Für die Stiftung für Kunst des 19. Jahrhunderts war es ein Freudentag: Der Kunstsammler Sebastian Prüfer war eigens aus Berlin angereist, um der Stiftung seine gesammelten Werke Ferdinand Ruscheweyhs (1785-1846) zu überreichen. Die Stiftung war bereits zuvor im Besitz einiger Werke des deutschen Kupferstechers, darunter dessen Reproduktionsstiche nach Zeichnungen von Peter von Cornelius zu Goethes «Faust».

Kleiner Kreis von Interessierten

Der Künstler Ruscheweyh, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirkte, ist heute in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, denn er war ein Könner seines Fachs und gehört neben Samuel Amsler (1791-1841) und Carl Barth (1787-1853) zu den bedeutendsten deutschen Kupferstechern der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Kunstmuseum, wo die Schenkung einen offiziellen Rahmen erhielt, waren dennoch nur fünfzehn Leute anwesend.

Prüfer trug die 62 Blatt druckgrafischer Werke in einem Jahrzehnt «mit kleinen und kleinsten Mitteln» zusammen, wie Stiftungsgründer Heinrich Thommen in seiner Dankesrede anerkennend bemerkte. Damit habe er eine kunsthistorisch wertvolle Sammlung aufgebaut.

Ruscheweyh gilt als virtuoser Reproduktionsstecher und hatte einen bedeutenden Anteil an der Verbreitung der Kunst der Nazarener, einer Gruppe deutscher Romantiker um Peter von Cornelius, Friedrich Overbeck und Philipp Veit. Von Rom aus strebten sie eine Erneuerung der Kunst im Geiste der christlichen Religion und im Rückgriff auf die alten deutschen und italienischen Meister an.

Nach Studien in Berlin und Wien reiste der aus Neustrelitz in Mecklenburg stammende Ruscheweyh 1808 nach Rom, wo er 24 Jahre seines Lebens verbrachte. «In einer kalten Wohnung, am Existenzminimum», wie Prüfer ausführte. 1933 kehrte der Künstler schwer krank in die Heimatstadt zurück.

Sebastian Prüfer, Studienrat für die Fächer Geschichte und Evangelische Religion in Berlin, ist aktuell der beste Kenner von Ruscheweyhs Werk. Während er sich mit der Kunst und Kultur Mecklenburgs auseinandersetzte, stiess er auch auf den Kupferstecher Ruscheweyh. In «Feierabendforschung» habe er dessen Biografie zusammengetragen und ein Verzeichnis der Kupferstiche erstellt.

Er hofft nun, dass jemand seine Forschungen zu einem biografischen Text verarbeite. «Damit Ruscheweyh die Würdigung bekommt, die ihm zusteht.» Der Künstler war nicht nur ein hervorragender Druckgrafiker, sondern betätigte sich auch als Zeichner. Seine Zeichnungen sind kunsthistorisch noch nicht aufgearbeitet.

Die Schenkung, so Stifter Thommen, ergänze das vorhandene Sammlungskonzept der Stiftung. Ruscheweyh stach Werke von Friedrich Overbeck, Franz Pforr, Johann Martin von Wagner oder Philipp Veit und ist somit ein wichtiger Vermittler jener Kunst, die einen Schwerpunkt der Sammlung der Stiftung ausmacht. Weitere Bestände von Ruscheweys Werken führen das Staatliche Museum Schwerin und das Kupferstichkabinett Berlin.