Olten

Digitalisierungsprojekt erhält grünes Licht – wenn auch nur kanpp

Die Vorlage Suisse Alpine 2020 stiess im Stadttheater nicht auf einhellige Zustimmung.

Die Vorlage Suisse Alpine 2020 stiess im Stadttheater nicht auf einhellige Zustimmung.

Der Schweizer Alpen-Club setzt am Gründungsort einen weiteren Markstein. Das Projekt Suisse Alpine 2020 kommt.

Die Abgeordnetenversammlung des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) gab am Samstag in Olten den Startschuss für Suisse Alpine 2020. Der vorgeschlagene Weg ins digitale Zeitalter fand jedoch nur eine relativ knappe Mehrheit.

Stadtpräsident Martin Wey und Stefan Goerre, Präsident der SAC-Sektion Olten, begrüssten etwas mehr als 200 Delegierte und Gäste im Stadttheater. Speziell willkommen hiess Zentralpräsidentin Françoise Jacquet die Präsidentin der Sektion Drei Tannen, Marie-Theres Gubler. Diese nahm zum letzten Mal an einer Abgeordnetenversammlung teil, weil ihre Sektion auf Anfang 2017 die Fusion mit der Sektion Olten beschlossen hatte. Der Gründungsort, an dem 1863 der Weg zum heute fast 150 000 Mitglieder starken Bergsportverband seinen Anfang nahm, war auch diesmal für eine historische Duftnote besorgt. Nach einer langen, aber sachlichen Diskussion nahm die heftig umstrittene Vorlage Suisse Alpine 2020, welche die Digitalisierung der Führerliteratur und eine innovative Tourenplattform vorsieht, die Hürde des Souveräns. Die Kosten von 7,8 Mio. Franken und das technisch ehrgeizige Projekt an sich hatten fünf grosse Sektionen auf den Plan gerufen. In der Variantenabstimmung obsiegte der Antrag des Zentralvorstands pro Suisse Alpine 2020 mit 101:77 Stimmen. Der Gegenvorschlag der fünf Sektionen unterlag mit 81:91 Stimmen.

2,7 Mio. vom Seco garantiert

Dominik Meyer (Sektion Rossberg) erklärte, dass die Gegner mit der Zielsetzung, aber nicht mit dem aufgezeigten Weg einverstanden seien. Das Vorhaben, mit etablierten Autoren 10 000 Routen für Hochtouren, Alpinwandern, Klettern, Ski- und Schneeschuhtouren aufzubereiten, sei veraltet. «Wikipedia statt Lexikon», empfahl der gebürtige Oltner: Es gelte, die Nutzer in die Aufbauphase einzubeziehen und mehr auf Interaktivität zu setzen. Der SAC solle sich auf die Qualitätskontrolle beschränken. Suisse Alpine 2020 stelle ein Klumpenrisiko dar, das an gescheiterte IT-Projekte erinnere und den SAC auch angesichts der Vermögenslage (9,2 Mio. Franken) überfordere, sagte der Wirtschaftsprüfer. Die Opposition verlangte wegen der ihrer Meinung nach immer noch ungenügenden Entscheidungsgrundlagen die Rückweisung des 2013 lancierten Projekts und einen neuen Anlauf bis in einem Jahr.

Da der Konkurs zweier Firmen die SAC-Website beeinträchtigt hatte und Informatikkosten von total gegen 10 Mio. Franken in den nächsten drei Jahren ins Haus stehen, hatte der Zentralvorstand keinen leichten Stand. Er konnte jedoch für die Mehrheit plausibel machen, dass der SAC mit einem strategisch wichtigen und innovativen Projekt seine Themenführerschaft gegenüber digitaler Konkurrenz erhalten und auch den SAC-Verlag wieder auf finanziellen Erfolgskurs bringen könne. Starkes Gewicht hatte das Argument, dass die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gewährleistete Anschubfinanzierung von fast 2,7 Mio. Franken nur dann zur Auszahlung gelangt, wenn die Realisierung von Suisse Alpine 2020 in Olten beschlossen wird. Damit reduziert sich das Investitionsvolumen für den SAC auf 5,131 Mio. Franken, von denen vorerst 3,9 Mio. in Olten bewilligt wurden.

Suisse Alpine 2020 rechnet im Vollbetrieb mit Kosten von rund einer Million Franken, von denen etwas mehr als die Hälfte über Abo-Einnahmen finanziert sein sollen.

Meistgesehen

Artboard 1