Olten

Dieser begeisterte Modelleisenbähnler machte sein Hobby zum Beruf

Markus Heim in seinem Laden an der Aarauerstrasse 44, in dem er Modelleisenbahnen und Zubehör verschiedener Marken anbietet.

Markus Heim in seinem Laden an der Aarauerstrasse 44, in dem er Modelleisenbahnen und Zubehör verschiedener Marken anbietet.

Markus Heim hat das Modelleisenbähnlen zum Beruf gemacht und führt einen Laden im Oltner Bifangquartier.

Etwas unscheinbar wirkt der Laden Hema Modelleisenbahn an der Alten Aarauerstrasse in Olten. Im Schaufenster sind diverse Modelle verpackt ausgestellt. Eine Visitenkarte zeigt die Angaben zu Öffnungszeiten und Betreiber. Hinter der Eingangstüre öffnet sich aber eine Welt, die das Herz eines jeden Modelleisenbähnlers höherschlagen lässt: Triebwägen, Züge, Schienen und Zubehör wie Häuser oder Bäume. Diese Ware unterschiedlicher Marken bietet Markus Heim fein säuberlich aufgereiht im Lokal an.

Allerdings ist es das Hobby einer aussterbenden Sorte Mensch: «Es ist eine tolles Beschäftigung für Jung und Alt, die auch technisch herausfordert. Leider beginnen heute nur noch wenige Junge mit dem Modelleisenbähnlen», sagt Heim. Früher hätten die Eltern ihrem vor allem männlichen Nachwuchs eine Startpackung einer «Märklin» gekauft – der berühmtesten Marke, die auch unter Laien bekannt ist. Heute ist das anders. Kein Wunder geht der Umsatz in der Branche zurück: So musste beispielsweise der Schweizer Marktleader Märklin schon einmal Konkurs anmelden.

Er sieht sich immer noch als Händler

Auch dem 47-jährigen Ladenbetreiber wurde das Hobby nicht in die Wiege gelegt. Erst spät und auf eigenen Antrieb hat er begonnen, sich für Spurweiten, Wechsel- oder Gleichstrom zu interessieren. Zuerst mit Lego angefangen, dann zu Modellflug gewechselt, beschäftigte sich Heim ab seinen frühen Zwanzigern mit der Leidenschaft, die bis heute anhält. Eine Anlage selbst aufgebaut hat er allerdings nie, sondern bestehende Miniaturlandschaften zugekauft, umgebaut und erweitert. Derzeit hat er aber keine mehr zu Hause stehen, die letzte Anlage mit einer Fläche von 18 m2 hat er vor drei Jahren abgebaut und verkauft. Sie sei ihm zu gross gewesen, sagt Heim. Das Einzige, was an seinem Wohnort in Neuendorf noch ans Modelleisenbähnlen erinnert, sind diverse grosse Vitrinen, die als Lager seiner Ware dienen.

Seiner Leidenschaft geht er in der Freizeit im Eisenbahn-Klub Balsthal nach.
Heim hatte das seltene Glück, sein Hobby zum Beruf zu machen. Seit 2005 ist er selbstständig, 2010 hat er den Laden an der Alten Aarauerstrasse von seinem Vorgänger übernommen. Dort hatte er einst selbst als Kunde eingekauft und war auch als Aushilfe tätig.

Fast eine reine Männerwelt

Mit den Modelleisenbahnen Geld verdient hat er allerdings schon vorher als Händler. Er erwarb Restbestände oder Anlagen verschiedener Sammlungen und verkaufte die Ware an den Börsen, die an vielen Wochenende hierzulande stattfinden. Auch heute noch sieht er sich eher als Händler denn als Detaillist.

Es gibt bei ihm Neuware, die vor allem aus Liquidationen und Lagerbeständen stammen, aber auch Rollmaterial und Zubehör aus zweiter Hand von alten Anlagen. Neben dem Laden sind weiterhin die Börsen – «sie haben allerdings nicht mehr die Anziehungskraft wie früher» –, aber zunehmend auch die Internetplattform Ricardo ein wichtiger Verkaufskanal geworden. Dort lässt er Artikel oft für einen Franken ausschreiben und kann sich dann meistens auf den Effekt verlassen, dass Interessenten die Preise mit ihren Angeboten innert der höchstens zehntägigen Bietefrist hochsteigern.

Heim betreibt zwar eine Website, zeigt dort aber vor allem Bilder seines Ladens. Artikel preist er nicht an.

Markus Heim schätzt den Kontakt mit der Kundschaft, die vorwiegend aus der Region stammt. Die Sammler setzten sich aus allen Bevölkerungsschichten zusammen. Einige sind gar zu Kollegen geworden, mit denen das Fachsimpeln auch bei einem Mittagessen oder einem Bier weitergeht. Es sind aber vorwiegend Männer. «Eine einzige Frau aus der Stammkundschaft zähle ich zu den eingefleischten Modelleisenbähnlerinnen», sagt Heim.

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