Das mag einige überrascht haben: Die Seitenränder des Mittelbereichs der eigentlich fertig gebauten Ziegelfeldstrasse wurden wieder aufgerissen. Dort werden derzeit Schalensteine eingesetzt, wie man sie beispielsweise von Trottoirrändern her kennt. Der Arbeiter auf der Baustelle spricht von einer «Luxusvariante». Diese Steine seien eigentlich nicht dazu gemacht, dass ständig darüber gefahren werde, sagt der Vorarbeiter der Firma Marti.

Ähnlich sieht es der stadtbekannte Architekt Marc Thommen. Auf seiner Facebook-Seite prangert er den Stadtrat an, er würde die Ziegelfeldstrasse «vergolden» und daraus ein «kleines Kunstobjekt» machen. An der letzten Sitzung des Gemeindeparlaments hat die FDP zudem eine Fraktionserklärung vorgelesen, wo sich die Partei fragt, welches der Mehrwert der Strassenumgestaltung sei und regt sich darüber auf, dass es Mehrkosten gäbe, aber aus Nutzersicht die schlechtere Variante realisiert würde.

Höhere Kosten für die Stadt

Doch worum geht es überhaupt? Weil seit der ERO-Eröffnung auf der Ziegelfeldstrasse nur noch rund die Hälfte des Verkehrs unterwegs ist, wurde die Kantonsstrasse seit letztem Jahr von einer auto- in eine wohn- und gewerbeorientierte Strasse umgestaltet. Nun folgen mit dem Umbau des Mehrzweckstreifens und dem Einbau des Deckbelags bis Ende August die Abschlussarbeiten.

Beim Oltner Stadtrat kam dabei der Wunsch auf, den Mittelbereich der Strasse «städtebaulich» aufzuwerten, wie Projektleiter Lothar Bürgi vom kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau bestätigt. Das führt allerdings zu Mehrkosten von rund 135'000 Franken. Für die Stadt macht das knapp 18'000 Franken aus, die zusätzlich aufgewendet werden müssen. Den Rest übernehmen Bund und Kanton. Der Gesamtkredit von 4,4 Millionen Franken kann aber eingehalten werden. Auch die Unterhaltskosten sollen durch die Projektänderung höher sein als berechnet. Laut einem Stadtratsprotokoll vom Juli 2014 sollen die Aufwendungen 3'000 Franken mehr betragen pro Jahr. «Weil die Ziegelfeldstrasse städtebaulich aufgewertet wird, finden wir die Mehrkosten für die Stadt berechtigt», sagt Baudirektor Thomas Marbet zur Kritik.

Neben den höheren Kosten zu reden geben dabei vor allem die Schalensteine, welche den Mehrzweckstreifen von der normalen Strassenbahn abgrenzen sollen und bodeneben verlegt werden. Weil diese Steine gleich hoch wie der Asphalt sein und keine spitzen Kanten hervorstehen werden, soll es gemäss des Kantons auch nicht gefährlicher werden für die Velofahrer. Die Reinigung der Strasse oder die Schwarzräumung im Winter wird dadurch ebenfalls nicht behindert.

Auch der Mehrzweckstreifen wird anders aussehen als gewohnt: Farblich wird der Belag unterschiedlich sein zum normalen grauen Belag der Strassenbahnen und heller erscheinen. Dass damit die Autofahrer eventuell verwirrt sein und den Mittelstreifen nicht mehr als solchen erkennen könnten, ist laut Bürgi vom Kanton kein spezifisches Problem der Ziegelfeldstrasse. «Die Leute wissen grundsätzlich noch zuwenig, dass der Mehrzweckstreifen von beiden Seiten befahren werden kann und auch den Velofahrern zur Überquerung der Strasse zur Verfügung steht.»

Der eingangs erwähnte Architekt Marc Thommen hat den Stadtpräsidenten Martin Wey gebeten, ein Machtwort zu sprechen und auf die städtebauliche Aufwertung mit Mehrkosten zu verzichten. Gebracht hat eine Aussprache zwischen den beiden allerdings nichts. Vonseiten der FDP sind ebenfalls keine politischen Vorstösse mehr zu erwarten, auch wenn Deny Sonderegger, der Urheber der Fraktionserklärung, sagt: «Die jetzige Umgestaltung hat höchstens einen optischen, aber keinen funktionalen Mehrwert.»