Kein Kontrollschild, Staub auf Fenstern und Carrosserie, drei von vier Reifen ohne Luft: Der Halter des dunkelgrauen Peugeot 207 SW im 3. Stock des Parkhauses des Kantonsspitals Olten ist wohl nicht nur schnell auf Krankenbesuch. Ein indiskreter Blick ins Wageninnere lässt eher an Hape Kerkeling denken: «Ich bin dann mal weg.» Auffällig sind Totenkopf-Bezüge auf den vorderen Sitzen, orangefarbene Arbeitshosen und ein Kindersitz auf der Rückbank. Auf der Heckscheibe hat jemand mit dem Finger eine vielsagende Botschaft in den Staub geschrieben: «Der Richter sagt HAFT – HA HA!!»

Tatsächlich steht der Peugeot schon seit Dezember 2013 verlassen im Parkhaus. Er beschäftigt inzwischen das Bau- und Justizdepartement des Kantons Solothurn. Für dieses handelt es sich um ein «widerrechtlich abgelagertes Fahrzeug». Da der letzte Halter zwar namentlich bekannt, aber nicht auffindbar ist, hat das Departement im Amtsblatt von letzter Woche eine Verfügung publiziert: Ein gewisser «Flückiger Thomas, unbekannten Aufenthalts» hat das Altfahrzeug bis zum 23. Oktober «der Verwertung und Beseitigung zuzuführen», heisst es da. Tut er das nicht, entsorgt der Kanton das Auto auf Kosten des Halters und droht diesem auch noch eine Strafanzeige an. Allein für den Erlass dieser Verfügung wird dem Halter eine Gebühr von 150 Franken aufgebrummt, – sofern er je wieder auftauchen sollte.

Reparieren oder verschrotten

«Auf die Veröffentlichung im Amtsblatt reagiert praktisch nie jemand», erklärt Richard Schild auf Anfrage trocken. «Wer liest schon das Amtsblatt?» Schild arbeitet im kantonalen Amt für Umwelt (AfU) im Bereich Abfallwirtschaft und ist dort unter anderem für die Entsorgung von ausgedienten Fahrzeugen zuständig. Meldet sich auf den öffentlichen Aufruf niemand, kümmert er sich um die Räumung. Lässt sich ein Auto mit geringem Aufwand reparieren, wird es einem Händler überlassen, wobei das Amt keinen Gewinn machen darf. Der Händler hat dem AfU eine Bestätigung zukommen zu lassen, dass das Fahrzeug wieder fahrtüchtig ist.

Oft haben die Fahrzeuge jedoch eingeschlagene Scheiben, sind durchgerostet oder haben Motorenschaden. Dann bleibt nur noch die Beseitigung durch einen anerkannten Autoentsorger, der über eine Betriebsbewilligung des Kantons verfügt.

«Im Durchschnitt behandle ich etwa jede Arbeitswoche einen Fall von ausgedienten Autos», berichtet Richard Schild. Seine Statistik sagt: In den drei Jahren von 2012 bis 2014 waren es total 120 Fälle, also 40 pro Jahr. Die Namen der letzten Eigentümer werden zwar meistens herausgefunden, aber in 40 bis 50 Prozent der Fälle seien diese Fahrzeughalter unauffindbar – eben «unbekannten Aufenthalts».

Ordnung dank Verordnung

Exakt für solche Fälle hat der Regierungsrat eine spezielle Rechtsgrundlage erlassen: die «Verordnung über die Lagerung und Beseitigung von ausgedienten Fahrzeugen» vom 9. November 1993. Diese bestimmt als Grundsatz: «Die Inhaber von ausgedienten Fahrzeugen sind verpflichtet, diese auf eigene Kosten der Verwertung und Beseitigung zuzuführen.» Altautos dürfen auch auf privatem Grund nicht einfach stehengelassen werden. Weiter heisst es in der Verordnung: «Als Inhaber gilt im Zweifelsfalle der letzte Halter eines Fahrzeuges. Kann dieser nicht ermittelt werden, sorgt das Amt für Umwelt für die Beseitigung des Fahrzeuges.»

Der letzte Kolbenschlag

Just diese «amtliche Beseitigung» steht nun dem grauen Peugeot 207 bevor, der seit bald zwei Jahren keinen Zündschlüssel mehr gespürt hat und im Parkhaus des Kantonsspitals Olten Staub ansetzt. Es sei denn, der «französisch» verschwundene Inhaber möchte seine Bagnole in den nächsten zwei Wochen plötzlich doch noch zurückhaben.