Wangen

Diese 75-Jährige lebt für die Tiere - und hat noch lange nicht genug

Seit 40 Jahren leitet Susanne Klein das Tierdörfli Olten in Wangen. Ans Aufhören denkt die 75-jährige Tiernärrin aber noch lange nicht. Zu sehr liebt sie ihre Arbeit mit den Tieren.

Mitten in grünen Wiesen, ein paar hundert Meter ausserhalb von Wangen, liegt das Tierdörfli Olten. Wobei das Wort «Dörfli» zu falschen Vermutungen Anlass geben könnte, denn das Tierdörfli ist keinesfalls klein. Auf einer Fläche von 12 000 Quadratmetern bietet es mehr als 400 Tieren eine zumeist temporäre Heimat. Doch nicht nur die Tiere finden auf dem idyllisch gelegenen Hof mit Blick auf den Jura Unterschlupf, auch Susanne Klein wohnt dort.

Die 75-Jährige hat das Tierdörfli gegründet und leitet es voller Elan – sieben Tage pro Woche, Tag und Nacht. «Die Tiere sind für mich wie Kinder, sie sind mein Leben. Deswegen brauche ich auch keine Ferien und bin immer auf dem Hof», sagt sie. Dabei hat Susanne Klein nach dem Ende der obligatorischen Schulzeit einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen. Sie absolvierte eine kaufmännische Lehre und arbeitete für die Stadt Olten. Die Tiere lagen ihr schon damals am Herzen. «Ich liebe sie einfach», sagt sie dazu.

Ohne Ausbildung begonnen

So gründete Susanne Klein 1969 den Tierschutzverein Olten und Umgebung und begann an ihrem Arbeitsplatz in einer grossen Schublade ausgesetzte Meerschweinchen zu pflegen. Zu Hause kümmerte sie sich zudem um herrenlose Katzen. Klein nahm immer mehr Tiere bei sich auf und versuchte, sie an Privatpersonen zu vermitteln. Bald schon nahm diese Tätigkeit jedoch zu viel Zeit in Anspruch und Klein entschied sich, in einem alten Bauernhaus in Starrkirch-Wil das Tierdörfli zu eröffnen. Das war vor genau vierzig Jahren. «Damals gab es noch keine Tierpflegerausbildung. Ich habe mir daher alles selber beigebracht», erinnert sich Klein.

Die nötige Ausbildung hat sie später nachgeholt. Das Tierdörfli stiess auf Anklang. Aber schon bald hat Klein erkannt, dass sie den Fortbestand des Tierheims nicht ohne private Unterstützung gewährleisten kann. Deshalb rief sie die Stiftung Tierheim Olten ins Leben, die bis heute gemeinsam mit dem Tierschutzverein Olten und Umgebung für die notwendige finanzielle Unterstützung des Tierdörfli sorgt. 1995 wechselte das Tierdörfli seinen Standort. In Starrkirch-Wil war die Kapazitätsgrenze erreicht. Im Rahmen eines Landabtauschs erhielt Klein eine Parzelle in Wangen bei Olten, wo sie ein modernes Tierheim aufbauen konnte: Das Tierdörfli, wie es noch heute Bestand hat, war geboren.

Der Kampf ums Geld

Katzen, Nager aller Art, Hunde, Ponys, Esel, Schafe, Ziegen, Enten, Vögel, Schildkröten, Fische und viele andere Tiere gehören zu den Gästen auf dem Hof von Susanne Klein. Selbst ein Wild- und ein Wollschwein leben im Tierdörfli, dessen Einzugsgebiet von Grenchen bis in den Aargau reicht. Im Jahr 2013 hat Susanne Klein mit ihrem 20 Personen umfassenden Team mehr als 2000 Tiere aufgenommen. Für fast alle hat sie ein neues Zuhause gefunden. «Die meisten Tiere bleiben rund drei Monate bei uns. Häufig sind sie herrenlos, wurden ausgesetzt oder müssen nach einem Unfall oder einer Krankheit gepflegt werden», sagt Klein. Lediglich rund fünf Prozent aller Tiere sind Feriengäste, die einen Besitzer haben, der für den Aufenthalt im Tierdörfli bezahlt.

Für die Betreuung aller anderen Tiere ist Susanne Klein auf private Gelder angewiesen: Spenden, Patenschaften, Mitgliederbeiträge des Tierschutzvereins und Erbschaften helfen, die Kosten zu decken. Trotzdem ist es ein Kampf ums Überleben. Die mit dem Inkrafttreten der neuen Tierschutzverordnung im Jahr 2008 nötig gewordenen baulichen Massnahmen zur Vergrösserung der Boxen für Hunde und Katzen, konnten bisher noch nicht in die Tat umgesetzt.

Im April wird nun die erste von drei Hundeboxen umgebaut. Für die anderen beiden fehlen noch über 500 000 Franken. Die Planung für die Katzenboxen wurde noch nicht in Angriff genommen, weil das Geld fehlt. Aber deswegen den Bettel hinzuschmeissen, kommt für Susanne Klein nicht in Frage. «Irgendeinmal werde ich das Tierdörfli an die Jungen weitergeben. Im Moment ist es aber noch nicht so weit», meint sie lachend. Dafür bereitet Susanne Klein die Arbeit mit den Tieren auf dem Hof, die Ausbildung ihres Teams, die Kurse und Führungen durchs Tierdörfli noch immer zu viel Spass.

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