Seit einem Jahr gibt es in Olten keine Stadtpolizei mehr. Sie wurde per 1. Januar 2016 in die Kantonspolizei Solothurn überführt. Nun sind die Polizeiautos orange statt blau, doch hat sich sonst noch etwas geändert?

Auf einen Aufruf dieser Zeitung meldete sich ein Oltner, der anonym bleiben möchte. Man habe schon Änderungen bemerkt, sagt er. Vor allem in der Begegnungszone. Die Kantonspolizei sei weniger präsent als die Stadtpolizei. Bei einer Schlägerei habe es einmal 30 Minuten gedauert, bis die Polizei aufgetaucht sei.

Auch bei den Parkbussen haben die Oltner eine Veränderung bemerkt. Des Öfteren klebt am Auto trotz Überschreitung der Parkzeit keine Busse. Solche Tendenzen bestätigt auch Iris Schelbert, grüne Stadträtin und Direktionsleiterin Öffentliche Sicherheit. «Wir verkaufen weniger Handwerkerparkkarten für die blauen Zonen», sagt sie.

Die Handwerker hätten das Gefühl, es werde nicht mehr kontrolliert. Ansonsten ist Schelbert jedoch der Meinung, dass der Übergang von der Stadt- zur Kantonspolizei reibungslos vonstattengegangen sei. «Er wurde gut vorbereitet.»

Sie betont jedoch, dass dies eine persönliche Momentaufnahme sei, und weist darauf hin, dass eine detaillierte Evaluation noch ausstehend sei. Die Sicherheit der Stadt sei durch den Wechsel keineswegs beeinträchtigt worden.

Vertreter der Stadt Olten und der Kantonspolizei treffen sich gewöhnlich alle vierzehn Tage zu einer Sitzung. Diese dienen dem Austausch, können aber einen Polizeiposten im Stadthaus nicht ersetzen. «Die Wege sind länger», sagt Schelbert. Anstatt sich direkt bei der Kantonspolizei zu melden, würden viele Leute bei der Stadt anrufen.

Ihre Anliegen werden dann an der Sitzung besprochen. Auch für Franco Giori, Leiter Öffentliche Sicherheit, sind diese Sitzungen essenziell für den Austausch zwischen Stadt und Polizei. «Der Wechsel ist eine Umgewöhnung, es gibt viele neue Schnittstellen», sagt er.

So müsse die Kantonspolizei kontrollieren, was die Stadt bewillige; zum Beispiel Anlässe oder Strassenmusiker. Ein anderes Beispiel seien die Taxi-Konzessionen, die von der Stadt herausgegeben werden. Die Fahrtenschreiber werden jedoch von der Kantonspolizei kontrolliert.

Für Giori braucht es zusätzlich noch mehr als die Sitzungen. Die Wege sind nicht nur von der Bevölkerung zur Polizei länger, sondern auch von der Polizei zur Stadt. «Wir müssen wissen, was vor unserer Tür los ist. Ab nächstem Jahr wird uns die Kapo regelmässig mit einem Lageplan versorgen», sagt er.

Im Bericht sollen zum Beispiel ersichtlich sein, wie oft eingebrochen wurde, wie die Situation an neuralgischen Punkten aussieht und wie viele Parkbussen verteilt wurden. Aber grundsätzlich sei die Zeit ohne Stadtpolizei so angelaufen, wie man sich das vorgestellt habe.

Vor der Auflösung der Stadtpolizei gab es Bedenken, dass Grossanlässe nicht mehr mit dem nötigen Polizeiaufgebot versorgt werden könnten. Bei der Fasnacht in diesem Jahr sei dies aber keineswegs der Fall gewesen, wie Fuko-Präsident Beat Loosli auf Anfrage sagt. «Das Dossier wird bei der Kapo von der gleichen Person betreut wie damals bei der Stadtpolizei.»

Die Kantonspolizei Solothurn zieht eine positive Bilanz, wie Mediensprecher Andreas Mock mitteilt. Angesprochen auf die Präsenz in der Stadt und in den Quartieren, will sich Mock nicht detailliert äussern.

«Die Beurteilung der Einsatzdichte im ganzen Jahr ist Bestandteil der internen Evaluation. Diese wird im ersten Quartal 2017 mit den städtischen Behörden besprochen.» Die Sicherheit im öffentlichen Raum habe sich jedoch seit der Überführung nicht verschlechtert, eher im Gegenteil: «Die Kantonspolizei Solothurn hat klar gemacht, dass sie gleich viele oder noch mehr Polizisten für die Wahrung der polizeilichen Aufgaben bringen will. Das ist der Fall», sagt Mock.