Noch mehr Werbung könne sie eigentlich gar nicht brauchen. «Denn wir sind schlicht komplett ausgebucht», sagt Judith Pfefferli, Leiterin des Lernbauernhofes in Wangen bei Olten. Dennoch musste sie nun eine Pressekonferenz einberufen, um allen Auflagen gerecht zu werden, welche die Nomination für den Agro-Preis mit sich bringt. Mit dem von einer Bauernversicherung gestifteten Preis wird jährlich ein innovativer Landwirtschaftsbetrieb ausgezeichnet. Und als innovativ lässt sich das Angebot des Pfefferli-Hofs durchaus bezeichnen.

Der ursprünglich in der klassischen Landwirtschaft tätige Betrieb musste vor rund einem Jahrzehnt dem Bau der ERO-Umfahrungsstrasse weichen. Die neue Lage auf dem etwas abgelegeneren Winkelacker war als Standort für einen Direktverkaufsladen, wie ihn der Hof zuvor geboten hatte, ungeeignet. «Wir mussten uns also umstrukturieren», erinnert sich Judith Pfefferli, die als teilzeittätige Werklehrerin bereits mit der Bildung von Kindern betraut war. So kam die Idee zur Diversifikation durch eine Funktionserweiterung: Der Bauernhof sollte zum Lernort werden.

Zunächst umfasste das neue Angebot die Spielgruppe, in der die Kinder auf spielerische Weise an Zweck und Nutzen eines Bauernhofes herangeführt werden. So würde ihnen beispielsweise aufgezeigt, wo die Nahrung, die sie täglich essen, herkommt. So dürfen die Kinder anhand der Kartoffel den kompletten Prozess von Säen, Ernten, Waschen, Rüsten, Kochen und schliesslich Essen direkt selber durchführen. Sehr beliebt sei das Angebot auch dank der Nähe zu den Hoftieren: «Die Kinder lieben die Kühe und vor allem die Kälber», sagt Pfefferli. Komme es zu Geburten, dürften die Kinder gar diesem Ereignis beiwohnen. In einigen Fällen wurden die Neugeborenen auch schon nach den Kindern benannt.

Die neu geschaffene Möglichkeit der Bauernhof-Spielgruppe sprach sich schnell herum, der Andrang überstieg bald die Kapazitäten des Hofs. Zudem seien die Kinder enttäuscht gewesen, als sie irgendwann das Einschulungsalter erreichten und somit zu alt waren für weitere Besuche auf dem Pfefferli-Hof. Dies habe sie dazu bewogen, ihr Angebot auszuweiten, so Pfefferli. Mittlerweile werde ihr Hof von Kindern im Alter von 3 bis 16 Jahren besucht, die ältesten davon setze sie als Helfer ein, die sich so ein Taschengeld verdienen könnten.

Längst mehr als ein Nebenverdienst stellt die Kinderbetreuung für die Betreiberfamilie dar: Heute erwirtschaftet der Pfefferli-Hof rund 40 Prozent seiner Einnahmen mit dem Lernangebot. Der restliche Umsatz wird von Ehemann Franz Pfefferli durch Milchwirtschaft erbracht, wenn er nicht gerade ins Lernangebot eingebunden ist. Die Diversifizierung sei auch seelisch sehr positiv: «Ich merke, wie Franz viel ruhiger geworden ist, seit er nicht mehr der alleinige Geldbringer der Familie ist», sagt Judith Pfefferli. Auch sei der Stress nicht mehr so gross, wenn die Milchpreise mal sinken.

Sie sei schon von einem Mann kontaktiert worden, der beabsichtigte, ihr Lernkonzept zum Geschäft zu machen. «Er wollte mir dabei helfen, die Idee an andere Höfe weiterzuverkaufen. Das möchte ich aber nicht», sagt Pfefferli, die andere Bauernbetriebe viel mehr dazu aufrufen möchte, selber kreativ zu werden. «Man sollte diese Chance nutzen, auch als Bauer die Bildung der Kinder mitgestalten zu können.» So könne man auch Zustände wie in Berlin verhindern, wo scheinbar die Hälfte der Kinder aufgrund der Werbung eines Schokoladenherstellers davon ausgehe, Kühe seien lila.