Wangen bei Olten
Diese beiden kämpfen um den Chefsessel

Am 24. September entscheiden die Stimmbürger in Wangen bei Olten über das Gemeindepräsidium. Mit Daria Hof und Patrick Schmid steigen zwei der drei Kandidierenden aus dem ersten Wahlgang erneut ins Rennen.

Fabian Muster und Urs Huber
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Bruno Kissling

Patrick Schmid: Der Verkäufer

Er sagt: «Ich bin eigentlich eher ein sesshafter Typ.» Patrick Schmid steht an der Feuerstelle im Wangner Asp und blickt aufs Dorf, wo er seit bald 40 Jahren daheim ist. Sohn Nico hantiert derweil mit einem Holzstecken vom Waldboden und saugt leidenschaftlich am Schnuller. Es ist Papi-Tag bei Schmids.

Nicht dass Schmid, der CVPler und eingebürgerte Wangner, die 5000-Seelen-Gemeinde unattraktiv findet. Aber attraktivieren möchte er sie dennoch. Das bedeutet? «Nun, Wangen gilt gemeinhin als Schlafgemeinde», sagt er. Dieses Image möchte er korrigieren. Ob als Gemeinderat oder als Gemeindepräsident von Wangen.

«Ich bin seit zehn Jahren im Rat, davon sieben Jahre als Vizepräsident», sagt er auf die Frage, warum er das Amt anstrebt. Und meint damit Erfahrungen und Lust auf Mitwirkung, sich bietende Gestaltungsmöglichkeiten. «Ich finde, wir sind im Rat eine coole und sehr motivierte Truppe, die etwas bewegen will: Und einer solchen würde ich gerne vorstehen, Wangen auch gerne repräsentieren und gut verkaufen helfen.»

Bis ins Jahr 2030 soll die Gemeinde 6000 Personen zählen. «Da muss die Infrastruktur angepasst und gleichzeitig Identifizierung möglich werden.» Schmid denkt da etwa an die Erweiterung des Schulraumangebots. «Mit der Realisierung des Projekts Erweiterung Schulstandort Alp ist es aber noch nicht getan. Hohe Schülerzahlen auf der Primarstufe wirken sich zeitverzögert auch auf der Oberstufe aus. Schmid nickt. Auch bezüglich Attraktivierung sieht er bereits erste Pfosten eingeschlagen.

Patrick Schmid

Partei: CVP
Beruf: Leiter eines Alterszentrums mit 85 Bewohnern und 79 Mitarbeitenden in der Stadt Basel
Alter: 44
Zivilstand: verheiratet, 2 Kinder
Politik: seit 2007 Gemeinderat; Gemeinde-Vizepräsident seit 2010
Resultat 1. Wahlgang vom 2. Juli: 433 Stimmen

Er ist überzeugt, etwa mit der Umwandlung der örtlichen Kulturkommission in eine Arbeitgruppe einen wichtigen Schritt gemacht zu haben. Öffnung nach allen Seiten also. «Wer etwas beizutragen hat zum Dorfleben, soll dies können, ohne an eine formelle Kommission gebunden zu sein», sagt der gelernte Koch, der jetzt, als Heimleiter tätig, im dritten Jahr nach Basel pendelt.

Der 43-Jährige will auch fürs lokale Gewerbe agieren. Pulsierendes Gewerbe schaffe Leben; das sei wichtig. Die Ruhe, die mit der ERO auf der Dorfstrasse entstanden ist, hält er jedenfalls «fürs soziale Leben nicht förderlich», wie er sagt.

Auch der externen Kinderbetreuung will der Mann, der sich ein Engagement eigentlich nur in der CVP vorstellen kann, ein Auge schenken. Auch wenn er sagt, der Steuerzahlen dürfe dadurch nicht belastet werden, oder dann bloss minim. «Das Bedürfnis danach ist da», stellt er fest. Er habe diesem Aspekt lange Zeit zu wenig Beachtung geschenkt.

Der verbreitete Ausspruch «z’Wange bliibt me hange» hat Schmid übrigens schon oft bestätigt gesehen. «Mir fällt auf, dass recht viele, die in Wangen gross wurden und später ausgezogen sind, nach Jahren wieder zurückkehren», sagt er. Eigentlich ein gutes Zeichen.

Inzwischen hat Nico den Stecken beiseitegelegt, spielt mit dem Helikopter aus Vaters Rucksack. Wenn der jetzt Zweijährige ins Primarschulalter kommt, wird er von den Früchten, die Vater Patrick anzubauen bereit ist, ernten können.

Und Ihre Haltung, Patrick Schmid?

- In den letzten Jahren wurden teils ausgezeichnete Rechnungsabschlüsse ausgewiesen. Ist die Zeit reif für eine Steuersenkung?
Auf den ersten Blick ja. Wir müssen die Situation aber als Ganzes genau anschauen, da in den letzten Jahren einige nötige Investitionen zurückgestellt wurden.

- Braucht Wangen eine neue Mehrzweckhalle?
Nein. Mittelfristig wird es aber mit der Schulraumerweiterung sowie den Bedürfnissen von Schule und Vereinen sicher wieder zum einem Thema, welchem ich positiv gegenüberstehe.

- Soll auf Quartierstrassen Tempo 30 eingeführt werden?
Nein. Verkehrsberuhigende Massnahmen können auch anders gelöst werden (siehe Allmendstrasse). Und ich appelliere auch weiterhin an ein angemessenes Verhalten aller Verkehrsteilnehmer.

- Soll die Einwohnergemeinde mit der Bürgergemeinde fusionieren
Nein. Die Bürgergemeinde soll als Verantwortliche von Wasser, Forst usw. weiterhin selbstständig organisiert und ein partnerschaftliches Pendant zur Einwohnergemeinde bleiben.

- Braucht ein attraktives Wangen Tagesstrukturen für schulpflichtige Kinder?
Ja. Für die Organisation, das Angebot und die Finanzierung müssen aber zuerst andere Möglichkeiten als die Unterstützung durch die Gemeinde gesucht werden.

Daria Hof: Die Spendable

Wir sitzen vor der Bäckerei Wälchli. Daria Hof grüsst jeden zweiten Kunden, der sich ein Brot holt oder einen Kaffee trinkt. Man merkt schnell, dass sie in Wangen aufgewachsen ist. Ihre Eltern waren beide Lehrer im Dorf.

Hof hat hier die Schulen besucht und wurde selbst zur Sekundarschullehrerin, hat geheiratet, eine Familie mit zwei Mädchen im schulpflichtigen Alter gegründet. Alles verläuft auf den ersten Blick in konventionellen Bahnen.

Und doch spricht hier auch eine 40-Jährige, die aus dem Herkömmlichen ausbricht: Sie gibt seit Jahren in Gelterkinden BL und nicht im Dorf Schule oder teilt sich die Erziehungsarbeit mit ihrem Mann, der anderthalb Tage pro Woche zu Hause den Haushalt führt.

Was Hof im Privaten vollführt, will die FDPlerin, die seit drei Jahren im Gemeinderat sitzt, auch politisch umsetzen. Das Bestehende bewahren, aber zum Teil auch ausbrechen. Das Schlafdorf Wangen in eine attraktive Gemeinde für Familien mit Kindern und das KMU verwandeln, sei ihr Ziel. Dazu gehören Tagesstrukturen, vielleicht sogar eine Kita und eine neue Mehrzweckhalle mit mehr Schulraum für die Oberstufe.

Zwar stimmen die Wangner am gleichen Tag wie über ihr neues Gemeindepräsidium auch über den Ausbau des Primarschulhauses Alp ab. Doch das reicht für sie nicht. «Auch das Oberstufenschulhaus Hinterbüel II wird bald einmal zu klein.»

Daria Hof- Schwarzentruber

Partei: FDP
Beruf: Lic. phil. Nat. (Sekundarschule Gelterkinden, Sekundarschullehrerin Niveau E/P)
Alter: 40
Zivilstand: verheiratet, 2 Kinder
Politik: seit 2014 Gemeinderätin
Resultat 1. Wahlgang vom 2. Juli: 511 Stimmen

Ihre Idee: Die bisherige doppelstöckige Turnhalle gegen Osten mit einer Doppelturnhalle mit Mehrzweckfunktion erweitern. Darauf einen Stock Schulräume, eventuell mit Platz für eine Kita, auf dem Dach den durch den Landverschleiss verloren gegangenen Turnplatz erstellen. «Dieses Gebäude steht so bereits in meinem Schulort Gelterkinden», sagt Hof.

Das Geld wäre in ihren Augen vorhanden: Die Gemeinde schreibt seit einigen Jahren schwarze Zahlen, zudem seien Neubauten dank der tiefen Zinsen günstig zu finanzieren. «Ich bin dafür, Schulden zu machen, wenn das Dorf so an Lebensqualität gewinnt. Dies macht ja jeder Hausbesitzer so.»

Auch für ein richtiges Dorfzentrum will sie sich starkmachen, wo Ladenfläche fürs Kleingewerbe entstehen soll. Derzeit ist der Gemeinderat in Verhandlung mit einem Landeigentümer und dem Kanton. Der Standort beim Pfefferlihof gilt als Favorit.

Um die Überbauung aus Wohnen, Gewerbe und Grünfläche realisieren zu können, bräuchte die Gemeinde zudem Investoren. Nicht zuletzt will Daria Hof das Budget der Kulturkommission auf 50 000 Franken verdoppeln. Die bisherigen kleinen Feste wie Mattenfest oder Bärenzunftfest sind in ihren Augen ausbaubar und zu unterstützen. Ob daraus wieder einmal ein richtiges Dorffest erwächst, lässt sie offen. Auch Bilderausstellungen in der Gemeindekanzlei oder mehr Konzerte der Musikschule Wangen könnte sie sich als Farbtupfer vorstellen.

Wird Hof als erste Frau Gemeindepräsidentin, sitzt das Geld etwas lockerer in der Tasche. «Mich nervt, dass einige FDPler nur die Finanzen sehen und nicht den Nutzen in der Sache.» Doch falsch verstanden wissen möchte sie sich auch nicht: «Als Gemeinde soll man die Rahmenbedingungen schaffen, wie einer Kita etwa einen Raum bieten. Die Kita selbst betreiben sollen hingegen Private.»

Und Ihre Haltung, Daria Hof?

- In den letzten Jahren wurden teils ausgezeichnete Rechnungsabschlüsse ausgewiesen. Ist die Zeit reif für eine Steuersenkung?
Ja, wenn es die kommenden Budgets zulassen und dadurch keine Achterbahnfahrten des Steuerfusssatzes zu befürchten sind.

- Braucht Wangen eine neue Mehrzweckhalle?
Ja, denn der Schulstandort Hinterbüel bedarf eines Ausbaus und einer Sanierung der Turnhalle. Man könnte drei Probleme/Wünsche auf einen Streich lösen/erfüllen.

- Soll auf Quartierstrassen Tempo 30 eingeführt werden?
Ja, weil ich die Verkehrssicherheit in den Quartieren damit verbessert sehe. Was in Olten bestens funktioniert, ist auch in Wangen möglich.

- Soll die Einwohnergemeinde mit der Bürgergemeinde fusionieren?
Nein, denn zwei gut funktionierende und gut zusammenarbeitende Institutionen sollen das Recht behalten, eigenständig zu sein.

- Braucht ein attraktives Wangen Tagesstrukturen für schulpflichtige Kinder?
Ja. Funktionierende Tagesstrukturen zählen für Familien zu einem der wichtigsten Standortfaktoren, nach welchem Wohnorte beurteilt werden.

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