Olten

Die Zukunft des Busbetriebs Olten Gösgen Gäu ist elektrisch und geräuscharm

Mit einem Elektrobus der Bellacher Firma Hess wurden auf dem Streckennetz der BOGG Testfahrten durchgeführt; Bilanz: positiv.

Mit einem Elektrobus der Bellacher Firma Hess wurden auf dem Streckennetz der BOGG Testfahrten durchgeführt; Bilanz: positiv.

Die Fahrzeuge des Busbetriebs Olten Gösgen Gäu erhalten neue Antriebstechnologien. Ab 2023 könnten die ersten Elektrobusse verkehren.

Sie transportiert jährlich mehr als 6,8 Millionen Fahrgäste: die aus 44 firmeneigenen Fahrzeugen bestehende Flotte des Busbetriebs Olten Gösgen Gäu (BOGG). Nun konkretisiert sich dort so etwas wie ein ökologischer Ruck, den Verwaltungsrat und Betriebsleitung angestossen haben. «Seit einiger Zeit befassen wir uns mit dem Umbau der Flotte auf alternative Antriebstechnologien, welche die Nutzung erneuerbarer Energiequellen ermöglichen», meint Betriebsleiter Toni von Arx. Denn Mobilität ist energieintensiv.

Rund ein Drittel des gesamten landesweiten Energieverbrauchs geht auf dessen Konto. «Für 3 Prozent der 15 Millionen Tonnen CO2-Emmissionen pro Jahr sind in der Schweiz Busse verantwortlich», sagt von Arx. Deshalb setzen die Transportunternehmen im öffentlichen Verkehr alles daran, die Energieeffizienz weiter zu verbessern. Ziel der Branche: bis 2050 die Energieeffizienz im öffentlichen Verkehr um 30 Prozent zu steigern.

Elektrische Energie ersetzt den Diesel

Wie ist das Ziel zu erreichen? Stichwort Flottenumbau: weg vom Dieselfahrzeug und hin zum Elektro-Bus. Ab 2023 könnten zwei firmeneigene Elektrobusse den Anfang machen. Allerdings sieht von Arx darin noch nicht der Weisheit letzter Schuss: «Stand heute ist zu sagen, dass elektrisch betriebene Fahrzeuge hauptsächlich im innerstädtischen Bereich zum Einsatz kommen werden.» Eine Analyse der Linien bei der BOGG hat nämlich gezeigt, dass ohne Anpassungen bei den Fahrplanzeiten auf einzelnen Linien im Stadtbereich Elektrobusse eingesetzt werden könnten.

Die Pufferzeiten an den Endhaltestellen genügen für’s Aufladen der Akkus. Zum Vergleich: Ein mit Diesel betanktes Fahrzeug verfügt über eine Reichweite von 500 km; ein Batteriebetriebenes eine solche von rund 200 km. Überlandstrecken dagegen wären mit Wasserstoff betriebenen Bussen, der zweiten Möglichkeit alternativer Energienutzung, besser bedient. Allerdings ist die Verfügbarkeit von Wasserstoff nicht ausreichend. Selbiges gilt auch für den Antrieb mit Biogas.

Bevor aber Fahrzeuge mit neuer Antriebstechnologie eingesetzt werden können, ist eine Vielzahl von Fragen zu klären, um eine optimale Lösung mit hohem Nutzen zu erreichen. Die Umstellung der Flotte muss zeitlich auf die ordentliche Erneuerung des Fuhrparks abgestimmt sein und benötigt entsprechenden Vorlauf. Da durch die Umstellung Mehrkosten entstehen, ist die Einwilligung der Besteller, Bund und Kanton nämlich, im Rahmen des Bestellverfahrens notwendig. Logisch müssen die Auswirkungen auf die Infrastruktur (Ladestationen) sowie die Ausbildung des Personals ebenso berücksichtigt werden wie die optimale Einsatz- und Umlaufplanung, um die Einhaltung der Fahrplanzeiten mit minimalem Ressourceneinsatz zu gewährleisten.

Alles hat einen Preis; auch die Alternativen

Der höhere Umweltnutzen von Elektro- oder Wasserstoff-Antrieben hat seinen Preis. Die Fahrzeuge sind gegenüber den heute eingesetzten Dieselfahrzeugen gut zweimal teurer. Was bislang in der Beschaffung rund 500'000 Franken gekostet hat, wird jetzt mit einer guten Million Franken zu Buch schlagen. Dazu von Arx: «Die höheren Beschaffungskosten werden teilweise durch eine erwartete längere Einsatzdauer der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben kompensiert.» Aber wie die Preissteigerung sonst noch aufgefangen werden kann, steht offen.

Die Betriebskosten von Elektrobussen nämlich steigen ebenfalls; um das Anderthalbfache im Vergleich zum Betrieb mit Dieselfahrzeugen. Das Ladekonzept beeinflusst die Kosten wesentlich. Werden die Fahrzeuge im Depot, an den Endhaltestellen oder auf der Strecke geladen? Abhängig von den Umlauflängen, den Taktzeiten, den Fahrzeuggrössen, der Topographie oder den Bereitstellungskosten für die Antriebsenergie ergeben sich linienspezifische Mehrkosten.

Mitte Juli wurden mit einem Elektrobus der Firma Hess aus Bellach auf dem Streckennetz der BOGG Testfahrten durchgeführt. «Bisher sind keine unlösbaren technischen Probleme aufgetreten», zieht von Arx Bilanz. Zwei Merkmale sind ihm bei den Testfahrten speziell aufgefallen: Das ruckfreie Fahren und der Umstand, dass sich Elektrofahrzeuge wegen ihres schier geräuschlosen Fortkommens unbedingt akustisch wahrnehmbar machen müssen.

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