Tag der offenen Gartentüre

Dieses Oltner Ehepaar hat einen Garten Eden geschaffen

Das Ehepaar Begert hat im Meierhof einen parkähnlichen Garten geschaffen. Heute am Tag der offenen Gartentüren kann dieser zwischen 9.30 und 12 Uhr besichtigt werden.

Wenn der Garten der Spiegel der Seele ist, wie manche sagen, dann treffen auf Rose Marie (71) und Rinaldo Begert (75) folgende Adjektive zu: weitherzig, liebevoll, kenntnisreich, grosszügig, tolerant, naturverbunden – die Liste liesse sich fortsetzen. Seit bald vier Jahrzehnten bewirtschaftet das Ehepaar den Garten der Häuser 4 und 2 «Im Meierhof» in Olten. Wobei «Garten» eigentlich zu bescheiden ist – das vielfältige Gelände rund um die Genossenschaftsblöcke erinnert eher an einen Park oder einen englischen Landschaftsgarten. Wie viele Quadratmeter? «Das wissen wir nicht genau», sagt Rose Marie Begert lachend, «ich könnte es nachschauen», ergänzt Rinaldo Begert. Aber nein, so wichtig ist die Zahl nicht, machen wir doch lieber einen Rundgang.

Wir starten bei einer blühenden Mischhecke entlang des Waschplatzes. «Als wir das Gärtneramt damals übernahmen, gab es ausser Berberitzen praktisch nichts», erzählt Rinaldo Begert. Das Ehepaar entfernte die einfallslosen Pflanzen und ersetzte sie mit einheimischen Sträuchern – Hasel, Weiss- und Schwarzdorn, Feldahorn, Holunder, Liguster und vor allem wilde Rosen. Zur Zeit stehen die Multiflora (Büschel-Rosen) in voller Pracht, ihre langen Triebe umranken das Grün der Sträucher wie Perlenketten und schmücken es mit ihren dichten, weissen Blüten. In einem Weissdornstrauch prangt eine andere Wildrose: Rosa canina, auch Hundsrose genannt. «Schauen Sie», sagt Rinaldo Begert und fingert behutsam an einer der fünfblättrigen Blüten, «im Innern hat die Canina ein goldenes Herz.» Liebevoll ruhen seine Augen auf dem satt-gelben Fruchtknoten. Rose Marie Begert schmunzelt: «Gell, Rosen sind deine grosse Leidenschaft.»

In 14 Tagen ist die Rosenblütenpracht vorbei, danach übernehmen die Amseln, die sich an den Hagebutten gütlich tun und die Samen in alle Winkel des Geländes tragen. «Vögel sind die besten Förster», meint Rinaldo Begert, der früher Ornithologie-Exkursionen geleitet hat. «Was sie säen, lassen wir erst einmal wild wachsen.» Schneiden oder ausreissen könne man später immer noch.

Wir gehen weiter und kommen zu einem Spielplatz und einer grossen Holzhütte. Dahinter erstreckt sich – unerwartet für eine Siedlung – eine richtige Hoschtet mit diversen Apfelbäumen, dazu Kirsche, Birne, Zwetschgen und Quitte, auch ein Nussbaum fehlt nicht. «Die Bäume sind beliebte Schattenspender, wenn die Leute im Sommer draussen sitzen oder die Kinder im Sandkasten spielen», erzählt Rose Marie Begert. Wie handhaben sie die Ernte der Früchte? «Oh, ganz unkompliziert», erklärt sie: Viele der über 100 Familien seien dankbare Abnehmer, manche legten auch selber Hand an und pflückten, was sie brauchten.

Überraschung an Überraschung

Mit jedem Schritt auf dem grosszügigen Gelände offenbart der Garten weitere Überraschungen: ein von Rose Marie Begert eingerichtetes Wildbienenhaus, dessen weiss gefärbte Öffnungen darauf hindeuten, dass es bewohnt ist; diverse Hochbeete an der Grundstücksgrenze, wo die Gärtnerin Blumen und Kräuter heranzieht; sechs holzgerahmte Kompostkammern, die Rinaldo Begert für den grossen Eigenbedarf an Kompost vor kurzem erneuern liess; zwischen den Holundersträuchern grosse Asthaufen für die Igel, dahinter Drahtkörbe mit altem Holz für Käfer und Fledermäuse. Und vor allem: immer wieder neue Blumen und Pflanzen, zu denen die Eheleute etwas zu erzählen haben. Dass die Karde-Distel zu Unrecht verpönt sei, denn sie blühe spektakulär; dass man von Ringelblumen eine wunderbare Pomade herstellen könne; dass der Gebrauch von Unkrautvertilger ihnen weh tue.
Ist den beiden dieser riesige Garten nie zu viel geworden? Nie über den Kopf gewachsen? Rinaldo und Rose Marie Begert schauen einander an. «Es ist schon viel Arbeit», sagen sie unisono. «Aber wir konnten hier etwas Eigenes gestalten. Das hält die Seele jung und gesund.»

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