist eine gute Ausbildung mehr als ‹1:12› wert». Enggist verneint abermals: «Wir haben wohl andere Auffassungen von Gerechtigkeit. Ich finde das zu wenig Wertschätzung für die Putzfrau».

Zuletzt bekommt jeder der vier Diskutanten eine Gelegenheit für ein Schlussstatement. Für das Publikum am erheiterndsten waren die Worte von Philippe Ruf: «Ich fände es lustig zu sehen was bei einer Annahme alles passieren würde. Der Platzwart vom FC Basel würde dann wohl plötzlich 200 000 Franken verdienen».